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Kinder entdecken das Mittelalter
Abenteuer in der Welt des Mittelalters

Unter der Anleitung von Claudia Biewer machten sich Lea (Mitte) und Lina am ersten Tag des Ferienprogramms auf der Kirkeler Burg daran, aus einem Klumpen Ton einen Kerzenhalter zu zaubern.
Unter der Anleitung von Claudia Biewer machten sich Lea (Mitte) und Lina am ersten Tag des Ferienprogramms auf der Kirkeler Burg daran, aus einem Klumpen Ton einen Kerzenhalter zu zaubern. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Auf der Kirkeler Burg ist das einwöchige Ferienprogramm gestern mit einem gewaltigen Andrang gestartet. Die Kinder dürfen hautnah mittelalterliches Handwerk erleben. Vom Töpfern bis zum Weben gibt es eine Vielzahl von Angeboten. Von Thorsten Wolf

Montagmorgen, zehn Uhr. Gerade erst hat auf der Kirkeler Burg das einwöchige Ferienprogramm begonnen. Doch schon jetzt hat Heike Scherer-Dahmen vom Amt für Kultur, Sport und Tourismus der Gemeinde Kirkel alle Hände voll zu zu. 98 Voranmeldungen gab es. Diese und die Gäste ohne Vorankündingung gilt es in Empfang zu nehmen. Jeder Teilnehmer und jede Teilnehmerin bekommt von Scherer-Dahmen ein kleine Laufkarte. Dort ist alles aufgeführt, was man an mittelalterlichem Handwerk erleben kann.

Und das ist nicht wenig: Es gibt eine Holzwerkstatt, eine Webwerkstatt, eine Steinbildhauerei, die Filzerei, die Lederei, man kann Perlenbänder gestalten und töpfern. Auch Tundeln, Kerzenziehen, Armbrust- und Bogenschießen, Brotbacken und Kerzenziehen stehen auf dem Programm. Alles ist bei den meist kleinen Abenteurern gefragt. Doch vor allem die Schmiede ist der Renner. Dort können die Jungen und Mädchen ihre Können beim Anfertigen von Schwertern zeigen.

Bis zu 200 Teilnehmer kann das Ferienprogramm auf der Kirkeler Burg täglich bewältigen. Und das mit einem bewährten Programm. Dieses zieht schon vor den Ferien beim „Burgsommer für Schulen“ in jedem Jahr einige Tausend Grundschulkinder in den Bann des mittelalterlichen Handwerks. Das nun laufende Ferienprogramm in der zweiten Ferienwoche ist die traditionelle Forsetzung dieses Erfolgsmodells. Alles zusammen gipfelt schließlich im Erlebniswochenende. Das beschließt am kommenden Samstag das Ferienprogramm mit einem Erlebnistag im Handwerkerdorf und mit einem Abendspektakel mit Schwertkämpfen und Feuershow.



Doch so weit ist man an diesem Montagmorgen noch nicht. Jetzt geht es für die Gemeinde als Veranstalter und die unterschiedlichen Handwerks-Dozenten erst mal darum, die abenteuerlustigen Mittelalter-Forscher richtig zu beschäftigen. Mit dabei auch die siebenjährige Lina und ihre elfjährige Schwester Lea aus Kirkel. Für Lina ist es das erste Mal, dass sie am Ferienprogramm im Handwerkerdorf der Kirkeler Burg teilnimmt. Ihre Schwester hat da mehr Erfahrung. Sie war in den vergangenen Jahren schon zwei mal auf den Spuren des mittelalterlichen Handwerks unterwegs. „Ich freue mich am meisten auf die Schmiede. Ich hab’ schon ein Schwert und zwei Messer zu Hause“, erzählt Lea. Und bei der Frage, ob ihr im Programm etwas gar keinen Spaß macht, ist sie fix. „Mir macht alles Spaß.“ Auf die Burg „zwingen“ habe sie Lina und Lea nicht, erzählt Mama Genevieve Lambert. „Das ist schon ein fester Ferienbestandteil, auf den Fall.“

Als erste die vielen Stationen suchen sich Lea und Lina die Töpferei aus. Dort landen die beiden bei Dozentin Claudia Biewer. „Was wollt ihr machen?“, fragt Biewer die beiden Mädchen. „Kerzenhalter“ ist die Antwort von Lea. Und schon fängt sie an, die große Töpferscheibe in Schwung zu bringen. „Du machst das richtig gut“, freut sich Claudia Biewer. Es dauert nicht lange, bis aus dem Klumpen Ton der gewünschte Kerzenhalter wird. Und nach Lea zeigt auch Lina das nötige Geschick. Während die beiden fertigen Kerzenhalter dann in der Sonne trocknen können, zieht es die Mädchen weiter zum Tundeln. Dabei handelt es sich um historische Flechttechnik. Mit der wurden früher Schnüre, Bänder oder Kordeln hergestellt. Lea und Lina nutzen das mittelalterliche Handwerk dazu, um sich Freundschaftsarmbänder zu fertigen.

Während dessen geht es in der Schmiede direkt nebenan buchstäblich heiß her. Am Amboss fertigt Peter Gebhardt mit schweren Hammerschlägen die Rohlinge, aus denen die Nachwuchsritter dann ihr „Handwerkszeug“ fertigen können. Es geht laut zu. Kinderlachen mischt sich mit so einigen Erzählungen der Dozenten. Es wird gehämmert, geschliffen und poliert. Doch nicht nur mittelalterliches Handwerk gibt es zu entdecken. Zum Ferienprogramm gehört auch eine Burgführung. Zu der sammelt Peter Steffen, der Vorsitzende des Förderkreises Kirkeler Burg, um 11 Uhr eine ganze Kinderschar um sich. Und auch das Heimatmuseum ist fester Bestandteil. Hier ist Burgmeister Peter Hidiroglu verantwortlich. „Dort haben wir speziell für die Kinder eine Ritterrüstung mit Helmen stehen. Diese können die Jungen und Mädchen anprobieren. Das ist natürlich ein Highlight!“ Eines von vielen an diesem Montag und noch in der ganzen Woche.

Mit hartem Schlag formte Peter Gebhardt in der Schmiede des Handwerkerdorfes Schwert-Rohlinge.
Mit hartem Schlag formte Peter Gebhardt in der Schmiede des Handwerkerdorfes Schwert-Rohlinge. FOTO: Thorsten Wolf