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Weiterhin anerkannt
Bliesgau wird noch in Paris bewertet

 Medelsheim liegt in der Kernzone der Biosphäre Bliesgau. Nun wartet man auf eine Anerkennung für weitere zehn Jahre.
Medelsheim liegt in der Kernzone der Biosphäre Bliesgau. Nun wartet man auf eine Anerkennung für weitere zehn Jahre. FOTO: Markus Dawo / Photographer: Markus Dawo
Homburg. Um Biosphärenreservat zu bleiben, muss man vor der Unesco alle zehn Jahre vorweisen, was man geleistet hat. Von Christine Maack

Früher war in der Hotelbranche alles einfacher: Man bekam drei Sterne – und dabei blieb es, egal wie veraltet der Fernseher oder wie wackelig der Wasserhahn war. Das hat sich natürlich längst geändert, denn Sterne und Auszeichnungen aller Art werden in regelmäßigen Abständen von Experten kontrolliert. Man nennt das Evaluierung. Und was für kleine Orte wie Hotels gilt, gilt auch für große, zum Beispiel für das Biosphärenreservat Bliesgau, das vor zehn Jahren die Anerkennung der Unesco bekam.

Hat es die auch weiterhin verdient? Dürfen der Bliesgau und seine angrenzenden Gebiete auch in zehn Jahren noch als Biosphärenreservat gelten? Die endgültige Anerkennung dafür erfolgt zwar erst im Juni, aber vorab kann schon mal gesagt werden: Es sieht alles sehr positiv aus, wie es Landrat Theophil Gallo formulierte.

Um den Weiterbestand der für das Saarland so wichtigen Auszeichnung zu garantieren, haben die beiden Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Gerhard Mörsch und Holger Zeck, einen Bericht verfasst, der nun dem zuständigen Unesco-Komitee in Paris vorgelegt wird. Damit das Ganze nicht ausufern sollte, gibt es Regeln: man durfte nur 50 Seiten Text einreichen, was, wie Holger Zeck betonte, gar nicht so einfach war: „Natürlich wollte sich jeder mit seinen Aktivitäten darin wiederfinden. Am Ende musste viel gekürzt und eingedampft werden.“



Bevor dieser Bericht nun nach Paris geht, musste er aber erst die deutsche Hürde nehmen und zunächst bei der MAB (Man and the Biosphere) eingereicht werden. „Das Biosphärenreservat hat nach zehn Jahren eine hohe Sichtbarkeit und Akzeptanz erlangt, die sich in einer guten Wiedererkennung in der Region und einem hohen Engagement der Akteure widerspiegelt“, heißt es im Schreiben des deutschen MAB-Nationalkomitees an die Unesco. Dieses Komitee ist ein nationales Fachgremium, berufen vom Bundesumweltministerium, das für die Unesco die periodische Evaluierung der Reservate begleitet.

Die Zeichen für eine weitere Anerkennung des Biosphärenreservats Bliesgau durch die Unesco stehen also auch nach Ansicht dieses Komitees gut, das auch schon einige Empfehlungen vornahm: Im Falle der Zonierung des Biosphärenreservates wird einerseits gewürdigt, dass die Kern- und Pflegezonen seit 2009 etwas vergrößert und die naturschutzrechtlich geschützte Fläche im Reservat gesteigert wurde. Andererseits wird aber kritisiert, dass nicht alle Kernzonen durch Pflegezonen abgepuffert seien. Was man jetzt aber angeht, wie Frank John, Bürgermeister von Kirkel und stellvertretender Verbandsvorsteher des Biosphärenzweckverbandes am Beispiel des Taubentals erläuterte: „Das Taubental ist Biosphären-Kernzone, jetzt haben wir erreicht, dass um diese Kernzone herum Wald und Feld als Pufferzone ausgewiesen werden konnten.“

 Gibt es auch Kritik an der bisherigen Aufstellung des Biosphärenreservates? Das Komitee bemängelt aus seiner Sicht „zu geringe Aktivitäten im Bereich Forschung und Monitoring“. Hier werde „die Ausweitung von Projekten, unter anderem auch zu sozioökonomischen Fragestellungen“, erwartet.

Was für die Verantwortlichen kein allzu großes Problem darstellen dürfte, zumal es im Saarland genügend Hochschuleinrichtungen gibt, die sich mit diesen Aspekten befassen könnten. Überhaupt, so betont Holger Zeck, sei das Biosphärenreservat Bliesgau eines der am dichtesten besiedelten im weltweiten Vergleich, „sonst sind es oft eher einsame Naturareale.“ Aber gerade aus der Besiedelung ließen sich Vorteile ziehen: „Man kann bei uns die Bewohner dafür begeistern und dazu animieren, mitzumachen“, so Landrat Gallo, der sich insgesamt noch mehr Engagement für die Biosphäre wünscht. Sind denn schon mal Biosphärenreservate aus der Anerkennung rausgeflogen? Auch dies gibt es, so Gerhard Morsch, oft seien dies aber Gebiete, die ohnehin schon National- oder Naturparks seien und die für die zusätzliche Anerkennung als Biosphärenreservat keine Mehr-Arbeit mehr aufbringen konnten. Holger Zeck erwähnt den Nationalpark Bayrischer Wald, der sich zurückgezogen habe, „aber der braucht das auch nicht.“ Das Saarland hingegen könne den Leuchtturm Biosphärenreservat Bliesgau in seiner Außendarstellung nicht missen.

 Bei der Vorstellung des Berichts an die Unesco: (v.l.) Gerhard Mörsch, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Frank John, Bürgermeister von Kirkel, Landrat Theophil Gallo, Staatssekretär im Umweltministerium Sebastian Thul, Helga May-Didion (Umweltministerium) und Holger Zeck, zweiter Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes .
Bei der Vorstellung des Berichts an die Unesco: (v.l.) Gerhard Mörsch, Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes, Frank John, Bürgermeister von Kirkel, Landrat Theophil Gallo, Staatssekretär im Umweltministerium Sebastian Thul, Helga May-Didion (Umweltministerium) und Holger Zeck, zweiter Geschäftsführer des Biosphärenzweckverbandes . FOTO: Christine Maack