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Kirkel
Weiter Unterstützung für Flüchtlinge in Kirkel

Kirkel. Helfer in der Flüchtlingsarbeit tauschten sich über ihre Erfahrungen und aktuelle Entwicklungen aus. Von

Eine inhaltsreiche und bestärkende Vergewisserungsrunde gestalteten 20 Frauen und Männer zum Thema „Erfordernisse der Flüchtlingsarbeit in Kirkel-Neuhäusel“. Sie waren von der hiesigen Flüchtlingshilfe eingeladen, sich über ihre Erfahrungen und Einschätzungen auszutauschen. Leider waren die syrischen und afghanischen Familien in der Minderheit, was allerdings zum Erfahrungsbild beitrug, wie Josef Homberg vom Arbeitskreis für gemeindenahe Integration in das Leben in Kirkel.

Die Erfahrungen mit der Sprachförderung – für Erwachsene in Integrationskursen und freiwilligen Angeboten – für Kinder und Jugendliche in Kindertagesstätten und Schulen, zeigen bei den Erwachsenen an vielen Stellen im Ergebnis Begrenztheiten auf. In Teilen bleibt das Sprech- und Sprachvermögen eher schwach.

Dies gilt besonders für das Sprachverständnis. Hier gibt es Mängel, die zu Unsicherheit und Unverständnis für Herausforderungen im Alltag beitragen. Selbst dort, wo Kinder die deutsche Sprache schon gut gelernt haben und praktizieren, darf nicht davon ausgegangen werden, dass sie für sich und ihre Familien eine zentrale Verständigungsrolle nach innen und außen einnehmen können.



Wenn Sprache der Schlüssel für eine gelingende Integration ist, dann darf gefragt werden, wo die Türen sind, welche Türen sich öffnen lassen, damit um Verständigung und Austausch angeklopft werden könnte. Besonders mit den höchsten Erwartungen von Behörden und Ämtern, die ihre Formulare, Anträge, Benachrichtigungen und Vorgaben in einer umfänglichen sowie juristisch und formal abgesicherten Sprache und Form gestalten, können zumindest die Flüchtlinge auch nach längerem Aufenthalt zu wenig anfangen. Hier bestehen – wie auch in zahlreichen anderen Lebensfeldern – zu komplizierte und zu hohe Hürden, die das Gegenteil von niederschwelligen Möglichkeiten darstellen.

Die Hürden bei Verträgen jeder Art, bei Geschäftsverträgen, bei medizinischen Belangen oder in Bezug auf Mobilität sind häufig nicht minder hoch, um nach und nach durchschaut und selbständig bewerkstelligt zu werden. Dies gilt auch für die Erfordernisse, die mit der Suche nach Arbeit oder Wohnung oder Spielregeln des täglichen Lebens in Verbindung stehen.

Feststellbar ist, dass in den wenigsten Fällen schlechte Absichten zu Mängeln in der Kommunikation führen; es sind vielmehr Unsicherheiten und Begrenztheiten im Durchschauen können, was Ursache und Wirkung, was Anlass und Folge zueinander bedeuten.

Ein sehr positives Beispiel von Kooperation zwischen Freiwilligen und dem Jobcenter zeigt sich im Projekt „Mein Weg in die Arbeit“. Hier werden die Erfahrungen der Ehrenamtlichen mit ihren Kenntnissen in Bezug auf ausländische Frauen und Männer eingesetzt. Dadurch soll die Chance einer Vermittlung in Arbeit, auch bei schwächerem Sprachvermögen der Beteiligten, erhöht und ausgeweitet werden. Die Tatsache, dass das Jobcenter auf die Mitteilungen der Ehrenamtlichen und deren Beteiligung an der Umsetzung wert legt, zeigt wie hilfreich es sein kann, wenn Erfahrungskompetenzen eine Rolle spielen dürfen.

Die Frage, ob Hilfen und Verantwortlichkeiten mit und für die Flüchtlingsfamilien erforderlich bleiben, hat sich in der Runde nicht gestellt. Vielmehr geht es um Schwerpunktsetzung für das, was leistbar ist. Hier könnte ein Akzent darin liegen, junge Menschen zu begleiten, die absehbar im Übergang von Schule zu Ausbildung fördernde und begleitende Hilfen gebrauchen können.

Einen nachdenklichen und gleichzeitig beeindruckenden Akzent des Austauschs stellte der junge Syrer Yazan H. zur Verfügung. Er schilderte seine Lebenslage und gab zu seiner eigenen Geschichte Auskunft. Dabei wurden auch Ängste und Unsicherheiten genannt, die für ihn noch keine umfassende und ergiebige Kommunikation ermöglichen. Neben seinem Dank für die Hilfen, die er erfahren hat, machte er seinen Bekannten und den Flüchtlingen vor Ort insgesamt Mut, sich in die Aufgaben der kulturellen und sozialen Lebensentwicklung einzubringen, schreibt Homberg abschließend.