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Drohender FCK-Abstieg
Kaiserslautern sucht Lösung für Stadion

 Das Fritz-Walter-Stadion, das einer städischen Tochterfirma gehört, droht in eine finanzielle Schieflage zu geraten, wenn der FCK absteigt.
Das Fritz-Walter-Stadion, das einer städischen Tochterfirma gehört, droht in eine finanzielle Schieflage zu geraten, wenn der FCK absteigt. FOTO: dpa / Ronald Wittek
Kaiserslautern. Abgerissen wird das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern nicht, das ist wohl sicher. Aber wie die Stadiongesellschaft an das nötige Geld kommt, wenn der FCK absteigt, ist noch offen. Mit Großkonzerten wird es nicht zu machen sein, stellt Oberbürgermeister Weichel klar.

Wenn der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) derzeit seine Facebook-Seite aufruft, hat er nicht nur Grund zur Freude. Man möge ihn mit der Mistgabel aus der Stadt treiben, kann er dort nach eigenen Angaben lesen, oder: „Ab ins Endlager“.

Anlass für die Kommentare ist die Diskussion über eine mögliche Anhebung der Grundsteuer in der Stadt. Die umstrittene Idee hat, wie so vieles in Kaiserslautern, mit dem Fußball zu tun. Und mit dem Fritz-Walter-Stadion, das wie eine Festung oberhalb der Stadt am Rande des Pfälzerwaldes thront.

In der Arena auf dem Betzenberg, die zur Fußball-WM 2006 für viel Geld ausgebaut wurde, um den Anforderungen zu genügen, traten damals die Nationalmannschaften Italiens, Spaniens, Japans, Australiens und der USA an. Heute wird dort vorwiegend Zweitligafußball geboten – noch. Denn dem Traditionsverein und viermaligen Deutschen Meister 1. FC Kaiserslautern droht erstmals der Absturz in die Drittklassigkeit. Das verursacht Druck. Wegen gesundheitlicher Probleme wurde FCK-Trainer Jeff Strasser kürzlich nach der ersten Halbzeit gegen Darmstadt 98 ins Krankenhaus gebracht.



Für die Kommune, die für ihre große Fußballbegeisterung bekannt ist, hätte der Abstieg direkte finanzielle Folgen. Ein Pachtvertrag sieht vor, dass der Verein in der ersten Liga jährlich 3,6 Millionen Euro und in der zweiten Liga mindestens 2,4 Millionen Euro an die städtische Stadiongesellschaft zahlt. Nun hat der Verein eine Pachtminderung beantragt, die unter anderem vorsieht, dass in der dritten Liga pro Jahr nur noch 425 000 Euro fällig sind.

Die Gesellschaft braucht aber pro Jahr 3,2 Millionen Euro. Allein 2,95 Millionen Euro gehen für Zinsen drauf, die bis zum Jahr 2036 zu zahlen sind. Folgen eines Kredits über 65 Millionen Euro für den Kauf des Stadions. „Das sind so Dinge, aus denen man nicht mehr rauskommt“, sagt Weichel.

Der Oberbürgermeister hat für die Grundsteuer-Überlegungen schon heftige Kritik vom Bund der Steuerzahler und dem Eigentümerverband Haus & Grund einstecken müssen. „Profisport sollte prinzipiell nicht von den Steuerzahlern subventioniert werden müssen“, hatte der Geschäftsführer des Steuerzahlerbundes Rheinland-Pfalz, René Quante, kürzlich betont. Und der Verbandsdirektor von Haus & Grund im Land, Ralf Schönfeld, hatte gefragt: „Sollen gerade Sozialschwache, Rentner und Familien mit Kindern höhere Wohnkosten hinnehmen, um die selbstverschuldeten Finanzprobleme der Roten Teufel zu lösen?“

Weichel lässt prüfen, inwieweit eine moderate Anhebung anderer Steuern die Erhöhung der Grundsteuer „abfedern“ könnte. Letztere ist umstritten, weil sie eben auch Menschen träfe, die Fußball nicht interessiert. Auch eine stärkere Inanspruchnahme des FCK ohne Steuererhöhung ist angedacht. „Wir versuchen natürlich, eine Lösung zu finden, die nachhaltig wirkt“, sagt der Oberbürgermeister. Spielraum hat die Kommune kaum, denn die finanzielle Lage ist laut Weichel „desolat“. Die Bereiche Soziales und Jugend sind mit 102 Millionen Euro unterfinanziert – „wir geben 102 Millionen Euro jährlich mehr aus, als wir einnehmen“.

Ein Verkauf des Stadions könnte aus der Misere helfen. Es sei nicht Aufgabe einer Stadt, ein Stadion zu unterhalten, sagt der Oberbürgermeister. Er habe in seiner Amtszeit aber bestimmt schon zehn Investorengespräche geführt. „Bisher scheiterte das immer an der Frage: Gibt denn die Stadt eine Mietausfallgarantie?“ Die gebe es aber nicht, sonst müsse man ja an der derzeitigen Situation nichts ändern. Es gebe noch weitere Gespräche, über die er derzeit nicht genau Bescheid wisse. Zudem habe die Stadiongesellschaft einen Auftrag für ein Gesamtkonzept rund um das Stadion in Auftrag gegeben. Auch habe der FCK ein Vorkaufsrecht für 47 Millionen Euro.

Die Idee, das Stadion aus finanziellen Gründen für größere Konzerte zu öffnen, könne nicht umgesetzt werden, weil der Innenraum nicht „für Hunderttausende“ von Zuschauern gedacht sei. „Da bräuchten Sie mehrere größere Fluchttore.“ Außerdem stehe dem ein Lärmschutzgutachten der Nachbarschaft entgegen. „Aber, was an Räumlichkeiten genutzt werden kann, wird genutzt für Messen und ähnliche Dinge.“ Er glaube aber nicht, dass die benötigten Deckungsbeiträge so eingenommen werden können. Eine generelle Absage erteilt er der Überlegung, das Stadion abzureißen. „Das wäre das Törichteste“, sagt er. Dann müssten zweckgebundene Zuschüsse in Millionenhöhe zurückgezahlt werden.

Ewig Zeit hat die Kommune für eine Entscheidung in der Steuerfrage nicht. „Wir sind schon in einem gewissen Zeitdruck“, sagt Weichel. Spätestens Mitte März müsse der Verein seinen Lizenzantrag einreichen. Vorher müsse die Stadiongesellschaft beschließen, dass sie die Pacht senkt, und die Kommune müsse beschließen, dass sie der Gesellschaft mehr Geld gibt. Außerdem müsse über die Art der Steuer entschieden werden. Eines stellt Weichel klar: Wieweit die Stadt dem FCK auch entgegenkommt, sie will das Geld zurück. „Das sind wir allen schuldig in Kaiserslautern.“