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Traditionspflege
Westthrakien-Türken feiern im Saalbau

 Barbara Spaniol (Zweite von rechts) feierte im Saalbau mit dem Verein der Westthrakien-Türken dessen 40-jähriges Jubiläum.
Barbara Spaniol (Zweite von rechts) feierte im Saalbau mit dem Verein der Westthrakien-Türken dessen 40-jähriges Jubiläum. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Ihre Traditionen pflegen sie in ihrem Verein – Grund genug, im Saalbau das 40-jährige Jubiläum zu feiern. Von Sebastian Dingler

Es gibt es eine Gruppe von Türken, die schon seit 1981 EU-Bürger sind – schlichtweg, weil sie in Griechenland aufgewachsen sind. Noch etwas länger gibt es schon den Verein mit dem etwas sperrigen Namen „Kommunikationszentrum der Türken von Westthrakien“ in Homburg, nämlich seit 1979.

Westthrakien ist jenes Gebiet in Ost-Griechenland, das an die Türkei grenzt und in dem immer noch ein hoher Anteil der sogenannten Balkantürken lebt. Sie sind Überbleibsel des osmanischen Reiches, das einst weit nach Europa hineinreichte. Im Jahr 1913 existierte für 56 Tage sogar mal ein eigenes Staatsgebilde, das sich aufgrund der Einmischung Bulgariens aber nicht halten konnte. Wie man sich aufgrund der traditionellen Spannungen zwischen Griechen und Türken leicht ausrechnen kann, kam es in den letzten Jahrzehnten zu einer größeren Abwanderungswelle der Westthrakien-Türken nach Deutschland – der Status als EU-Bürger kam dem natürlich entgegen.

Etwa 15 000 von dieser Volksgruppe leben in Deutschland. In Homburg dürften die Arbeitsplätze der großen Firmen wie Bosch dazu beigetragen haben, dass sich viele der Türken aus Westthrakien angesiedelt haben. Ihre Traditionen pflegen sie in ihrem Verein – Grund genug, im Saalbau das 40-jährige Jubiläum zu feiern.



Seit zwölf Jahren ist Lütfü Ibram der erste Vorsitzende des Vereins. Er bedauerte, dass aus finanziellen Gründen leider keine Fußballmannschaft und keine Folkloregruppe mehr aufrechterhalten werden konnte. Die Vereinsaktivitäten beschränken sich somit auf zwei Busausflüge im Jahr und häufige Treffen im Vereinsheim in der Zweibrücker Straße. 80 Mitglieder habe man im Moment, zur Feier eingeladen waren auch befreundete Vereine vom Dachverband Föderation der Westthrakien-Türken in Europa. Ibram begrüßte zunächst die Gäste. Danach äußerte sich der zweite Vorsitzende Serkan Mouran zur komplizierten politischen Situation. Griechenland würde die Volksgruppe zwar als Muslime, jedoch nicht als Türken anerkennen.

Er erinnerte auch an den Politiker Sadık Ahmet, dessen Konterfei neben dem Kemal Atatürks über der Bühne im Saalbau hing. Ahmet habe sich für die Rechte der Westthrakien-Türken eingesetzt und große Repressalien von Seiten der Griechen erfahren. Er kam bei einem Autounfall im Jahr 1995 ums Leben. Nach dem Grußwort des Vizepräsidenten der Föderation, Vedat Arap, sprach Barbara Spaniol (Linke) als Vizepräsidentin des saarländischen Landtags. Vor allem das Zitat „Zeig mir, wie du mit den Minderheiten umgehst, so zeig ich dir, wie demokratisch du eigentlich bist“ brachte ihr großen Beifall ein. „Hier in Homburg leben wir gemeinsam, hier sind wir Freunde“, sagte Spaniol, ehe sie ihre Rede mit einem Gruß auf türkisch beendete.

Der stellvertretende Konsul, Seyit Mehmet Öztürk, aus Mainz, war ebenfalls zu Gast und hielt im Saalbau eine Rede. Als letztes sprach als Vertreter für die Stadt Homburg deren Integrationsbeauftragter Nurettin Tan. Dessen Muttersprache ist auch Türkisch, wiewohl er nicht aus Westthrakien stammt. Anschließend wurde traditionell der extra für die Feier gebackene Kuchen angeschnitten, ehe die bekannten Profimusiker von Grup Sevenler zum Tanz aufspielten bis Mitternacht.