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Nicht nur Frontmann Julio Hierrezuelo übrezeugte
Was Groove Connection in Mandy‘s Lounge bot

 The Groove Connection um Sänger und Gitarrist Julio Hierrezuelo begeisterte die Unentwegten, die kurz vor den Schließungen der Clubs und Konzertbühnen in Mandy’s Lounge gingen.
The Groove Connection um Sänger und Gitarrist Julio Hierrezuelo begeisterte die Unentwegten, die kurz vor den Schließungen der Clubs und Konzertbühnen in Mandy’s Lounge gingen. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Das Coronavirus hat den ganzen Kulturbetrieb auf Null gesetzt. Doch zuvor hatte sich die Homburger Musikkneipe Mandy’s Lounge gegen die Absetzung von Konzerten gewehrt. Jedenfalls: Nachdem unter der Woche noch die tolle Countrysängerin Lesley Kernochan auftreten durfte (wird berichteten), konnte auch samstags ein Konzert stattfinden. Von Sebastian Dingler

Ursprünglich war der Termin mal für den Singer/Songwriter Rick Derman freigehalten worden, doch der sagte schon vor längerer Zeit ab. Dann sollte die junge Band Kunkels 7 auftreten, doch sie bekam nicht alle Mitglieder zusammen für diesen Abend. Also sprang Groove Connection um den kubanischen Sänger Julio Hierrezuelo ein, und das war alles andere als ein schwacher Ersatz.

Hierrezuelo ist nämlich nicht nur ein toller Sänger mit einem samtig-weichen Stimmorgan, er spielt dazu auch noch sehr gut Gitarre. Vielleicht hat der in Mainz wohnende Künstler noch nicht den ganz großen Bekanntheitsgrad. Seinen größten Fernsehauftritt hatte er jedenfalls 2017 bei der Castingshow „The Voice of Germany“. Das habe ihm sehr geholfen in seiner Karriere, sagte er nach dem Konzert. Seine Begleitband dagegen war einigen der Virus-bedingt wenigen Zuhörer eher bekannt: Bassist Joe Andrus wohnt in Schönenberg-Kübelberg, Schlagzeuger Tony Burks in Sembach bei Kaiserslautern und Keyboarder Valerie Dorvin in Saarbrücken.

Noch spannender sind allerdings die Herkunftsorte der Bandmitglieder. Hierrezuelo stammt wie schon erwähnt ursprünglich aus Kuba, verließ diese Insel aber schon mit elf Jahren und wuchs in Kolumbien und Ecuador auf. Andrus kommt aus New Orleans und Burks aus Alabama. Das liegt geographisch gesehen noch halbwegs beieinander, doch Dorvin fällt komplett aus der Reihe, denn er kommt ursprünglich aus Usbekistan. Musikalisch wechselte der Stil zwischen US-amerikanischem Soul und R’n’B sowie jamaikanischem Reggae. Immer wenn Letzteres gefragt war, setzte sich Drummer Burks eine grün-rot-gelbe Mütze mit angeklebten Rastalocken auf. Hauptsächlich spielte Groove Connection bekannte Klassiker wie „I Heard It Through the Grapevine“ oder „Englishman in New York“ oder etwas neuere Songs wie „Locked Out of Heaven“ oder „Get Lucky“. Für zwei Lieder durfte ein bekannter Gaststar zum Singen auf die Bühne, nämlich Bernard „Smitty“ Smith. Schließlich spielt Tony Burks auch in seiner Band, die vor Kurzem in der Lounge aufgetreten war. Hierrezuelo wiederum erinnerte äußerlich und stimmlich ein wenig an Lenny Kravitz, und so verwunderte es nicht, dass er dessen Song „I Belong to You“ brachte. Interessant auch, was der Sänger über seinen Lebensweg erzählen konnte: Weil sein Vater einen Job in Kolumbien bekam, konnte die Familie Kuba verlassen. Er habe aber im Norden an der Florida gegenüberliegenden Küste gewohnt und häufig mitgekriegt, wie Kubaner mit abenteuerlichen Booten zu fliehen versuchten. Nach Deutschland kam Hierrezuelo, nachdem er in Kolumbien seine Ex-Frau kennenlernte. Zunächst schlug er sich mit Straßenmusik durch, dann bekam er immer häufiger gut bezahlte Engagements als Sänger. In den nächsten Wochen wird er dann aber auch zwangspausieren müssen.