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Warnstreik für mehr Personal am Klinikum

 Rund 250 Beschäftigte des Homburger Universitätsklinikums, so Schätzungen der Polizei, forderten gestern mit einem Warnstreik und einem Demonstrationszug über das Gelände des UKS sechs Prozent mehr Lohn und mehr Personal am Klinikum. Foto: Thorsten Wolf
Rund 250 Beschäftigte des Homburger Universitätsklinikums, so Schätzungen der Polizei, forderten gestern mit einem Warnstreik und einem Demonstrationszug über das Gelände des UKS sechs Prozent mehr Lohn und mehr Personal am Klinikum. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Etwa 250 Mitarbeiter des UKS in Homburg gingen gestern für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße. Thorsten Wolf

Für 24 Stunden sind gestern Morgen ab 6 Uhr Beschäftigte des Universitätsklinikums des Saarlandes (UKS) in Homburg in einen Warnstreik eingetreten. Die Forderung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: mit sechs Prozent eine deutliche Lohnerhöhung und mehr Personal auf den Stationen. Dies forderten die Streikenden in Homburg zuerst mit einem Demonstrationszug auf dem Gelände des Uniklinikums, später am Tag bei einer zentralen Kundgebung in Saarbrücken. Die Polizei schätzte in Homburg die Teilnehmerzahl auf rund 250.

Verdi-Gewerkschaftssekretär Michael Quetting konkretisierte im Gespräch mit unserer Zeitung die Hintergründe des Streiks und der Forderungen. Dabei machte er klar, dass es beim gestrigen Warnstreik formal um die Forderung nach mehr Lohn in den gegenwärtigen Tarifverhandlungen gehe. Hier verwies Quetting auf die Überzeugung seiner Gewerkschaft, dass die Beschäftigten des Uniklinikums im Vergleich zu anderen Krankenhäusern finanziell schlechter gestellt seien. Dies liege, so der Gewerkschaftssekretär, an den unterschiedlichen Tarifgemeinschaften. So würde am UKS nach dem Tarifvertrag Land bezahlt (TV-L), an kommunalen Häusern wie dem Kreiskrankenhaus St. Ingbert aber nach dem Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes (TVöD) für Städte, Gemeinden und Landkreise. Der bedeute für die Beschäftigten in dieser Tarifgemeinschaft eine höhere Entlohnung.

"Es ist schon gemein, dass die Beschäftigten hier an der Uniklinik weniger verdienen als die Mitarbeiter an kommunalen Krankenhäusern. Da stellt sich schon die Frage, wie man die Spitzenmedizin und die Spitzenversorgung hier in Homburg wertschätzt." Nicht minder schwer, vielleicht sogar ein bisschen schwerer, wiege das aus Sicht der Gewerkschaft fehlende Personal am UKS. "Das bewegt die Beschäftigten sehr." Die Forderung der Gewerkschaft hier lautet "Tarifvertrag Entlastung". Dieser soll mehr Personal bringen und damit die Situation der Beschäftigten am UKS deutlich verbessern.



Grundsätzlich beschrieb Quetting die Stimmung der Beschäftigten am UKS als "sehr kämpferisch, sehr aufgeregt". Viele Beschäftigten des UKS, da war sich Quetting sicher, stünden hinter dem Streik und hätten sich auch daran beteiligt. Die mit der Leitung des Universitätsklinikums vereinbarte Notversorgung der Patienten mache das aber nicht möglich, für Quetting auch ein Zeichen der personellen Unterbesetzung der Stationen am Uniklinikum.

"Da wir schon zu Normalzeiten quasi mit einer Notbesetzung arbeiten, wissen wir gar nicht, wie wir die Kollegen zum Streik motivieren können." Trotzdem sei er mit dem Zuspruch zufrieden, "ich denke, wir werden zum Schluss 500 Streikende sein". Der vereinbarten Notversorgung sei es geschuldet, dass nicht mehr am Ausstand teilnehmen könnten.

Frank Murer, Sprecher der Verdi-Betriebsgruppe am UKS, bekräftigte die Einschätzungen und Forderungen von Michael Quetting. "Die Lage hier am UKS ist sehr ernst." Das machte auch Murer daran fest, dass nicht alle streiken könnten, die auch streiken wollten - als Folge der dünnen Personaldecke. "Leute wurden schon aus dem Streik zurück in den Klinikbetrieb gerufen, da die aktuellen Besetzungen nicht der getroffenen Notdienstvereinbarung entsprechen, da zusätzlich Mitarbeiter krank geworden sind." Dies sei aus seiner Sicht ein deutliches Zeichen für die Unterpersonalisierung und des hohen Krankenstandes am Klinikum, "der natürlich wiederum aus der dünnen Personaldecke resultiert". Schon unter der Woche fahre man mit Minimalbesetzung, "wenn auch nur eine Kollegin oder ein Kollege ausfällt, ist sofort ,Land unter'."

Zum Thema:

Der Warnstreik am UKS gestern war Teil der Tarifverhandlungen. Die Forderung der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi lautet: ein Mehr an Lohn von sechs Prozent. Hintergrund hier ist der Umstand, dass Beschäftigte am Uniklinikum nach dem Tarifvertrag Land vergütet werden, der sie, so die Gewerkschaft, schlechter stelle als Mitarbeiter von kommunalen Krankenhäusern. Diese werden nach dem Tarifvertrag für Städte, Gemeinden und Kreise bezahlt. Doch nicht nur um mehr Geld ging es gestern beim Warnstreik in Homburg, auch die Forderung nach mehr Personal am UKS, Stichwort "Tarifvertrag Entlastung", war Thema.