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Weinbau
Später Frost trifft Moselwinzer

Bernkastel-Kues. In einzelnen Weinberge sind enorme Schäden zu beklagen. Obermosel ist stärker betroffen als die Mittelmosel. Von Winfried Simon

Zwei Nächte mit Temperaturen unter null Grad haben in zahlreichen Weinbergen an Mosel, Saar und Ruwer zu Frostschäden an den jungen Rebtrieben geführt. Das genaue Ausmaß ist noch unklar, allerdings sind in einzelnen Lagen gravierende Schäden zu beklagen, teilweise bis zu 100 Prozent. Die Obermosel ist stärker betroffen als die Mittelmosel.

Wie das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues auf Anfrage mitteilt, sind vor allem Weinberge in den Seitentälern der Mosel betroffen. Dort, wo die kalte Luft nicht abfließen kann und sich in Mulden staut, hat der Frost die größten Schäden angerichtet. Die Junganlagen hat es mehr erwischt als ältere Weinberge. Die jungen Reben treiben in der Regel früher aus und die Knospen befinden sich noch dicht über dem Boden.

Am Wochenende sanken in der Nacht zum Samstag und in der Nacht zum Sonntag die Temperaturen in Bodennähe deutlich unter den Gefrierpunkt. An der Wetterstation Trier-Avelsbach beispielsweise wurden am Sonntagmorgen um fünf Uhr direkt über dem Boden minus 3,7 Grad Celsius gemessen.



Erst im April 2017 hatte es an der Mosel großflächig schwere Spätfrostschäden im Weinbau gegeben — auch in den Steillagen. Damals war es allerdings wesentlich kälter. In der Nacht zum 20. April 2017 sanken die Temperaturen in vielen Weinbergen auf bis minus fünf Grad. Solche Werte bedeuten normalerweise Totalschaden. Doch zum Glück war die Luft sehr trocken. Diesmal kam zu der Kälte Nässe hinzu. Dann reichen Temperaturen von minus zwei bis drei Grad, um die jungen Triebe zu schädigen.

Erst in zwei, drei Wochen wird man sagen können, wie gravierend die Schäden genau sind. Die Rebe kann solche Schäden teilweise kompensieren, weil sich meistens an den nicht erfrorenen Trieben größere Trauben entwickeln. Außerdem können sogenannte Nebenaugen austreiben, die allerdings nur wenige oder überhaupt keine Trauben bilden.