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Altes Kriegsgerät
Gefährliche Nebelfässer im Niedrigwasser

Immer öfter muss der Kampfmittelräumdienst ausrücken, weil das Niedrigwasser des Rheins altes Kriegsgerät zutage fördert.
Immer öfter muss der Kampfmittelräumdienst ausrücken, weil das Niedrigwasser des Rheins altes Kriegsgerät zutage fördert. FOTO: dpa / Fredrik von Erichsen
Vallendar. (dpa) Der Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz will an diesem Sonntag drei gefährliche Nebelfässer aus dem Zweiten Weltkrieg im Rheinbett nahe Koblenz kontrolliert sprengen. Sie waren im gegenwärtigen Niedrigwasser entdeckt worden, wie der Vallendarer Verbandsgemeinde-Bürgermeister Fred Pretz (SPD) am gestrigen Mittwoch mitteilte.

Vor der Sprengung am Sonntag nahe der unbewohnten Rheininsel Graswerth sollen zur Sicherheit 20 bis 25 Häuser am Festland evakuiert und die Bundesstraße 42 gesperrt werden.

Der technische Leiter des Kampfmittelräumdienstes, Horst Lenz, erklärte, es sei unklar, ob die rostigen Fässer noch Nebelsäure enthielten. Bei dem Kontakt dieser Chemikalie mit Wasser könnten Flammen hochschlagen. Im Weltkrieg wurden die Fässer für eine dichte Nebelbildung zum Schutz wichtiger Objekte vor Luftangriffen genutzt.

Bürgermeister Pretz sagte: „Ein Polizeihubschrauber hat bei Graswerth auch Ausschau nach möglichen weiteren Kriegsgegenständen gehalten.“ Wegen des Niedrigwassers meldeten Spaziergänger derzeit zahlreiche verdächtige Gegenstände – oft seien diese aber harmlos.



Experte Lenz sagte: „Der Rhein ist ein Schrottplatz.“ Fahrräder, ein Auto und vieles mehr sind bereits im Niedrigwasser in Rheinland-Pfalz aufgetaucht – allerdings auch Bomben und Flak-Patronen der Kriegszeit, die unschädlich gemacht werden mussten.

Den gesamten Fluss systematisch nach gefährlichen Kriegsrelikten abzusuchen ist laut Lenz personell und finanziell unmöglich. „Die Wasserbausteine an den Ufern sind teils auch vulkanischen Ursprungs. Die schlagen dann selbst auf unseren Suchgeräten an.“ Der Deutsche Wetterdienst sagte nur wenig Regen in den kommenden Tagen voraus. Ein rasches Ende des Niedrigwassers erwarten Experten daher nicht.