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Römermuseum Schwarzenacker
Von den Römern bis in die Barockzeit

Vor der Kneipe des Capitolinus standen schon verstaubte und verschwitzte Römer, die auf dem Weg nach Trier die Pferde wechseln und übernachten wollten. Das Römermuseum in Schwarzenacker war eines der ersten römischen Freiluftmuseen in Deutschland. Rechts Professor Klaus Kell, der Leiter des Römermuseums, mit der Archäologin Sabine Emser, die sich vor allem um die vielen Aktionen kümmert, bei denen Kinder die Römerzeit hautnah erleben können.
Vor der Kneipe des Capitolinus standen schon verstaubte und verschwitzte Römer, die auf dem Weg nach Trier die Pferde wechseln und übernachten wollten. Das Römermuseum in Schwarzenacker war eines der ersten römischen Freiluftmuseen in Deutschland. Rechts Professor Klaus Kell, der Leiter des Römermuseums, mit der Archäologin Sabine Emser, die sich vor allem um die vielen Aktionen kümmert, bei denen Kinder die Römerzeit hautnah erleben können. FOTO: Christine Maack
Schwarzenacker. Das Römermuseum in Schwarzenacker hat nicht nur Antikes zu bieten, sondern auch besondere Barockgemälde, die schon mal in Homburg waren. Von Christine Maack

Beinahe hätte man ihn erfahren, doch er bleibt wohl im Dunkel der Zeit: der Name der römischen Siedlung Schwarzenacker. In der Nähe wurde an einem Quellheiligtum zwar eine Inschrift gefunden, doch ausgerechnet das Stück, auf dem der Wohnort des Stifters stand, ist verschollen.

Verschollen war lange auch die römische Siedlung selbst, deren Blütezeit im Jahr 14 nach Christus begann und die mit dem Einfall der Alemannen um das Jahr 276 endete. Die von schätzungsweise 2000 Menschen bewohnte Kleinstadt wurde fluchtartig verlassen und ging in Flammen auf.

Zisterziensermönche im 14. Jahrhundert, die in der Nähe im Kloster Wörschweiler wohnten, ahnten anhand von Fundstücken, dass hier einst eine Römersiedlung gestanden haben musste. Und da alles, was sie vorfanden, schwarz und verbrannt aussah, nannten sie den Ort einen „schwarzen Acker.“ Dass dieser verlassene Ort einst eines der ersten römischen Freilichtmuseen in Deutschland werden würde, konnten die Mönche nicht ahnen.



Alfons Kolling (1922-2003), Landesarchäologe des Saarlandes, war der Vater dieses Museums, er grub dort, er publizierte darüber und er legte in den 60-er Jahren den Grundstein für das heutige Römermuseum. Inzwischen ist das Museum gewachsen und besteht aus drei Teilen: dem barocken Edelhaus mit seiner Sammlung, die aus 33 Bildern von Malern besteht, die unter anderem am Hof von Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken tätig waren.

Der Maler Johann Christian von Mannlich, von dem ebenfalls einige Bilder ausgestellt sind, war erst Hofmaler unter Christian IV., dann Generalbaudirektor unter Karl II. August von Pfalz-Zweibrücken sowie Galeriedirektor unter König Maximilian I. Joseph von Bayern. Im Homburger Schloss Karlsberg legte er unter Karl II. August, dem späteren Bayern-Regenten, eine bedeutende Gemäldesammlung an.

Vor der Zerstörung des Schlosses am 28. Juli 1793 durch französische Revolutionstruppen, sorgte Mannlich dafür, dass die Gemäldesammlung unbeschadet nach München gelangen konnte, wo sie später den Grundstock der Alten Pinakothek bildete. Die Bilder, die jetzt im Edelhaus hängen und einst aus Schloss Karlsberg stammten, hat die Bayerischen Staatsgemäldesammlung aus ihrem Bestand den Homburgern als Dauerleihgabe zurückgegeben.

 Teil zwei des Museums ist das rosafarbene Edelhaus selbst, ein herrschaftliches Anwesen, das im 18. Jahrhundert für den Oberhofjägermeister Hoffmann, der in herzoglichen Diensten stand, von dem schwedischen Architekten Jonas Erikson Sundahl (1678-1762) geplant wurde. Dazu gehört ein sehr schöner Garten, der nach dem Vorbild des Münchner Schlosses Schleissheim barockisierend angelegt wurde.

