| 23:34 Uhr

Ein Monat nach dem Urteil
Stimmung bei Demos in Kandel aufgeheizt

Eine Demonstrantin prangert die aufgeheizte Stimmung gegenüber Ausländern nach dem Mord an der 15-jährigen Mia an.
Eine Demonstrantin prangert die aufgeheizte Stimmung gegenüber Ausländern nach dem Mord an der 15-jährigen Mia an. FOTO: dpa / Andreas Arnold
Kandel. Im Mordfall Mia kehrt auch Wochen nach dem Urteil keine Ruhe in Kandel ein. Zu einer Demonstration gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung und mehreren Gegendemos kamen etwa 700 Menschen.

Mehr als einen Monat nach Ende des Mordprozesses um den Tod der 15-jährigen Mia sind im südpfälzischen Kandel etwa 700 Demonstranten und Gegendemonstranten aufeinander getroffen. Das teilte die Polizei am Samstag mit. Zunächst hatte es geheißen, 500 Menschen seien nach Kandel zu den verschiedenen Kundgebungen erschienen. Einer Einschätzung der Polizei zufolge gab es keine gewalttätigen Auseinandersetzungen.

Zu dem Protest gegen die Migrationspolitik der Regierung hatte die als rechtspopulistisch geltende Gruppierung „Frauenbündnis Kandel“ aufgerufen. Dem waren nach Polizeiangaben etwa 300 Menschen gefolgt. Die Veranstalter hatten mit mindestens doppelt so vielen Teilnehmern gerechnet. Der Demonstrationszug durch Kandel startete mit mehr als einer Stunde Verspätung. Die Demonstranten zeigten Deutschlandfahnen aber auch Plakate. Auf einem hieß es etwa „Der Welt größtes Glück: Trump“.

An zwei Gegen-Demonstrationen der Bündnisse „WIR sind Kandel“ und „Kandel gegen Rechts“ sowie weiteren kleineren Mahnwachen und Kundgebungen beteiligten sich laut Polizei etwa 400 Menschen. Die Kundgebungen verliefen zunächst ohne Zwischenfälle. Allerdings war die Stimmung zwischen den Gruppierungen aufgeheizt, die Gegendemonstranten störten die Kundgebung der Rechten durch laute Zwischenrufe und mit lauten Tröten.



Um die politisch unterschiedlich ausgerichteten Gruppen auf Abstand zu halten, waren zahlreiche Polizeibeamte im Einsatz. Sie hätten die Versammlungsfreiheit für alle wahren können, heißt es im Polizeibericht. Dabei habe aber auch einmal Pfefferspray eingesetzt werden müssen. In Kandel war es bei Kundgebungen in der Vergangenheit wiederholt zu Konflikten gekommen.

Drei Beamte wurden bei einer sogenannten Widerstandshandlung eines Mannes aus der linken Szene leicht verletzt. Ein anderer Teilnehmer dieser Gruppierungen sei von einem Polizeihund gebissen worden, nachdem er den Hund getreten haben soll. Die beiden Männer hätten eine Absperrung durchbrechen wollen. Bei der Demonstration „des rechten Spektrums“ sei es zu einem Hausfriedensbruch gekommen, Einzelheiten dazu nannte die Polizei nicht.

Seit dem gewaltsamen Tod der 15 Jahre alten Mia am 27. Dezember 2017 in Kandel gibt es immer wieder Demonstrationen und Gegenkundgebungen. Das Landgericht Landau hatte am 3. September den vermutlich aus Afghanistan stammenden Flüchtling Abdul D. wegen Mordes und Körperverletzung an seiner früheren Freundin zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hat Revision gegen das Urteil eingelegt.

Polizisten mussten eine Kundgebung des als rechtspopulistisch geltenden „Frauenbündnis Kandel“ vor Gegendemonstranten abschirmen.
Polizisten mussten eine Kundgebung des als rechtspopulistisch geltenden „Frauenbündnis Kandel“ vor Gegendemonstranten abschirmen. FOTO: dpa / Frank Rumpenhorst