| 21:40 Uhr

Sicherheit an der Synagoge
Mehr Sicherheit für die jüdische Gemeinde

 Die Poller auf dem Vorplatz der Synagoge in Saarbrücken sollen einen Anschlag per Lkw verhindern.
Die Poller auf dem Vorplatz der Synagoge in Saarbrücken sollen einen Anschlag per Lkw verhindern. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Saar-Innenminister Klaus Bouillon (CDU) hat der Synagogengemeinde 75 000 Euro für verstärkte Sicherheitsmaßnahmen zugesagt. Von Teresa Prommersberger

Das Saarland will die Sicherheit der Synagogengemeinde Saar und ihrer rund 850 Mitglieder vor Anschlägen verbessern. Bei einem Synagogenbesuch sicherte Innenminister Klaus Bouillon (CDU) am Donnerstag 75 000 Euro zu. Damit sollen die vorhandenen Schutzmaßnahmen rund um die Synagoge am Beethovenplatz in Saarbrücken verstärkt werden. Die Mittel stellt das Innenministerium bereit. Bouillon kündigte an, eine permanente finanzielle Unterstützung in den kommenden Haushaltsberatungen einbringen zu wollen. Mitglieder des Innenausschusses hätten dazu bereits ihre Zustimmung signalisiert.

In der Synagoge gibt es eine Eingangsschleuse. Einige Türen sind mit Panzerglas verstärkt. Ein privater Sicherheitsdienst überwacht das Gebäude. Es gibt Überwachungskameras und auf dem Vorplatz sollen Poller einen Angriff mit einem Lkw verhindern. Diese Maßnahmen kosteten viel Geld. Die Mittel der Gemeinde seien knapp, sagte der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Richard Bermann. Die bereit gestellten Finanzmittel sollten vor allem in die personelle Ausstattung, sprich den Sicherheitsdienst, fließen.

„Für die jüdischen Gemeinden weht der Wind wieder deutlich rauer. Antisemitismus und Rassismus sind verstärkt wahrnehmbar“, sagte Bermann. Am Dienstag sind in einer groß angelegten Razzia Ermittler in vier Bundesländern gegen mutmaßliche Islamisten vorgegangen. Mehreren Verdächtige tschetschenischer Abstammung wird vorgeworfen, Örtlichkeiten – darunter eine Synagoge – für einen Anschlag ausgespäht zu haben. Im vergangenen Oktober hatte ein Mann einen Anschlag auf eine Synagoge in Halle (Sachsen-Anhalt) verübt. Zwei Menschen starben.



Antisemitismus sei nie ganz verschwunden. Er sei nach dem Zweiten Weltkrieg nur nicht „opportunistisch nach außen getragen“ worden. Öffentlicher Hass und Hetze nähmen wieder zu. Bermann sprach von einer „neuen Dimension der Bedrohung“. Das Ausmaß des Antisemitismus sei zwar „von Bundesland zu Bundesland, von Stadt zu Stadt“ unterschiedlich ausgeprägt. Doch auch im Saarland wachse die Sorge vor Angriffen. Es bliebe nicht mehr nur bei Schändungen auf jüdischen Friedhöfen. So habe vergangenes Jahr jemand bei der Gemeinde angerufen und im Tonfall Adolf Hitlers Schmähungen ausgesprochen. Im Briefkasten fanden Mitglieder demnach Droh-Schreiben. „Jude ist wieder zum Schimpfwort geworden“, sagte Bermann. Auch bei Kindern. Das erlebt der Synagogenvorsitzende immer häufiger. „Wir sind zumindest froh, dass es bisher keine körperlichen Angriffe auf die Gemeindemitglieder gegeben hat. Und wir hoffen, dass es dazu auch nicht kommt“, so Bermann.

Vor zwei Jahren sind die Sicherheitsmaßnahmen in der Synagoge verschärft worden. Grund ist der zwei Mal wöchentlich stattfindende Religionsunterricht für Kinder. Der fand zuvor am Deutsch-Französischen-Gymnasium in Saarbrücken statt. Das Landeskriminalamt hatte wegen geplanter Umbaumaßnahmen dabei Sicherheitsbedenken geäußert.

Die Synagoge ist nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch der Begegnung. Kantor Benjamin Chiat verwies auf die vielen Veranstaltungen wie Feste und Konzerte. Das seien immerhin rund 150 pro Jahr. Daran nähmen nicht nur Gemeindemitglieder teil – auch viele Menschen nicht jüdischen Glaubens kämen gerne in die Synagoge. Nach dem Anschlag in Halle sei der Zulauf immens gewesen, sagte Bermann. „Ein Zeichen der Solidarität.“ Doch allein durch Solidarität ließe sich das „Kernproblem“ nicht lösen. Und umso dankbarer seien er und die Gemeinde Innenminister Bouillon für seine bisherige Hilfe und die weitere Unterstützung zum Schutz der Synagoge.

Die Hilfe zeige, dass im Saarland „alle notwendigen Vorkehrungen getroffen sind, um Gefahr für Leib und Leben der jüdischen Gemeindemitglieder, aber auch der vielen Besucher der Synagoge abzuwenden“, sagte Roland Rixecker, Antisemitismusbeauftragter des Saarlandes.

 Kantor Benjamin Chiat (Zweiter v.l.) und Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar (r.), zeigen Innenminister Klaus Bouillon (CDU, l.) und Roland Rixecker, Antisemitismusbeauftragter des Saarlandes, bei einem Besuch in der Synagoge eine Tora-Rolle.
Kantor Benjamin Chiat (Zweiter v.l.) und Richard Bermann, Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar (r.), zeigen Innenminister Klaus Bouillon (CDU, l.) und Roland Rixecker, Antisemitismusbeauftragter des Saarlandes, bei einem Besuch in der Synagoge eine Tora-Rolle. FOTO: Teresa Prommersberger