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Verein Leuchtender Stern
Sozialkaufhaus weicht nach Bexbach aus

 Gespendete Kleider bekommen bedürftige Menschen an verschiedenen Stellen in der Region (hier ein Symbolbild), etwa auch beim „Besonderen Kaufhaus“ in Limbach. Dessen Angebot umfasst allerdings ein sehr breites Warensortiment – dazu gehören auch Haushaltswaren und Möbel.
Gespendete Kleider bekommen bedürftige Menschen an verschiedenen Stellen in der Region (hier ein Symbolbild), etwa auch beim „Besonderen Kaufhaus“ in Limbach. Dessen Angebot umfasst allerdings ein sehr breites Warensortiment – dazu gehören auch Haushaltswaren und Möbel. FOTO: Fabian Sommer/dpa / Fabian Sommer
Homburg/Bexbach/Limbach. Die Geschichte der Filiale Erbach des Sozialkaufhauses dauert wohl nur ein knappes Jahr. Zum 31. März soll es schließen, ab 1. April öffnet es in Bexbach. Der Trägerverein will, dass die Stadt Homburg mit einer erweiterten Kleiderkammer einspringt. Von Ulrike Stumm

Schaut man auf die Tatsachen, dann ist die Geschichte des Sozialkaufhauses, das der Verein „Leuchtender Stern“ trägt, schnell erzählt: Vor knapp einem Jahr wurde eine Filiale in Erbach mit viel Politprominenz eröffnet. Die wird nun in der jetzigen Form zum 31. März schon wieder geschlossen. Am 1. April eröffnet man eine Dependance in Bexbach. Der Stammsitz des Kaufhauses in Limbach, den es seit 2013 gibt, bleibt davon unberührt und wird weitergeführt wie bisher. Doch hinter den Kulissen knirscht es gewaltig (wir berichteten). Es gab Schuldzuweisungen an die Stadt angesichts eines aus Vereinssicht mangelhaften Möbellagers, Briefe, Beschwerden, Klarstellungen. Nun wurde das Thema auch in der jüngsten Sitzung des Stadtrates behandelt – auf Antrag der Fraktion „Die Linke“, die Informationen von der Verwaltung gefordert hatte. Florian Spaniol (Linke) verdeutlichte bei der Sitzung die Sicht seiner Fraktion, dass Homburg als Kreisstadt so eine Möglichkeit bieten sollte.

Doch was ist eigentlich passiert, dass sich die Situation so zugespitzt hat? Öffentlich hochgekocht war das Ganze vor wenigen Wochen. Der Vorstand des gemeinnützigen Vereins, Walter Meyer, hatte der Stadt vorgeworfen, sie habe einen Glasschaden im Raum am Musikpark, in dem der Verein Möbel lagerte, nicht so repariert, wie es sein müsste. Wegen der schlechten Zustände im Lager sei ein Teil der Möbel kaputt gegangen. Dies aber bringe den Verein wirtschaftlich in Gefahr. Er drohte mit Schließung.

Schon in der Ratssitzung in der vergangenen Woche war aber klar: Die Einrichtung bleibt so nicht in Erbach. Bürgermeister Michael Forster (CDU) hatte dort darauf verwiesen, dass der Verein längst neue Räume in Bexbach gefunden habe. Bei seinem Termin mit dem Vereinsvorsitzenden habe schon festgestanden, dass es keine Chance gebe, dieses Sozialkaufhaus in Homburg aufrechtzuerhalten. Und er stellte nochmals heraus, dass man dem Verein zwar die Räume der alten Videothek angeboten habe. Doch es sei schon da allen klar gewesen, dass es hier keine Heizung und keine Lüftungsmöglichkeiten gebe. Es sei zudem „von uns auch nicht in Aussicht gestellt worden, die Räume so herzurichten, dass sie als Lager geeignet wären“. Gleichzeitig bedauerte er, dass der Schaden an der Scheibe nicht repariert worden sei.



