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Tod billigend in Kauf genommen
Lange Haftstrafe nach Messerattacke auf Brüder

Mainz. Nach einer Messerattacke auf Zwillingsbrüder soll ein Mann für mehrere Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Mainz verurteilte den 35-jährigen Bulgaren gestern zu vier Jahren und neun Monaten Haft.

Die Richter befanden den Bulgaren unter anderem des zweifachen versuchten Totschlags für schuldig. Der Mann muss zudem ein Schmerzensgeld von insgesamt 24 000 Euro an die beiden Opfer zahlen.

Der Angriff, den der Verurteilte zugegeben hatte, ereignete sich im vergangenen Dezember in der Mainzer Wohnung des Angeklagten. Dabei soll der 35-Jährige einem der ebenfalls aus Bulgarien stammenden 27 Jahre alten Brüder ein Fleischermesser in den Bauch gerammt haben, dem anderen fügte er Stich- und Schnittverletzungen an mehreren Körperteilen zu. Die Staatsanwaltschaft hatte auf versuchten Mord plädiert und zehn Jahre Haft gefordert. Die Verteidigung hatte von Notwehr gesprochen und einen Freispruch verlangt. Das Gericht sah letztlich keine Mordmerkmale als erfüllt an.

Die beiden Opfer lebten zu der Zeit zur Untermiete in einem Zimmer der Wohnung des 35-Jährigen. Der Attacke ging ein Streit voraus, nach dem die Brüder von der Polizei einen Platzverweis für die Wohnung bekommen hatten. Sie kamen dennoch zurück, um eine Geldbörse mit 1100 Euro aus dem Zimmer zu holen. Als der Angeklagte und seine Frau nicht öffneten, traten die Zwillingsbrüder die Tür ein, es kam zur Messerattacke.



„Von mir bekommt ihr gar nichts, wenn ihr raufkommt, töte ich euch“, soll der Angeklagte auch nach Überzeugung der Richter durch die Sprechanlage erklärt haben. Das von der Staatsanwaltschaft angeführte Mordmerkmal der Habgier sah das Gericht indes nicht. Der Mann habe aus Angst vor eigenen Verletzungen zugestochen. Beim Zustechen habe der 35-Jährige allerdings den möglichen Tod der Opfer billigend in Kauf genommen, urteilte das Gericht.