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Schutz vor Zecken
Was man jetzt über Zecken wissen sollte

Blutsauger mit Risiko-Potenzial: Zecken.
Blutsauger mit Risiko-Potenzial: Zecken. FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
HOmburg/Bexbach/Kirkel. Zecken können Krankheiten verursachen. Vorsicht ist geboten, zur Panik gibt es aber keinen Grund, sagt die Ärztekammer. Von Jörg Wingertszahn

Werden die Temperaturen milder, sind auch die Zecken wieder aktiv. Stechen die winzigen Blutsauger zu, können sie gefährliche Krankheiten wie Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen. Darauf weist die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) hin.

Zecken, die den Borreliose-Erreger in sich haben, kommen deutschlandweit vor. FSME-Risikogebiete sind vor allem Bayern und Baden-Württemberg, Südhessen und das südöstliche Thüringen, aber auch das Saarland. Hier ist vor allem der Saarpfalzkreis betroffen. Das belegt auch eine Auswertung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH): Diese registrierte im ersten Halbjahr 2017 bundesweit 117 FSME-Fälle. Insgesamt kam im ersten Halbjahr 2017 ein Krankheitsfall auf rund 1750 Versicherte, wie die KKH mitteilt.

„Der Schutz gegen Zecken ist entscheidend zur Vermeidung von Krankheiten“, sagt Dr. Eckart Rolshoven, Erster Beisitzer der Ärztekammer des Saarlandes. Beim Spaziergang im Wald sollte man lange Kleidung tragen und die Hosenbeine mit einem Gummiband zubinden.



„Zecken findet man vor allem an den weichen Hautstellen wie Achselhöhlen, Kniekehlen oder im Leistenbereich“, sagt Rolshoven und rät, den Körper nach dem Spaziergang auf Zecken zu untersuchen. Sollte man eine finden, gilt: „Man muss sie einfach nur rauskriegen. Nichts draufschmieren, einfach rausreißen, am besten geht das mit einer Zeckenzange, die man möglichst tief ansetzt“, sagt Rolshoven. Selbst wenn der Kopf stecken bleibt, sei das kein Problem. Die gefährlichen Erreger befinden sich im Darm, der ja mit dem Körper rausgerissen wurde.

Da die Borreliose durch Bakterien übertragen wird, lässt sie sich nach Angaben der KKH vor allem im Frühstadium gut antibiotisch behandeln. Schreitet die Krankheit unerkannt fort, kann es zu starken Schmerzen über Herzprobleme bis hin zu einer Gehirnhautentzündung kommen. „Ein schwerer Verlauf ist aber äußerst selten. Die Leute sollten sich nicht verrückt machen lassen“, sagt Rolshoven.

Auch eine FSME beginnt häufig mit grippeähnlichen Symptomen. Sie wird durch einen Virus übertragen und kann ebenfalls zu einer Gehirnhautentzündung führen. Grippeähnliche Symptome, Fieber und Schmerzen können auf FSME hinweisen. Da es gegen diese Krankheit kein wirksames Medikament gibt, bietet die gut verträgliche FSME-Impfung den einzigen Schutz. Die Krankenkassen bezahlen in der Regel die Impfung.

In der Öffentlichkeit kursieren immer wieder einige Irrtümer rund um die Spinnentiere, wie zum Beispiel, dass sie sich von Bäumen fallen lassen. Stimmt aber nicht, Zecken lauern an Gräsern, Zweigen von Sträuchern oder auch im Unterholz auf Wirte. Zecken sind auch nicht nur im Sommer aktiv, sondern bereits ab etwa sieben Grad Celsius.

Auf keinen Fall sollte man Zecken mit Öl oder anderen Mitteln einreiben. Die Zecke erbricht nämlich im Todeskampf ihren Darminhalt und damit Krankheitserreger in die Wunde, was eben zu einer Infektion führen kann. Das rät auch Dr. Eckart Rolshoven.

Wer unsicher ist, ob er die Zecke komplett entfernt hat, sollte zum Arzt gehen.