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200 Jahre Kreis Homburg
Zum Jubiläum ein Blick in die Zukunft

Professor Andreas Rödder, Professor Hans-Günter Henneke, Ministerpräsident Tobias Hans und Landrat Theophil Gallo (von links) blickten am Sonntag gemeinsam in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Saarpfalz-Kreises.
Professor Andreas Rödder, Professor Hans-Günter Henneke, Ministerpräsident Tobias Hans und Landrat Theophil Gallo (von links) blickten am Sonntag gemeinsam in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Saarpfalz-Kreises. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Beim Festakt zum 200. Geburtstag des Kreises sprach Ministerpräsident Tobias Hans auch über notwendige Reformen. Von Thorsten Wolf

Mit einem Festakt hat der Saarpfalz-Kreis am Sonntag im großen Sitzungssaal des Homburger Forums seinen 200. Geburtstag gefeiert (wir berichteten). Am 1. April 1818 wurde unter der Herrschaft des Königreich Bayerns das Landcommissariat Homburg aus der Taufe gehoben, der historische Vorgänger des heutigen Saarpfalz-Kreises. Den zahlreichen Gästen des Abends bot sich eine beeindruckende Rednerliste – neben Saarpfalz-Landrat Theophil Gallo sprachen auch Saar-Ministerpräsident Tobias Hans, der Saarlouiser Landrat Patrik Lauer für den Landkreistag Saarland, Professor Hans-Günter Henneke vom deutschen Landkreistag und Professor Andreas Rödder von der Universität Mainz.

Gleichwohl alle Redner die große Bedeutung des Kreises über die 200 Jahre hinweg betonten, taten sie dies aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln – und über allem schwebte der Geist des ersten Homburger Landcommissärs Philipp Jakob Siebenpfeiffer. So betonte Gallo die starke internationale Vernetzung des Saarpfalz-Kreises nach Frankreich, Polen und in die USA – und rückte damit auch den weltoffenen Charakter der Region in den Mittelpunkt – als Teil des Erbes der Freiheitskämpfer des Deutschen Vormärz und des Hambacher Festes. Gallo tat dies ausdrücklich als Gegenentwurf zum aufkommenden Nationalismus in Europa. Bei allem Stolz von Nationen, so der Landrat, dürfe eben dieser Stolz nicht „ausarten in einen ausgrenzenden, menschenverachtenden und somit intolerablen Nationalismus, wie er neuerdings wieder aufzukommen scheint. Dafür hätten auch unsere Vorväter kein Verständnis.“

Doch sei es aktuell so, dass Vertreter einer Partei, „die ganz gewiss keine Alternative für Deutschland ist“, versuchten, sich der Deutungshoheit über das Hambacher Fest und über die europäischen Freiheitskämpfer aus der Gründungszeit des Landkreises zu bemächtigen „und das Hambacher Fest in die rechte Ecke zu rücken“. Hier seien alle aufgerufen, aufzustehen und dem entgegen zu treten. Dies sei, so Gallo, auch ein Schwerpunkt der Arbeit der Siebenpfeiffer-Stiftung in der Zukunft. „Wenn es ein neues Hambacher Fest gibt, dann geht es von Homburg aus – und nicht von Meuthens und Sarrazins.“



Für Ministerpräsident Tobias Hans galt es, und das wurde mit Sicherheit von dem einen oder anderen mit Spannung gehört, nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch um die Zukunft des Saarpfalz-Kreises und der saarländischen Kreise insgesamt, Stichwort: Gebiets- und Verwaltungsreform. So lasse die aktuelle Finanzlage der Kommunen kein anderes Urteil zu, als dass man Reformnotwendigkeit habe. „Ich werde aber dafür sorgen, dass wir diese Reformen gemeinsam und auf Augenhöhe angehen, zwischen Land und Kommunen, aber auch zwischen Land und Landkreisen. Deswegen gibt es für mich auch eine klare Aussage: Die kommunale Selbstverwaltung wird nicht angetastet. Und: Gebietsstrukturreformen über die Köpfe der Menschen hinweg und gegen den Willen der Kommunen und Landkreise – die wird es mit mir an der Spitze der Landesregierung nicht geben.“

Aus dem Kreis der Landratskollegen war es an Patrik Lauer, dem Geburtstagskind Saarpfalz-Kreis zu gratulieren – bevor dann Professor Hans-Günter Henneke vom deutschen Landkreistag und Professor Andreas Rödder von der Universität Mainz zum einen den Landkreis in seinem geschichtlichen Wandel beschrieben, zum anderen Grundsätzliches zu eben diesem Wandel aus der Sicht eines Wissenschaftlers bis in einige Ecken ausleuchteten.

Launig dabei war der Auftritt von Henneke. Er beschrieb auch die Person des ersten Homburger Landcommissärs Philipp Jakob Siebenpfeiffer als einen der späteren Initiatoren des Hambacher Festes und als wichtigen Protagonisten des Deutschen Vormärz  – als Teil von „200 Jahren gebrochener Geschichte“. So habe der Saarpfalz-Kreis seit seiner Gründung als Landcommissariat im Jahr 1818 bis heute acht unterschiedliche Regierungsformen erlebt. Anhand vieler Fixpunkte der Geschichte zeichnete Henneke so das Bild eines Kreises, der von vielen Veränderungen geprägt sei. Mit Blick nach vorne gab Henneke den saarländischen Kreisen mit auf dem Weg, dass in Sachen Aufgabenbestand „noch Luft nach oben“ sei. „Schauen sie in den Rest von Deutschland, schauen sie zu den Kollegen von Rheinland-Pfalz.“ Und an Landrat Theophil Gallo direkt: „Bauen Sie Ihre Position von Herzen aus“.

Rödder schließlich beschrieb grundsätzliche Mechanismen der Geschichte, auch des Saarpfalz-Kreises, und warb dafür, sich den Herausforderungen des Wandels zu stellen und diesen Wandel, beschrieben am Beispiel der Digitalisierung, aktiv zu gestalten.

Der Bexbacher Schubertchor unter der Leitung von Paul Krick präsentierte eigens für den Festakt neu arrangierte Lieder und einige Texte aus dem Vormärz.
Der Bexbacher Schubertchor unter der Leitung von Paul Krick präsentierte eigens für den Festakt neu arrangierte Lieder und einige Texte aus dem Vormärz. FOTO: Thorsten Wolf