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Tiere ziehen ins Industriegebiet
Bürger sind zur Führung eingeladen

 Hase bei Bahnlog
Hase bei Bahnlog FOTO: Bahnlog / Gunter Kopp
Altstadt. Vor einem Jahr bekam Bahnlog einen Preis für ein naturnahes Industriegelände. Am 31. August ist eine Begehung. Christine Maack

Seit sieben Jahren beschäftigt sich Freilandforscher Christoph Bernd im Auftrag der Firma Bahnlog mit Artenschutz und „Hilfsmaßnahmen zur Wiederbesiedelung von bedrohten Arten“ – das heißt, er will vor allem Vögel und Amphibien wieder heimisch machen.

In alten Stollen hängte er Unterschlupfmöglichkeiten für Fledermäuse auf, aus alten Lagerhallen, in denen einst die DB ihre Gasflaschen untergebracht hatte, baute er riesige Volieren für die Steinkäuze, die im Mai auf dem Gelände in Nistkästen geschlüpft sind. In etwa vier Wochen sollen sie ausgewildert werden.

Bereits im September 2014 wurden die ersten Steinkauz-Nachzuchten aus dem Greifvogel-Zoo am Potzberg auf dem Gelände des Gleisbauhofes mit behördlicher Genehmigung ausgewildert. Seitdem hat sich ein kleiner Bestand auf dem Gelände etabliert. Das erkennt der erfahrene Artenschützer Bernd zum Beispiel an frischen Ausscheidungen in der Nähe der Nistkästen. Nun hat sich die Firma Bahnlog entschlossen, die Aktivitäten im Natur- und Artenschutz auf ihrem Gelände einer breiteren Bevölkerung zu zeigen und bietet für alle interessierten Bürger eine Begehung mit dem Experten Christoph Bernd an. Treffpunkt ist am Donnerstag, 31. August, um 17 Uhr am Bahnlog-Verwaltungsgebäude. Anlass ist nicht nur der Möbel-Martin-Naturschutzpreis, den Bahnlog vor einem Jahr erhielt, sondern auch der Beitritt zu dem Netzwerk „Biodiversity in good company“. Zu diesem Verbund haben sich  Unternehmen zahlreicher Branchen zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der  Biodiversität zu engagieren. Mit dabei sind zum Beispiel Firmen wie Ritter Sport, Faber-Castell, Rewe oder Tchibo.



Nicht alle haben, wie Bahnlog, ein Gelände zur Verfügung, auf dem sie die guten Absichten gleich in die Tat umsetzen können. Michael Fries, der Geschäftsführer von Bahnlog, wollte von Anfang an das Gelände nicht nur für Recycling und Logistik nutzen, sondern parallel dazu die Natur weiterentwickeln. Es gebe, so Naturlandforscher Bernd, „hier die seltene Möglichkeit, einerseits ein ehemaliges   Industriegelände mit Tierarten zu besiedeln, die man heute als Industriefolger bezeichnet als auch bedrohte Arten wie den Steinkauz neu anzusiedeln“.  Vorbild sei dabei auch die Halde Haniel bei Bottrop, auf der neben unterschiedlichen Hautflüglern auch Turmfalken, Erdkröten, Zauneidechsen und Wildkaninchen leben. Einige der dort anzutreffenden Tierarten sind in Nordrhein-Westfalenmittlerweile in ihren Beständen gefährdet und finden wenigstens auf dem ehemligen Industrie-Gelände gute Lebensbedingungen vor. Christoph Bernd, der im Auftrag von Bahnlog-Geschäftsführer Jörg Michael Fries sein Artenschutzprojekt verwirklichen kann, ist von dem Gelände sehr angetan: „Ich finde hier Bedingungen vor, die einmalig sind im Saarland. Viele seltene Arten siedeln hier, weil es industrielle Tätigkeiten gibt, die für offene und geschützte Stellen sorgen, die für diese Tiere zum Überleben notwendig sind.“ Anfang September werden – auch wie im Vorjahr – über 100 Laubfrösche ausgesetzt. Alles Projekte zur Wiederherstellung des landschaftstypischen Arteninventars.

Das Gelände der Firma Bahnlog liegt zwischen Homburg und Altstadt. Es handelt sich um den ehemaligen Zollbahnhof. Die Firma Bahnlog ist ein Logistik- und Wiederaufbereitungs-Unternehmen, was nahe liegt, da Gleise vom Homburger Bahnhof direkt auf das Bahnlog-Gelände führen. Der Geschäftsführer, Jörg Michael Fries, finanziert das Projekt, Freilandforscher Christoph Bernd kümmert sich um die Ausführung. Seine Forschung gilt Tieren, die sich auf Industriebrachen wieder ansiedeln.

 Eidechsen auf dem Bahnlog-Gelände schätzen die kahlen, offenen Stellen, an denen die Sonne direkt auf die Steine scheint, die seit 100 Jahren auf dem Gelände herumliegen und nicht entfernt wurden.
Eidechsen auf dem Bahnlog-Gelände schätzen die kahlen, offenen Stellen, an denen die Sonne direkt auf die Steine scheint, die seit 100 Jahren auf dem Gelände herumliegen und nicht entfernt wurden. FOTO: Bahnlog / Gunter Kopp
 Der Brandweiher in Altstadt liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnlog-Geländes.
Der Brandweiher in Altstadt liegt in unmittelbarer Nähe des Bahnlog-Geländes. FOTO: Bahnlog / Gunter Kopp