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Relikte aus dem ZweitenWeltkrieg
Kampfmittelräumdienst im Großeinsatz

Bei Vallendar sind aufgrund des Niedrigwassers eines Rheinarms drei gefährliche Nebelfässer aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht. Der Kampfmittelräumdienst will sie an diesem Sonntag kontrolliert sprengen.
Bei Vallendar sind aufgrund des Niedrigwassers eines Rheinarms drei gefährliche Nebelfässer aus dem Zweiten Weltkrieg aufgetaucht. Der Kampfmittelräumdienst will sie an diesem Sonntag kontrolliert sprengen. FOTO: dpa / Thomas Frey
Konz/Neuwied. Der Zweite Weltkrieg ist seit mehr als 70 Jahren vorbei — doch immer noch lauern viele Gefahren aus dieser Zeit in Rheinland-Pfalz. Die zuständigen Experten kommen gegenwärtig nicht zur Ruhe.

Der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz hat alle Hände voll zu tun mit Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg: An diesem Sonntag will er eine Bombe in Konz entschärfen und nahe Koblenz drei Nebelfässer kontrolliert sprengen. Am 4. November soll die Entschärfung einer 1000-Kilogramm-Bombe in Neuwied folgen. Das teilte der technische Leiter des Kampfmittelräumdienstes Rheinland-Pfalz, Horst Lenz, mit.

Für die Bombenentschärfung am Sonntag in Konz im Kreis Trier-Saarburg müssen nach Angaben der Stadt in einem Umkreis von 1000 Metern rund 6600 Bürger ihre Wohnungen verlassen. Der Blindgänger war in der Nacht zum Donnerstag bei Bau- und Gleisarbeiten nahe dem Bahnhof Konz-Mitte gefunden worden. Die Fundstelle ist laut einem Sprecher der Bundespolizei abgesichert – von dem Blindgänger gehe keine Gefahr aus.

Die Bahnreisenden müssen sich bis auf weiteres auf der Strecke zwischen Trier, Konz und Perl im Saarland auf Zugausfälle einstellen. Die Strecke war in der Nacht gesperrt worden, mittlerweile hat die Bahn ein Busnotverkehr zwischen Wellen (Mosel) und Konz-Karthaus eingerichtet. Züge von Perl nach Wellen verkehren ebenso wie von Konz-Karthaus nach Trier.



Die drei gefährlichen Nebelfässer nahe der unbewohnten Rheininsel Graswerth bei Vallendar nahe Koblenz waren im extremen Niedrigwasser des Rheins entdeckt werden. Bei der kontrollierten Sprengung an diesem Sonntag sollen 20 bis 25 Häuser am Festland evakuiert und die Bundesstraße B 42 gesperrt werden. Laut Lenz ist unklar, ob die rostigen Fässer noch Nebelsäure enthalten. Bei dem Kontakt dieser Chemikalie mit Wasser könnten Flammen hochschlagen. Im Weltkrieg wurden die Fässer für eine dichte Nebelbildung zum Schutz wichtiger Objekte vor Luftangriffen genutzt.

Ebenfalls im historischen Niedrigwasser entdeckte nach Worten von Lenz am vergangenen Mittwoch ein Spaziergänger die US-amerikanische 1000-Kilogramm-Bombe bei Neuwied. „Wir haben die Bombe zur Sicherheit an die Kette gelegt“, ergänzte der Experte mit Blick auf den schwankenden Wasserstand. „Die Fundstelle wird bewacht.“

Die Bombe war nur wenige hundert Meter entfernt von der Stelle gefunden worden, wo der Kampfmittelräumdienst bereits am 6. September eine US-amerikanische 500-Kilogramm-Bombe im Rhein kontrolliert gesprengt hatte. „Im Zweiten Weltkrieg wurden fast 3000 große Bomben abgeworfen, um die Eisenbahnbrücke von Neuwied-Irlich zu zerstören“, berichtete Lenz. „Nur eine einzige hat die Brücke getroffen – und nach rund sechs Stunden war sie damals schon wieder repariert.“

Bei der am 4. November geplanten Entschärfung einer 1000-Kilogramm-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg müssen in Neuwied fast 9000 Bürger ihre Wohnungen verlassen. Sie werden mit Flugblättern benachrichtigt, wie die Stadt am Freitag mitteilte. Diese informierten über Zeitplan und Betreuungsstellen. Von diesem Montag an gebe es auch eine Hotline für Fragen. Ein Spaziergänger hatte am vergangenen Mittwoch den US-amerikanischen Blindgänger im historischen Niedrigwasser des Rheins entdeckt. Laut Stadtverwaltung geht von der Bombe keine Gefahr aus. „Sie wird außerdem bewacht.“

(dpa)