Er habe Mayer angeboten, Vorschläge anderweitiger Kooperationen in der Fachabteilung bewerten zu lassen, dann werde er dies im Sozialausschuss vorstellen. Es gehe aber nicht um eine Beteiligung am Sozialkaufhaus, unterstrich Forster.

In einem Schreiben, das unserer Zeitung jetzt vorliegt, erläuterte Mayer einen weiteren Vorschlag an die Stadt, nämlich den, dass die städtische Kleiderkammer am Erbacher Hochrech doch in die Räume der bisherigen Filiale des Sozialkaufhauses in der Lappentascher Straße ziehen könne. Dort könne der Verein dann auch eine „Erweiterung des Warenangebots bieten“. Zudem seien die Räume hier „sehr ansprechend und mit genügend Parkplätzen ausgestattet.

Bürgermeister Forster machte auf Anfrage deutlich, dass er da wenig Chancen sieht. Die Kleiderkammer laufe „richtig gut, und wir haben hier eigene Räume“.

Die zuständige Beigeordnete Christine Becker (SPD) hatte bereits in der Ratssitzung unterstrichen, dass sie eher keinen Bedarf sehe, die Kleiderkammer mit einem Möbellager zusammenzuführen. Angesichts der Schließung des Sozialkaufhauses verwies sie zudem auf das bestehende fairness-Kaufhaus, das in Erbach Kleider und Möbel anbiete. Das habe wohl die „Chancen auf ein gut gehendes Sozialkaufhaus vermasselt“.

Die fairness-Kaufhäuser gibt es auch an Standorten in Rheinland-Pfalz. Hier werden ebenfalls Warenspenden aus der Bevölkerung zu geringen Preisen verkauft. Träger ist die „Lebenswerk eG“, eine Sozialgenossenschaft, die Menschen mit Schwerbehinderungen sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze anbietet, heißt es auf deren Homepage.

Becker verdeutlichte: Sie sehe in Homburg keinen weiteren Bedarf eines Sozialkaufhauses. Und sie machte auf einen wesentlichen Unterschied aufmerksam. In der Kleiderkammer werden nur Dinge an Menschen mit einem Bedürfnisnachweis abgegeben, beim Verein Leuchtender Stern sei dies nicht so, „da darf jeder einkaufen“.

Walter Meyer wiederum sah den Verein aufgrund der Lagersituation in der ehemaligen Videothek am Musikpark zu dem Schritt gezwungen, nach Bexbach auszuweichen. Im Januar habe man ein Angebot auf Initiative des Gewerbevereins Bexbach angenommen, eine größere Betriebsfläche in der Rathausstraße im Zentrum von Bexbach anzumieten, die als Lagerstätte und Verkaufsfläche genutzt werden kann. Im Bereich Homburg eine Lagerstätte als Ersatz für die Videothek anzumieten, sei „finanziell nicht zu schultern“. Die alleinige Anmietung der Lagerfläche in Bexbach sei nicht möglich gewesen, sodass der Vereinsvorstand beschlossen habe, ab 1. April in Bexbach in der Rathausstraße neben dem Lager auch eine Verkaufsfläche vorzuhalten. Damit sei aber nicht „automatisch die Schließung der Filiale in Erbach verbunden“, hieß es mit Verweis auf seinen Vorschlag bezüglich der Kleiderkammer.

Was Meyer wichtig ist: Beim Sozialkaufhaus in Limbach geht es alles weiter seinen gewohnten Gang. Seit seiner Gründung 2013 habe es sich hier als soziale Einrichtung „bestens etabliert“. Von Schließung könne an dieser Stelle also überhaupt keine Rede sein.

 Hier wurde im vergangenen Mai das neue Sozialkaufhaus in Erbach eröffnet. Dieses wird nun in der jetzigen Form wieder geschlossen.
Hier wurde im vergangenen Mai das neue Sozialkaufhaus in Erbach eröffnet. Dieses wird nun in der jetzigen Form wieder geschlossen. FOTO: Walter Meyer