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Viele Argumente gegen mehr Kalkabbau

 Am Kalkstein-Tagebau auf dem Hanickel bei Rubenheim scheiden sich seit Jahren schon die Geister. Foto: Joachim Schickert
Am Kalkstein-Tagebau auf dem Hanickel bei Rubenheim scheiden sich seit Jahren schon die Geister. Foto: Joachim Schickert FOTO: Joachim Schickert
Homburg. Landkreis, Biosphärenzweckverband und Zweckverband Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe lehnen die vom Unternehmen Napru geplante Erweiterung des Kalkstein-Tagebaus bei Rubenheim ab. Landrat Theophil Gallo und Umweltdezernent Gerhard Mörsch erläuterten gestern die Gründe. Carlo Schmude

Das Unternehmen Napru hatte die Erweiterung des Abbaugebietes auf dem Hanickel zwischen Rubenheim und Wolfersheim von 7 auf 27,1 Hektar im Verlauf der nächsten 16 Jahre beantragt. Insgesamt sollen rund 100 000 Kubikmeter Kalkstein pro Jahr abgebaut werden (wir berichteten). Zuständig für die Genehmigung ist das Referat Landesplanung und Bauleitplanung des Saar-Innenministeriums. Das hatte im Februar den Kreis um eine Stellungnahme im Rahmen des "Zielabweichungs- und Raumordnungsverfahrens mit Umweltverträglichkeitsprüfungen" gebeten. Interessenverbände und Privatpersonen können sich ebenfalls in diesem öffentlichen Verfahren äußern. Da Landrat Theophil Gallo auch Vorsteher des Biosphärenzweckverbandes ist und sein Umwelt-Dezernent Gerhard Mörsch auch Geschäftsführer des Zweckverbandes Saar-Blies-Gau/Auf der Lohe, bot sich die Bündelung der Argumente gegen die Erweiterung geradezu an. Gallo unterstrich allerdings gestern im Landratsamt, dass die ablehnende Haltung der Kreisverwaltung "nicht gegen das Unternehmen gerichtet ist, sondern für die Interessen der Biosphärenregion". Das Verfahren ist notwendig, weil der Landesentwicklungsplan auf der Erweiterungsfläche eigentlich ein Vorranggebiet für die Landwirtschaft und in direkter Nachbarschaft eines für Naturschutz ausweist. Beide Ziele sehen Gallo und Mörsch erheblich gefährdet. Die vom Unternehmen vorgelegten Pläne und Gutachten, auch für Grundwasserschutz, Lärmschutz und Naturschutz, seien in vielerlei Hinsicht unzureichend. Auch das Ziel, den ländlichen Raum für Naherholung und Tourismus zu entwickeln, sehen Kreis und Verbände durch den industriellen Kalkabbau in dieser Größenordnung gefährdet. Auch auf den nachvollziehbaren Protest in den Nachbardörfern Erfweiler-Ehlingen und Wolfersheim wurde hingewiesen. Teilweise waren auch Gutachten und Unterlagen der Bürgerinitiativen in die Stellungnahmen eingeflossen.

Letztendlich sprechen Gallo und Mörsch dem Kalkabbau bei Rubenheim auch die von dem Unternehmen oft propagierte Nachhaltigkeit ab. Für die Region sei der Abbau in diesen Dimensionen keineswegs notwendig. "Als Unterbau für Industriegebiete im nahen Frankreich ist unserer Bliesgau-Kalkschotter zu schade", so Mörsch. Gallo machte deutlich, dass man eine Entscheidung des Ministeriums zu Gunsten der Erweiterung auf jeden Fall juristisch prüfen wolle. Am Ende könnten also die Verwaltungerichte entscheiden.