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Ferienmaßnahme
Auf eigene Faust Kunststühle gestaltet

Mit ihren kleinen Mitstreitern aus der Ferienbetreuung der Freiwilligen Ganztagsschule Beeden zauberte die Innenarchitektin und Künstlerin Martina Reith (rechts) in der vergangenen Woche ganz viele „verrückte Stühle“.
Mit ihren kleinen Mitstreitern aus der Ferienbetreuung der Freiwilligen Ganztagsschule Beeden zauberte die Innenarchitektin und Künstlerin Martina Reith (rechts) in der vergangenen Woche ganz viele „verrückte Stühle“. FOTO: Thorsten Wolf
Beeden. An der Freiwilligen Ganztagsschule in Beeden konnten Kinder in den Ferien alte Stühle neu aufpolieren. Von Thorsten Wolf

„Der unzufriedene Mensch findet keinen bequemen Stuhl.“ Es war der US-amerikanische Politiker Benjamin Franklin, der mit diesen Worten den zahlreichen Sinnsprüchen zum Thema „Stuhl“ einen weiteren hinzufügte. Und von Franklins Warte aus betrachtet, dürfte es dann derzeit 19 ziemlich zufrieden Kinder geben – genau die, die in der vergangenen Woche an einen ganz besonderen Ferienprojekt der Freiwilligen Ganztagsschule (FGTS) in Beeden teilgenommem haben. Denn: Unter der Anleitung der Limbacher Innenarchitektin und Künstlerin Martina Reith konnte die Mädchen und Jungen fast auf eigenen Faust ihren eigenen, bequemen „Kunststuhl“ gestalten.

„Das Thema war ‚Der verrückte Stuhl‘“, beschrieb Reith am Freitagmorgen die grobe Richtung des Ferienprojektes – während sie einer ganzen Reihen von eben verrückten Stühlen mit ein bisschen Klarlack das letzte Finish gab. „Und es ging auch um ‚aus alt mach‘ neu‘, wir wollten also aus alten Gegenständen etwas Neues zaubern.“ Um das hinzukriegen, braucht man natürlich erstmal eben etwas Altes. Und dafür hatte St. Remigius gesorgt, von dort kamen die ganzen alten Stühle, die nun quasi ein zweites Leben geschenkt bekommen haben. Reith: „Die Kinder durften sich aussuchen, was sie aus den Stühlen machen wollten, konnten eigene Ideen entwicklen. Und ich habe dann bei der Umsetzung ein wenig geholfen.“

Um es den Kindern ein wenig einfacher zu machen und auch um die einwöchige Ferienfreizeit in der Beeder FGTS, die wird getragen vom  Roten Kreuz, besser nutzen zu können, habe sie schon ein paar Schablonen geschnitten, die dann mit Pappmaché gestaltet werden konnten. Jeden Morgen von 9 bis 12.30 Uhr hätten die Kinder seit Montag an ihren verrückten Stühlen gearbeitet, erzählte Reith, während sie sich langsam dem großen Finale der Kinder-Kunst-Aktion näherte. Gefragt, was an Themen bei den Mädchen und Jungen besonders gefragt gewesen sei, verwies Reith gleich auf ein „kleines Rudel“ von zum Hund umgestalteten Stühlen. „Das war ein Renner!“ Grundsätzlich, so Martina Reith, sei sie selbst bei solchen Projekten sowohl Künstlerin als auch Pädagogin.



„Mit liegt viel daran, den Kindern auch etwas beizubringen. So malen wir immer mit den Grundfarben, es gibt nur Rot, Gelb und Blau. Und mit dem deswegen nötigen Mischen von allen anderen Farben erlernen die Kinder gleich noch etwas über den Farbkreis.“ Zudem mindere dieser Ansatz auch die Gefahr, „dass die Stühle farblich ins Braun und Schwarz absacken, das passiert nämlich dann sehr schnell“, erklärte Reith, die in der Vergangenheit dieses Kunstprojekt schon mehrfach durchgeführt hatte. Projekte wie das in Beeden in der vergangenen Woche seien ihr sehr wichtig, „ich liebe so was, auch die Zusammenarbeit mit Kindern. Das macht einfach Spaß.“ Großes Finale war am Freitag-Mittag natürlich die Präsentation der bunten und verrückten Stühle. Und dafür hatten sich Martina Reith und Helga Decker, die Leiterin der Beeder FGTS, etwas Besonderes einfallen lassen: Kurzerhand wurden alle Stühle auf die Mauer der Schule in Richtung Straße gestellt.

Und so hatten alle Autofahrer und Fußgänger, die in diesem Moment an der Grundschule Beeden vorbeifuhren oder vorbei gingen, die Möglichkeit, eine ganz besondere „Ausstellung“ zu erleben. Zu sehen gab es Stühle, die zu Hunden, Sternen, Burgen, Herzen, Schnecken, Mäusen, Katzen und vielen anderen lustigen und bunten Ideen verwandelt worden waren. „Als ich vor vier Jahren das hier zum ersten Mal gemacht hab, war es witzig zu sehen, wie die Autofahrer auf die Stühle reagiert haben, die sind alle auf die Bremse getreten“, freute sich Martina Reith mit einem Augenzwinkern. Die kleinen Künstler selbst nahmen zwar nicht auf ihren eigenen Kunstwerken Platz, aber auch sie zeigten sich mit einigem Stolz „der Öffentlichkeit“. Es war also eine Woche Ferienbetreuung in der Beeder FGTS, die in Sachen Kreativität, Einfallsreichtum und Nachhaltigkeit den Mädchen und Jungen einiges bieten konnte.

Oder, um es mit Carl Ludwig Schleich, dem deutschen Chirurgen und Schriftsteller, zu sagen: „Kindlich sein bedeutet: Alle Werte umwerten zu können. Dem Kinde nur kann ein Stuhl zur Pferderennbahn, ein alter Hut zur Krone werden. Es sind die kleinen Phantasieflammen, die das kalte Leben so warm machen.“ So betrachtet, haben die Kinder der Ferienbetreuung in der vergangenen Woche gleich eine ganze Reihe von Flammen der Phantasie entzündet.