| 22:42 Uhr

Treffen zur Afrikanische Schweinepest
Jäger wollen noch mehr Wildschweine töten

Koblenz/Mainz. Jäger, Behördenvertreter, Tierschützer, Bauern, Katastrophenschützer und viele mehr haben sich in Mainz zu einem Fachgipfel zur Afrikanischen Schweinepest getroffen. Die Landesregierung in Mainz meint: Für den Fall der Fälle sind wir gut vorbereitet.

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest versprechen die Jäger in Rheinland-Pfalz eine stärkere Bejagung von Wildschweinen als zuvor. Das Ziel sei eine Reduzierung des Bestandes, sagte Kurt Alexander Michael, Präsident des Landesjagdverbandes, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Dazu bräuchten die rund 21 000 Jäger aber die Hilfe der Landwirte. Sie müssten Schneisen in ihre Felder schlagen – sonst könnten sich die Tiere fast das ganze Jahr über in den verschiedenen Kulturen verstecken.

Michael nahm am Montag an einem Fachgipfel zur Afrikanischen Schweinepest (ASP) auf Einladung des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums teil, suf dem sich auch Vertreter von Kommunen sowie Tierschützer, Tierärzte, Landwirte, Forstwirte, Verbraucherschützer, Vermarkter, Polizisten, Untersuchungsämter, Katastrophenschützer und Tierseuchenbekämpfer austauschten. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) hob bei dem Gipfel die Wichtigkeit der Früherkennung bei der Bekämpfung der Seuche hervor. Daher werde das Land Jägern ab sofort eine Prämie von 50 Euro für Proben zahlen, die sie von sogenanntem Fallwild nehmen und einschicken. Außerdem übernehme das Ministerium das Porto zum Versand der Proben. Bei Fallwild handelt es sich um tot aufgefundene Tiere, die nicht bei einer Jagd oder einem Unfall getötet wurden. Die Ministerin empfahl Tierhaltern, eine Ertragsschadensversicherung abzuschließen und Hygienestandards konsequent einzuhalten. Sie kündigte ASP-Übungen für die Veterinärbehörden der Landkreise und Städte an. Zugleich wies sie darauf hin, dass neben dem Schwarzwild auch der Mensch ein möglicher Überträger der Tierseuche sei. „Deswegen setzen wir auf Information und unterstützen entsprechende Bundeskampagnen“, erklärte sie.

Das Land Rheinland-Pfalz wappnet sich seit Monaten intensiv gegen einen möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Alle Beteiligten seien umfassend informiert, was im Fall eines Ausbruchs zu tun sei, sagte die Tierseuchenexpertin Silvia Eisch-Wolf vom Landesuntersuchungsamt in Koblenz. Dort gibt es ein zentrales Krisenlager mit Schutzanzügen, Überschuhen, Desinfektionsmitteln und Handschuhen. „Wir sind vorbereitet“, sagte Eisch-Wolf.



Die ASP hat sich in Osteuropa ausgebreitet und wurde zuletzt 350 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt nachgewiesen. „Die Frage ist nicht mehr ob, sondern wann sie zu uns kommt“, sagte Günter Klein vom Landesjagdverband. Das Friedrich-Loeffler-Institut stuft das Risiko der Ausbreitung nach Deutschland als hoch ein. Das Virus ist für Menschen ungefährlich. Bei Haus- und Wildschweinen aber verläuft die Erkrankung fast immer tödlich.

