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Burg Kirkel
Eine Fluchttreppe sorgt für Ärger

Der Nordwesthang des Kirkeler Burgkegels wurde komplett abgeholzt. Dort soll eine neue Fluchttreppe angelegt werden. Die Gärten der Anwohner der Hirschbergstraße grenzen direkt an das gerodete Stück.  
Der Nordwesthang des Kirkeler Burgkegels wurde komplett abgeholzt. Dort soll eine neue Fluchttreppe angelegt werden. Die Gärten der Anwohner der Hirschbergstraße grenzen direkt an das gerodete Stück.   FOTO: Ursula Scheck
Kirkel. Der westliche Burghang in Kirkel wurde komplett gerodet. Die Anwohner sind verärgert und wollten Antworten von Bürgermeister Frank John.

In Kirkel sieht die Rückseite des Burgberges aus, als hätten mittelalterliche Ritter dort ein Heerlager abgehalten. Kahl, braun und leer. Doch die Ritter sind lange vorbei, 800 Jahre später hört sich die Erklärung von Bürgermeister Frank John eher praktisch an: „Wir haben den Burgberg jetzt roden lassen, weil das Angebot der Firma gerade besonders günstig war.“

Das klingt zunächst, als sei es mutwillig geschehen, was natürlich nicht der Fall war. Denn an die Rückseite des Burgberges wird eine Treppe gebaut, „als zweiter Fluchtweg, der bei Großveranstaltungen inzwischen verbindlich vorgeschrieben ist“, so John. Dafür musste Platz geschaffen werden. Sehr zur Empörung der Anwohner der dahinter liegenden Hirschbergstraße, die kürzlich morgens die Bagger und die Häckselmaschinen anrücken sahen. „Im Nullkommanichts war  von dem Bewuchs nichts mehr übrig“, sagt eine Anwohnerin, „die Füchse, die dort hausten, haben jetzt keinen Schutz mehr. So schnell konnte man gar nicht gucken, wie die Bäume verschwunden waren.“ Zurück blieb eine hässliche, abgeholzte Fläche.

Die Dame war, wie rund 40 weitere Betroffene aus der Hirschbergstraße, am Dienstag Abend ins Sängerheim gekommen, um dort anlässlich einer Bürgerversammlung ihren Ärger über die Rodung loszuwerden. Aber auch, um endlich Klarheit darüber zu bekommen, was die Gemeinde Kirkel denn nun eigentlich mit dieser Aktion bezwecke. Zumal Gerüchte kursierten, in denen auch von einer neuen Zufahrtstraße die Rede war. Bürgermeister Frank John und sein  Mitarbeiter Dietmar Schäfer waren ins Sängerheim gekommen, um sich den Fragen der Anwohner zu stellen und Antworten zu geben.



Die wichtigste Information des Bürgermeisters: Es wird eine etwa zwei Meter breite Betontreppe gebaut werden, die bei Großveranstaltungen auf der Burg den Besuchern im Falle einer Notsituation einen weiteren Fluchtweg bieten soll. Die Kosten dafür sollen sich auf rund 230 000 Euro belaufen.

Warum überhaupt eine Treppe, und wenn ja, warum ausgerechnet bei uns? Das waren anschließend die Fragen der Bürger. Und wie so oft bei diesen Aussprachen, brach sich ein lange aufgestauter Ärger der Anwohner der Hirschbergstraße Bahn, von dem selbst Bürgermeister John überrascht war: „Wir haben die Nase voll von Besoffenen, von Großveranstaltungen, von Krach und von Leuten, die Flaschen und Pappbecher in unsere Gärten werfen“, so fassten es sinngemäß mehrere Anwohner zusammen.

Was war geschehen, um die Bürger derart aufzubringen? Begonnen hatte  der Ärger mit der „wilden Parkerei vor unseren Häusern“, so die einhellige Meinung. Durch den Bekanntheitsgrad des Mittelaltermarktes und der Burgweynacht, hätten sich  Besucher von auswärts am Fuße der Burg überall mit ihren Autos hingestellt. Für die eigentlichen Anwohner sei kein Platz mehr gewesen, „wir sind nicht einmal in unsere Garagen gekommen.“ Zu allem Überfluss hätten dann noch die Kirkeler als Gastgeber die Knöllchen bekommen.

Dann ging’s weiter mit den Großveranstaltungen. Wobei alle Anwesenden einen Unterschied machten zwischen dem Burgsommer für die Schulkinder, der einhellig begrüßt wurde, und den Großveranstaltungen wie Mittelaltermarkt, Burgweynacht und Weinmarkt, deren Sinn sogar angezweifelt wurde: „Wozu braucht Kirkel überhaupt diese Veranstaltungen, wo doch kaum ein Kirkeler hingeht?“ fragte ein Anwohner bewusst provokativ.

Frank John verwies auf den positiven Aspekt für die Gastronomie und den Bekanntheitsgard von Kirkel: „Es ist doch für eine Gemeinde auch ein Aushängeschild, solche Veranstaltungen anzubieten“.

Diese Ansicht teilten die Anwesenden nicht unbedingt. Außerdem waren mehrere Anwohner der Meinung, die Fluchttreppe hätte am vorderen Teil der Burg angelegt werden müssen, idealerweise gegenüber der Burgschenke, „da, wo man sie auch sieht“. Dies sei nicht gegangen, weil die Mehrzahl der Grundstücke dort in Privatbesitz seien, konterte Bürgermeister John.

Dann hätte die Gemeinde  die Grundstücksbesitzer doch wenigstens mal fragen können, „ob sie nicht ein paar Meter abgeben“, so ein Anwohner, der ägerlich war, dass dies nicht getan worden war.

Was bleibt als Ergebnis der Bürgerstunde? John und Schäfer gestanden den Bürgern zu, dass die Fluchttreppe nur bei Großveranstaltungen geöffnet würde, damit aus der Treppe nicht ein regulärer Zugang werde, „von dem aus dann alkoholisierte Besucher den Sonnenuntergang beobachten können“, wie eine Anwohnerin mit ironischem Unterton bemerkte.

Zu einer Anwohnerversammlung im Sängerheim in der Hirschbergstraße waren rund 40 von den Neuerungen betroffenen Bürger gekommen. Bürgermeister Frank John (rechts) erklärte, was geplant ist. 
Zu einer Anwohnerversammlung im Sängerheim in der Hirschbergstraße waren rund 40 von den Neuerungen betroffenen Bürger gekommen. Bürgermeister Frank John (rechts) erklärte, was geplant ist.  FOTO: Christine Maack