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Vor 70 Jahren kam Kirrberg zurück ins Saarland
Grenzkontrollen auf der Ortsstraße

 Kirrberg kam vor 70 Jahren zum Saarland und das wird am Dienstag, 23. April, gefeiert. Hier ist die Merburg, eines der Wahrzeichen von Kirrberg, zu sehen, das allerdings derzeit aus Sicherheitsgründen abgesperrt ist, darauf weist auch die Saarpfalz-Touristik auf ihrer Seite hin.
Kirrberg kam vor 70 Jahren zum Saarland und das wird am Dienstag, 23. April, gefeiert. Hier ist die Merburg, eines der Wahrzeichen von Kirrberg, zu sehen, das allerdings derzeit aus Sicherheitsgründen abgesperrt ist, darauf weist auch die Saarpfalz-Touristik auf ihrer Seite hin. FOTO: Thorsten Wolf
Kirrberg. Vor 70 Jahren kam Kirrberg zurück zum Saarland. Das wird heute, am Stichtag 23. April, gebührend gefeiert: mit einer Party und einer temporären Zollstation samt Schlagbaum und nachgestellten Kontrollen. Von Ulrike Stumm

Es gab Zeiten, da gab es vor Kirrberg einen Schlagbaum. Und den musste jeder passieren, der von dem Ort ins Saarland wollte, in dem damals die Franzosen das Sagen hatten. Und über diese Grenze wollten ziemlich viele Menschen. Kirrberg gehörte mit seinem zu der Zeit 1857 Einwohner einst zum Bezirksamt Zweibrücken und damit zur Nachbarregion Pfalz. Doch die Bürger hatten ihren Lebensmittelpunkt eben im Saarland und nicht in der Pfalz, fast alle Kirrberger arbeiteten in den saarländischen Hütten und Gruben, sie gingen in Homburg zum Arzt und kauften auch in Homburg ein – so beschrieb Ortsarchivar Friedel Dejon vor zehn Jahren die Befindlichkeiten dieser zurückliegenden Zeit. Und für ihn liegt darin auch die Erklärung, warum der Ort am 23. April 1949 nach hartnäckigen Bemühungen seiner Bevölkerung die Staatsbürgerschaft wechselte: aus dem Kreis Zweibrücken/Rheinland-Pfalz wurde er in den Kreis Homburg/Saarland eingegliedert. Über 90 Prozent der Bevölkerung hatten damals dafür gestimmt.

70 Jahre liegt das mittlerweile zurück. Und weil es eine zentrale Sache für Kirrberg ist, soll dies am Stichtag selbst, und damit heute, am Dienstag, 23. April, gebührend gefeiert werden. Ortsvorsteher Manuel Diehl verrät auch, wie das ablaufen soll. Zentrale Stelle ist ab 17 Uhr der Marktplatz, wo das Team der Fischerhütte für Essen und Getränke sorge. Musik gibt es von der Pfarrkapelle Kirrberg.

Um an die vergangenen Zeiten zu erinnern, hat man sich noch etwas ganz Besonderes ausgedacht, was gar nicht so leicht umzusetzen war.



Gleich zu Beginn wird als Höhepunkt des Festes die historische Situation vor 70 Jahren nachgestellt: Die Ortsstraße in Höhe des Marktplatzes wird gesperrt, provisorisch wird ein Zollhaus errichtet und von Zöllnern besetzt, auch Schlagbäume werden wieder aufgestellt. Übergangsweise sollen dann sogar Grenzkontrollen nachgestellt werden – zur Erinnerung an die damaligen Verhältnisse. Die Zöllner geben einige Kirrberger Bürger, die sich Uniformen besorgt hätten, kündigt Diehl an. Wer also in dieser Zeit durch den Ort fahren möchte, der sollte etwas Zeit mitbringen. Auf dem Infoblatt, das zur Feier einlädt, heißt das dann so: „Sollten Sie am Dienstag etwas zu verzollen haben, planen Sie Wartezeiten an unserem wieder errichteten Grenzübergang mit Zollhaus, Zöllnern und Zollschranke am Kreisverkehr in Kirrberg ein! Um Ihnen die Grenzkontrollen so angenehm wie möglich zu gestalten, wird unser Festakt musikalisch umrahmt.“

Gegen Abend werde dann getreu dem europäischen Gedanken und dem Motto „Kirrberg im Herzen – Europa im Sinn. 70 Jahre grenzenlos. 1949 bis 2019“ zusammen mit der Bevölkerung die Grenze wieder entfernt, die Schlagbäume werden niedergerissen.

Man wolle den Menschen vor Augen führen, wie das damals so war mit Grenzen, nicht nur mit Blick auf Kirrberg, sondern auch mit dem auf das freie Europa, erläutert Diehl.

Angegangen wurden die „Partyvorbereitungen“ übrigens relativ kurzfristig, man habe, so Diehl, überlegt, was die Menschen reizen würde, vorbeizukommen. Veranstalter der Party mit der besonderen Einlage ist der Ortsrat Kirrberg zusammen mit dem Zusammenschluss Vereine und Verbände.

Ortsarchivar Dejon kündigt zudem eine weitere Aktion im Zusammenhang mit dem Geburtstag an: Im Kirrberger Bürgerhaus sollen historische Dokumente zur Geschichte des Ortes ausgelegt werden. Und die hat ganz schön etwas zu bieten: seit 1813 gehörte das Dorf zur Kantonstadt Homburg, später zur bayerischen Pfalz und 1901 wurde Kirrberg selbstständige Gemeinde im Landeskommissariat Homburg. Erst der Versailler Vertrag entschied 1920, dass das Dorf im Wald plötzlich Zweibrücken zugeschlagen wurde. Das gefiel den Kirrbergern von Anfang an nicht, und als der Zweite Weltkrieg vorbei war, machte die Gemeinde schließlich mehrere deutliche Eingaben beim französischen Hochkommissar Gilbert Grandval in Saarbrücken und beim Land Rheinland-Pfalz. Dem Wunsch wurde stattgegeben: Kirrberg kam 1949 zurück an die Saar. Der französische Schlagbaum wurde vor dem Ort abgebaut und hinter dem letzten Kirrberger Haus wieder errichtet. Damit war die tägliche Grenzgängerei für die Kirrberger endgültig vorbei.

Eingeladen zur Feier sind alle Bürger. Neben den Kirrbergern werden Ehrengäste aus der Bundes- und Landespolitik, dem Landkreis sowie der Stadt Homburg erwartet.

 Als Kirrberg 1949 ins französisch besetzte Saarland zurückkam, wurde auch der Schlagbaum versetzt: Er stand nun nicht mehr am Ortsanfang, sondern kam ans Ortsende.
Als Kirrberg 1949 ins französisch besetzte Saarland zurückkam, wurde auch der Schlagbaum versetzt: Er stand nun nicht mehr am Ortsanfang, sondern kam ans Ortsende. FOTO: Archiv Kirrberg/Repro: ThorstenWolf / Archiv Kirrberg/Repro: Thorsten Wolf