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Bluttat beschäftigt Landgericht Zweibrücken
Kleinbundenbacher hat tatsächlich aus der Hüfte geschossen

FOTO: Rainer Ulm
Zweibrücken/Kleinbundenbach. Mehrere Gutachter haben vor der Ersten Strafkammer des Zweibrücker Landgerichts den von der Staatsanwaltschaft geschilderten Tathergang bestätigt. Von Rainer Ulm

Die Gutachter waren sich am Mittwoch im Prozess um den Hüftschuss von Kleinbundenbach einig: Der 59-jährige passionierte Jäger hat am Abend des 14. Juli 2019 in dem 400-Seelen-Ort im Landkreis Südwestpfalz zur Pistole gegriffen und auf offener Straße aus dreieinhalb Metern Entfernung auf einen 31-Jährigen geschossen, dem er eine Dachgeschosswohnung in seinem Haus vermietet hatte. Und: Der 59-Jährige schoss aus der Hüfte, also ohne auf seinen vermeintlichen Kontrahenten zu zielen. Das Projektil durchschlug dabei das linke Handgelenk des 31-Jährigen und blieb dann in dessen Hüfte stecken.

Oberstaatsanwältin Kristine Goldmann wirft dem 59-Jährigen versuchten Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Vorausgegangen waren lange grassierende Miet-Streitigkeiten zwischen den beiden Männern.

„Es handelt sich um einen Durchschuss des linken Unterams und einen Steckschuss in der Beckenregion“, befand Dr. Frank Ramsthaler, der Leiter Forensische Medizin am Homburger Institut für Rechtsmedizin. Es sei, entgegen anderslautender Aussagen von Zeugen, die zwei Knallgeräusche gehört haben wollen, „mit großer Gewissheit“ nur ein Schuss gewesen, der abgegeben wurde – erst sei das Handgelenk und dann die Hüfte getroffen worden. Bereits die Verletzung des Unterarms sei lebensgefährlich: „Man kann auch daran verbluten.“ Seine Berechnungen aus Standort, Körpergrößen der Tatbeteiligten und Neigungswinkel des Geländes hätten ergeben, dass die Hypothese Hüftschuss „sehr, sehr gut passt“. Zudem sagte Ramsthaler voraus, dass bei dem Schussopfer „bleibende Schäden in milder Form zu erwarten“ seien. Der 31-Jährige hatte in einer vorangegangenen Verhandlung davon gesprochen, drei Finger seiner linken Hand nicht mehr richtig bewegen zu können.



Ein Waffentechniker des Landeskriminalamts (LKA) in Mainz ordnete das aus der Hüfte des Schussopfers entfernte Projektil und die am Tatort gefundene Patronenhülse jener Pistole zu, aus der der 59-Jährige an jenem Sommerabend gefeuert haben soll. Auch der LKA-Waffenexperte glaubt nur an einen Schuss, nicht an zwei Schüsse: „Möglicherweise war es nur ein Echo.“

Professor Wolfgang Retz, der Leiter des Homburger Instituts Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, bescheinigte dem Angeklagten, nicht unter einer schwerwiegenden psychischen Erkrankung zu leiden – wenngleich es „ein paar Auffälligkeiten“ gebe. So spreche er regelmäßig dem Alkohol zu, trinke täglich einige Flaschen Bier. Am Tattag war bei ihm ein Blutalkoholspiegel von stattlichen 2,6 Promille festgestellt worden. „Er war an den Alkoholkonsum gewöhnt, aber nicht unbedingt abhängig.“ Deshalb habe am Tattag keine Störung seiner Steuerungsfähigkeit vorgelegen, er sei somit schuldfähig. „Alkohol hat bei der Tat nur eine untergeordnete Rolle gespielt“, stellte der Professor fest.

Die Verhandlung geht am heutigen Donnerstag, 5. März, weiter.