| 21:30 Uhr

Pirmasens
Jugendherberge soll Not-Lazarett werden

 „Abstand / corona“ steht als Warnung auf dieser digitalen Anzeigetafel.  Foto:dpa
„Abstand / corona“ steht als Warnung auf dieser digitalen Anzeigetafel. Foto:dpa FOTO: dpa / Robert Michael
Pirmasens/Zweibrücken. Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens macht am Donnerstag allerdings klar: Die Jugendherberge soll erst dann tatsächlich zum Einsatz kommen, wenn die drei Krankenhäuser in Pirmasens, Zweibrücken und Rodalben ausgelastet sind und die im Aufbau befindliche Corona-Notklinik im früheren evangelischen Krankenhaus Zweibrücken keine Kapazitäten mehr hat. Von Guido Glöckner

Es war eine Überraschung am Donnerstag: Die Stadt Pirmasens setzt jetzt auf die Jugendherberge in der früheren Hauptpost als Notlazarett für Corona-Patienten – die Pläne, das Hugo-Ball-Gymnasium dafür zu nutzen, wurden zurückgestellt.

Oberbürgermeister Markus Zwick und Beigeordneter Denis Clauer informierten über diese Änderung in der Corona-Katastrophenschutzplanung, die für alle Seiten Vorteile biete.

Als städtisches Gebäude habe sich das Ball-Gymnasium herauskristallisiert gehabt zu Wochenbeginn, bekräftigte Zwick, dann aber habe sich die Jugendherbergslösung ergeben, an der parallel gearbeitet wurde, die aber erst jetzt spruchreif ist.



Das Jugendherbergswerk habe sich kooperativ gezeigt, sodass nach einem letzten Ortstermin gestern nun sofort mit den Vorbereitungen für die Einrichtung des Notlazaretts begonnen werden könne.

Wäre am Montag oder Dienstag schon klar gewesen, dass die Jugendherberge zur Verfügung steht, hätte das Ball-Gymnasium überhaupt nicht genannt werden müssen, reagierte Zwick auf die Aufregung von Eltern und Lehrern, nachdem die Lazarettpläne bekannt geworden waren.

Der für den Katastrophenschutz zuständige Beigeordnete Denis Clauer erläuterte die Vorteile des neuen Standorts in der früheren Hauptpost. „Wir können in den Gästezimmern drei Patienten unterbringen, die dort zudem Toiletten und Duschen vorfinden“, sieht er ein großes Plus für Patienten. Denn im Ball-Gymnasium hätten in den Schulsälen eine größere Zahl an Corona-Infizierten zusammen untergebracht werden müssen, nur abgetrennt von Schutzwänden, die zudem hätten noch gekauft und eingebaut werden müssen.

Auch seien die Gästebetten in der Jugendherberge auch besser geeignet für einen längeren Patientenaufenthalt als Feldbetten in den Unterrichtsräumen, ergänzt der Beigeordnete.

130 Corona-Patienten können im Ernstfall in der Jugendherberge in den Gästezimmern untergebracht werden, wenn ein besonders großer Bedarf besteht, könnten zusätzlich auch Feldbetten in den Konferenzräumen aufgestellt werden, so Clauer. Am Ende kommt die Jugendherberge als Notlazarett auf eine Kapazität von knapp 200 Betten.

Der Oberbürgermeister machte in diesem Zusammenhang aber auch deutlich, dass die Jugendherberge erst genutzt werde, wenn die drei Krankenhäuser in Pirmasens, Zweibrücken und Rodalben ausgelastet und die Corona-Notklinik im früheren evangelischen Krankenhaus Zweibrücken keine Kapazitäten mehr hat. Geeignet ist es auch nur für die Aufnahme von Corona-Patienten mit leichten und mittleren Symptomen.

Zurückgreifen kann die Stadt auch auf das Reinigungs- und Küchenpersonal der Jugendherberge, so Clauer, wenn das Notlazarett seinen Betrieb aufnimmt. Nun werde die Stadtverwaltung mit den Vorbereitungen für die Einrichtung des Notfallkrankenhauses an der Ecke Joß-/Teichstraße beginnen.

Auf den Weg gebracht hat Pirmasens auch ein Konzept zur Unterbringung und Versorgung von Kleinkindern und Babys, wenn die Eltern an Corona  erkrankt sind. Das Haus des Kindes auf der Husterhöhe und die beiden Kindertagesstätten in Erlenbrunn und in der Maria-Theresien-Straße werden dafür ausgerüstet, so der Oberbürgermeister: „Das sind recht neue Einrichtungen, die auch die beste Ausstattung dafür haben.“

In diesen drei Einrichtungen können auch Babys und Kleinkinder aus dem Kreis betreut werden, umgekehrt werden pflegebedürftige Senioren aus der Stadt, deren Angehörige Corona-Patienten sind, in der katholischen Bildungs- und Freizeitstätte Heilsbach in Schönau betreut, wo der Landkreis gerade eine entsprechende Einrichtung aufbaut. Und auf Maria Rosenberg in Waldfischbach-Burgalben nimmt heute schon eine Betreuungseinrichtung für ältere Kinder und Jugendliche, deren Eltern erkrankt sind und  sie nicht mehr versorgen können, ihre Arbeit auf.