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Eine Betriebstssörung der Moderne
Urängste sind bis heute nicht gebannt

 Christine Maack
Christine Maack FOTO: SZ / Robby Lorenz
Das Gute am Corona-Virus ist, dass es nicht die Pest ist. Es wird nicht ganze Landstriche entvölkern und ein dem religiösem Wahn verfallenes Volk hinterlassen. Dennoch trifft uns die Lungenerkrankung Covid-19 – so wird Corona offiziell genannt – völlig unerwartet, denn unsere Gesellschaft ist nicht darauf eingestellt, von Epidemien heimgesucht zu werden.

Erst jetzt wird klar, wie vernetzt wir tatsächlich sind. Und wieviele Menschen wir täglich treffen, wen wir alles kennen, auf welche Veranstaltungen, in welche Restaurants und zu welchen Vorträgen wir gehen. Wieviele Termine wir im voraus festgelegt haben, Geburtstage, Wandertouren, eine Kommunionfeier, eine Urlaubsfahrt nach Italien an Ostern – eine endlose Liste, die wir gerne abarbeiten, denn sie bildet unser gesellschaftliches Leben ab. Und das wird nun bedroht, noch nicht wirklich schlimm, aber doch schon deutlich spürbar. Haben wir uns je Gedanken gemacht, ob wir von einem Besuch bei Freunden in Berlin oder Verwandten in Nordrhein-Westfalen womöglich krank zurückkommen? Oder gar aus Italien? Dass Flüge eingestellt, Fabriken geschlossen und ein Land wie China quasi stillgelegt wurde, können wir uns kaum vorstellen. Was können wir uns vorstellen? Zum Beispiel die Absage der Saar-Lor-Lux-Tourismus-Messe in St. Ingbert. Auch wenn dies zu verschmerzen ist, spüren wir eine leichte Bedrohung. Unser Jahrtausend ist erst 20 Jahre alt, aber die uralten Gefahren kommen wieder.