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Essen an Weihnachten
Nicht nur Gans, auch Fisch ist beliebt

 Ein schön geschmückter Tisch gehört am ersten Weihnachtstag dazu. Nicht nur, was auf dem Teller ist, zählt, auch das Drumherum ist wichtig und sorgt für schöne Stimmung.
Ein schön geschmückter Tisch gehört am ersten Weihnachtstag dazu. Nicht nur, was auf dem Teller ist, zählt, auch das Drumherum ist wichtig und sorgt für schöne Stimmung. FOTO: gms / Treffpunkt Tisch
Homburg. An Heiligabend tun es oft Wiener mit Kartoffelsalat. Aber was kommt am ersten Weihnachtstag auf den Tisch? Wir erkundigten uns in einigen Geschäften. Fazit: Die Klassiker gehen immer noch am besten. Von Christine Maack

Kommt die Schlemmerei an Weihnachten langsam aus der Mode? Angesichts des gestrigen Gedrängels  in Lebensmittelgeschäften und Supermärkten sieht es eigentlich nicht danach aus. Der Weihnachtsbraten oder die Weihnachtsgans gehörten zu Zeiten unserer Großeltern zur Grundausstattung eines gelungenen Weihnachtsfestes.

Das war auch sinnvoll, zumal man früher nicht so sehr in Versuchung geführt wurde, sich schon ab Ende November mit Plätzchen, Glühwein und Stollen vollzustopfen. Oder gar mit Kartoffelchips, Knoblauchbrot und Fleischkäse – Dinge, die man inzwischen auf allen Weihnachtsmärkten antrifft.

Im Übrigen galt der Advent aus kirchlicher Sicht als Fastenzeit, ähnlich wie die Zeit vor Ostern. Außerdem soll es früher im Dezember kälter gewesen sein, jedenfalls wird das immer gerne erzählt.



Und eine fette Gans schmeckt allemal besser, wenn’s draußen friert und man sich wochenlang nur von Pellkartoffeln und Quark ernährt hat – an Stelle von Käsegrillern und Schwenker-Weck bei zehn Grad plus am Glühweinstand.

Außerdem ist eine Fastenzeit auch aus praktischen Erwägungen sinnvoll gewesen, weil man in armen Zeiten das Essen den ganzen Monat Dezember über angesammelt und haltbar gemacht hatte, damit für die Festtage genügend vorhanden war.

Wenn schon kein Fleisch, isst man in vielen Familien neuerdings Fisch zu Weihnachten.  „Für Heiligabend haben viele Kunden bei uns Platten bestellt“, sagt Melanie Flatter vom gleichnamigen Homburger Fischgeschäft, „denn gerade abends sind Salate oder kalte Pasteten sehr beliebt“.

Der Renner beim Fisch für das Weihnachtsessen ist in diesem Jahr Kabeljaurückenfilet mit Kapernbutter oder mit Petersiliensoße. Da Kabeljau inzwischen zu den gefährdeten Sorten gehört, ist er nicht nur selten, sondern auch nicht ganz billig, „aber er ist einfach ein ganz besonderer Fisch und hat einen zarten Geschmack“.

Der Karpfen, vor einigen Jahren noch in Mode, sei „rückläufig“, „der ist nicht mehr so beliebt wie früher. Manche Kunden kaufen ihn noch, aber das ist eine Minderheit“, so Melanie Flatter. Sie schließt übrigens ab heute ihr Geschäft: „Ich arbeite noch alle Bestellungen ab, die wir für Weihnachten angenommen haben, dann ist Schluss.“ Sie wird weiterhin einen Feinschmecker-Service betreiben, „aber das Geschäft schließt definitiv ab heute.“ Sie wird Heiligabend noch bis 17 Uhr kalte Platten auch warme Gerichte ausliefern, „dann ist für mich Weihnachten“.

Dieter Schwitzgebel von der preisgekrönten Einöder Metzgerei bleibt gerade vor Weihnachten seinem Prinzip „Kalb und Rind aus der Region“ treu.  Kalbsnierenbraten und Rinderfilet sind Weihnachtsklassiker, die bei ihm immer gehen.  Auf Geflügel im letzten Moment, insbesondere Gänse und Enten, braucht man bei der Metzgerei Schwitzgebel hingegen nicht zu hoffen, „denn dafür lief die Bestellung schon Anfang September ab“.

Das liege daran, so Schwitzgebel, dass er sich vor einem Jahr entschieden habe, bei Geflügel aus Käfighaltung einen Schlussstrich zu ziehen: „Bei mir kommt nur noch Geflügel aus artgerechter Freilandhaltung in die Auslage, ich kenne die Höfe und habe Vertrauen in Haltung und Aufzucht.“ Seine Kunden wüssten und respektierten dies: „Das betrifft nicht nur Gänse und Enten, auch Hühner, Truthähne oder Puten.“

Wer also fürs Weihnachtsmenü Geflügel geplant hat, wird in Einöd wohl nur noch ein paar Hähnchenfilets bekommen, alles andere ist bereits vergeben.  Schwitzgebel betont, dass seine Kunden dies aber wüssten: „Ich mache meinen Beruf mit Leidenschaft und ich möchte nicht um jeden Preis irgendein Fleisch verkaufen. Und wenn es ein bestimmtes Fleisch nicht mehr gibt, dann ist das eben so.“ An Heiligabend gebe es viele Kunden, die traditionell Wiener Würstchen oder Lyoner kauften, „das macht nicht viel Arbeit und schmeckt gut“. Davon habe er auch noch genug vorrätig.

David Simon, der zusammen mit seiner Frau Tanja in der  Homburger Altstadt  ein Tagesrestaurant betreibt, schlägt als Weihnachtsmenü „ein Bürgermeisterstück mit Rotkohl und Semmelknödel-Gugelhupf“ vor. Dieser Tipp  sei völlig unpolitisch, „beim Bürgermeisterstück handelt es sich um ein besonders zartes Schulterstück vom Rind“.

 Ein knuspriger Gänsebraten ist an Weihnachten in vielen Familien noch Tradition. Aber vor allem älteren Menschen ist die Gans oft einfach zu fett, sie satteln lieber auf Fisch um.
Ein knuspriger Gänsebraten ist an Weihnachten in vielen Familien noch Tradition. Aber vor allem älteren Menschen ist die Gans oft einfach zu fett, sie satteln lieber auf Fisch um. FOTO: dpa / Karl-Josef Hildenbrand
 Für Kinder ist Weihnachten immer eine aufregende Zeit.
Für Kinder ist Weihnachten immer eine aufregende Zeit. FOTO: dpa / Alexander Zemlianichenko