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Ortsrat Wörschweiler
Neues Zuhause für die Zauneidechsen

Auf der Sandgrube Taubental ist die streng geschützte Zauneidechse zu Hause, das macht nun eine Umsiedlung der Tiere innerhalb des Areals nötig.
Auf der Sandgrube Taubental ist die streng geschützte Zauneidechse zu Hause, das macht nun eine Umsiedlung der Tiere innerhalb des Areals nötig. FOTO: Thorsten Wolf
Wörschweiler. In Wörschweiler wurden in der Sandgrube rund 7000 Quadratmeter als Habitat für die geschützte Tierart hergerichtet. Von Thorsten Wolf

An der Sandgrube Taubental bei Wörschweiler, einem der Werke des Neunkircher Unternehmens Teralis, ist es still, sehr still. Einen eigentlichen Betrieb gibt es nicht, keine Lkws fahren rein oder raus, die Anlage ruht faktisch. Hinter dem Zufahrtstor kündet nur ein Stapel von großen und kleinen Ästen und einigen dünnen Baustämmen davon, dass sich auf dem Gelände wohl etwas getan haben muss.

Diese Aktivitäten haben aber nichts zu tun mit dem eigentlichen Unternehmenszweck der Sandgrube. Und dafür hat ein kleines, gerade mal 24 Zentimeter langes Tier gesorgt – die Zauneidechse. Die ist auch auf dem Gelände der Sandgrube Taubental zu Hause. Und weil diese Tierart gemäß den FFH-Richtlinien (Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen) und dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist, steht der Betrieb von Teralis im Taubental still, und das schon lange und wohl noch für sehr lange. Am Montagabend nun gab Teralis-Geschäftsführer Stefan Rösner dem Wörschweiler Ortsrat Einblicke in die Hintergründe.

„Aufgrund eines sogenannten FFH-Gutachtens, das 2015 in behördlicher Abstimmung erfolgt ist, wurden auf dem Gelände Tierarten festgestellt, die nach dem Naturschutzgesetz gewisse Auflagen nach sich gezogen haben“, erinnerte Rösner. Diese Auflagen seien Teil der Genehmigung, die Teralis für die Anlage im Taubental erhalten habe. Als Folge habe man, nach dem offiziellen Ende der Vegetationsperiode in diesem Jahr, am Standort der Sandgrube und in Absprache mit einem beauftragten Biologen ein Habitat errichtet, „für 42 Zauneidechsen, die 2015 am Standort gefunden oder berechnet wurden“, so Rösner weiter. Grundlage für diese Zahl sei die Erfassung von Tieren innerhalb von drei Vegetationsperioden gewesen. Dabei habe der mit der Überprüfung betraute Biologe sieben Tiere einsammeln können. „Anhand der in Deutschland gültigen Regeln hat er dann hochgerechnet, dass sich an diesem Standort mutmaßlich zwischen 42 und 45 Zauneidechsen aufhalten.“



Dies habe dann dazu geführt, dass man auf dem Gelände der Sandgrube einen Bereich von rund 7000 Quadratmetern habe herrichten müssen – als zukünftigen und geschützten Lebensraum für die Tiere. Rösner: „Pro Zauneidechse ist nach dem deutschen Naturschutzgesetz ein Lebensraum von 120 bis 140 Quadratmetern festgelegt.“

In den vergangenen beiden Wochen habe man diesen Bereich vorbereitet. Dazu habe man das betreffende Gelände „landschaftspflegerisch“ und entsprechend gesetzlicher Vorgaben als Wohnraum gestaltet. „Da musste Gehölz rausgeschnitten werden, weil die Tiere eine Beschattung nicht mögen.“ Zusätzlich sei das Areal mit einem speziell zertifizierten Zaun eingefasst worden. Die Umsiedlung der Zauneidechsen werde im kommenden Frühjahr geschehen. Dabei werde der Biologe zum einen versuchen, Tiere einzufangen. Zum anderen sollen einseitige Rampen vor dem rund 40 Zentimeter hohen Schutzzaun dafür sorgen, dass gerade Weibchen, diese seien eher scheu, den Männchen selbstständig ins neue Zuhause folgen.

„Das Ganze hat das Ziel, nach jährlicher Bilanzierung der Anzahl der Tiere die Umsiedlung irgendwann einmal als abgeschlossen zu betrachten.“ Wann dieser Moment erreicht sei, bestimme, verdeutlichte Rösner, letztendlich das Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz als zuständige Aufsichtsbehörde in Zusammenarbeit mit dem Biologen. „Den Zeitrahmen für diese Maßnahme bestimmt die Natur.“ Man werde aber, so sehe es die Genehmigung vor, mindestens drei Jahre den Bestand der Tiere beobachten. Gefragt von Wörschweilers Ortsvorsteher Reinhold Nesselberger, was die Maßnahem wohl letztlich kosten werde, nannte Rösner einen wahrscheinlichen Betrag zwischen 120 000 und 130 000 Euro.