Im November simulierten die Behörden bei einer bundesweiten Übung einen Ausbruch der ASP im Kreis Cochem-Zell. Dabei wurden ein Kerngebiet, ein gefährdeter Bezirk von 15 Kilometern sowie eine Pufferzone von 30 Kilometern eingerichtet – insgesamt stand also ein Radius von 45 Kilometern um die Fundstelle eines toten Wildschweins unter Beobachtung. „Das A und O ist das Abbrechen der Infektkette bei der Wildschweinpopulation“, sagte Eisch-Wolf. Das Fundtier sowie alles andere infektiöse Material müssten entfernt werden. Je nachdem, ob das Tier im Wald, auf einem Feld oder in Stadtnähe gefunden wird, ist das Vorgehen verschieden. „Wenn möglich, errichtet man einen Zaun um das Kerngebiet“, erklärte Eisch-Wolf. So könnten andere möglicherweise infizierte Wildschweine nicht entkommen. Allerdings sei noch kein Zaun gekauft worden, dazu liefen aber Überlegungen. „Das ist alles nicht in einer Sekunde getan.“ Das Gebiet rund um die Fundstelle wird systematisch nach weiteren toten Wildschweinen abgesucht. Dann rücken Jäger ein. „In der Kernzone streben wir eine wirklich systematische Verringerung des Bestandes an, am besten gegen Null“, sagte Eisch-Wolf. Das sei schwierig, da sich Wildschweine im Gebüsch gut verstecken könnten.

Klein vom Landesjagdverband sagte, man müsse über mehr Möglichkeiten für die Jäger nachdenken, etwa den Einsatz von Nachtzielgeräten. „Das ist dann nicht mehr Jagd, das ist Seuchenbekämpfung.“

Jagdverbandspräsident Michael sagte, es gebe genügend Jäger, allerdings bräuchten diese die Hilfe von Hunden. Gut wäre zum Beispiel die Abschaffung der Hundesteuer für Jagdhunde. Auch müsse das ganze Fleisch verarbeitet und verkauft werden. „Da muss der Staat ein bisschen helfen.“ Das gleiche gelte für die Schneisen in den Feldern, die bei den Landwirten für Verluste sorgten. „Da müssen Programme aufgelegt werden, damit hier etwas geschieht“, forderte er.

Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd, warnte vor den Konsequenzen eines Ausbruchs der Pest für die Schweinehaltung. Es drohten massive Auflagen für die Erzeugerbetriebe, Handelsrestriktionen, Einfuhrsperren seitens wichtiger Exportländer und ein dramatischer Preisverfall bei Schweinefleisch, erklärte Hartelt.

In den 2000er Jahren kämpfte Rheinland-Pfalz gegen die klassische Schweinepest. „Die Erfahrungen liegen vor, da kann vieles reaktiviert werden“, sagte Expertin Eisch-Wolf. Allerdings habe es damals eine Impfung gegeben – diese gibt es bei der Afrikanischen Schweinepest noch nicht. Deswegen dürften die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Hausschweinhalter bei einem Ausbruch groß sein. Werde das Virus in einem Bestand nachgewiesen, müssten alle Tiere auf dem Hof getötet werden.

Die rheinland-pfälzischen Behörden hoffen, den Ausbruch mit Aufklärungskampagnen noch zu verhindern. Der Landesbetrieb Mobilität hat Schilder an allen Autobahnraststätten aufgehängt, die in mehreren Sprachen darauf hinweisen, dass Speisereste unbedingt in verschlossene Mülleimer geworfen werden müssen. Auch Erntehelfer und Saisonarbeiter aus Osteuropa und Lastwagenfahrer würden gezielt informiert, sagte Eisch-Wolf. „Die größte Gefahr geht von Menschen aus, die ein mit dem Virus infiziertes Lebensmittel mitbringen. Da reicht ein weggeschmissenes Wurstbrötchen.“

Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest versprechen die Jäger in Rheinland-Pfalz eine stärkere Bejagung von Wildschweinen als zuvor. Das Ziel ist eine drastische Reduzierung des Tierbestandes.
Im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest versprechen die Jäger in Rheinland-Pfalz eine stärkere Bejagung von Wildschweinen als zuvor. Das Ziel ist eine drastische Reduzierung des Tierbestandes. FOTO: Jens Büttner / dpa
(dpa)