Teil drei der umfangreichen Museumsanlage ist schließlich das Freiluftmuseum mit den römischen Ausgrabungen. Es lässt zwar das Archäologenherz höher schlagen, dass bisher nur ein Teil der römisch-keltischen Etappensiedlung ausgegraben ist, aber für größere Grabungsaktionen ist kein Geld vorhanden.

Doch das Zentrum der Siedlung hat man nicht nur ausgegraben, sondern in Teilen rekonstruiert. Es besteht aus der Kneipe des Wirtes Capitolinus, dessen Namen man auf Lieferungen gefunden hat, aus dem Haus des Augenarztes Sextus Ajacius Launus, von dem noch ein Rezept mit Schöllkraut erhalten ist — und aus einem vermutlich öffentlichen Gebäude, das als „Säulenkellerhaus“ bezeichnet wird.

Nach der Brandschatzung der Alemannen stürzte es in sich zusammen und begrub unter sich nicht nur Balken und Mauern, sondern auch mehrere Statuen, die heute zu den schönsten Funden aus der Römerzeit im Saarland zählen: Die Statue des Genius Populi Romani, die Statue der Victoria, ein Dodekaeder und ein naturgetreu nachgebildetes Wildschwein, heute alle im Saarland-Museum zu sehen.

Die Statue des Genius Populi Romani sei so perfekt, dass man vermutet, sie stamme aus einer Werkstatt in Rom und bilde ein größeres Original ab, sagt Professor Klaus Kell, Spezialist der gallo-römischen Epoche, Leiter des Kulturamtes der Stadt Homburg und auch Leiter des Römermuseums.

Schwarzenacker habe zur Römerzeit keinerlei militärische, sondern nur logistische Bedeutung gehabt, erläutert er. „Es war eine wohlhabende Kleinstadt, einer der vielen Warenumschlagsorte, die man im Hinterland brauchte, um die Legionen und die größeren Städte entlang des Rheins und der Mosel zu versorgen.“ In Schwarzenacker gab es Erfrischungen, Pferdewechsel und vermutlich auch einige Übernachtungsmöglichkeiten. Viele Gebäude verfügten über Fußbodenheizung, in einer fand man gar das Skelett eines kleinen Hundes, der sich im Labyrinth der Ziegelsteine verirrt hatte und einen qualvollen Tod starb. Doch ein Museum ist nicht nur da, die Vergangenheit zu konservieren, es muss sie auch vermitteln.

Seit vielen Jahren veranstalten die Abteilung Denkmalpflege und die Stadtjugendpflege der Stadt Homburg Projekttage in Schwarzenacker, wobei während der Ferien Kinder in die römische Vergangenheit eintauchen können. Diese Projekttage, die verschiedenen Themen gewidmet sind – Handwerk, Archäologie, Essen und Trinken, Legionärs-Alltag – sind meist schnell ausgebucht. Mitmachen kann jedes Kind zwischen acht und zwölf Jahren.

Büßende Magdalena von Mannlich. Das Modell war seine Frau.
Büßende Magdalena von Mannlich. Das Modell war seine Frau. FOTO: Christine maack
Für die Rekonstruktion der Jupiter-Säule gab es Spenden.
Für die Rekonstruktion der Jupiter-Säule gab es Spenden. FOTO: Christine Maack
Der Säulenkeller war einer der ersten Orte, auf den man bei den Grabungen in den 60-er Jahren stieß. Hier fand man auch die außergewöhnlichen Statuen, die heute im Saarland-Museum ausgestellt sind.
Der Säulenkeller war einer der ersten Orte, auf den man bei den Grabungen in den 60-er Jahren stieß. Hier fand man auch die außergewöhnlichen Statuen, die heute im Saarland-Museum ausgestellt sind. FOTO: Christine Maack
Das Edelhaus aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute eine Sammlung barocker Bilder der Hofmaler der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken.
Das Edelhaus aus dem 17. Jahrhundert beherbergt heute eine Sammlung barocker Bilder der Hofmaler der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken. FOTO: Christine maack