| 22:40 Uhr

Internationale Musiker zu Gast
Beifallsstürme schon vor der Pause

Am Mittwoch eröffnete das Vogler-Quartett mit Tim Vogler (Violine), Frank Reinecke (Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Stephan Forck (Violoncello, von links) die Homburger Kammermusiktage 2018.
Am Mittwoch eröffnete das Vogler-Quartett mit Tim Vogler (Violine), Frank Reinecke (Violine), Stefan Fehlandt (Viola) und Stephan Forck (Violoncello, von links) die Homburger Kammermusiktage 2018. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Das Eröffnungskonzert der Homburger Kammermusiktage mit dem renommierten Vogler-Quartett machte Lust auf mehr. Bereits an diesem Freitag und am Wochenende stehen die nächsten Konzerte an. Von Paul Krick

Die internationalen Kammermusiktage Homburg wurden am Mitwochabend im Kulturzentrum Homburger Saalbau mit einem Konzert eröffnet, das im Motto „Vielfalt in der Einheit“ versprach und dieses Versprechen vor begeistertem Publikum auch einlöste.

„Einheitlich“ war die Beschränkung der Interpretationen nur auf Saiteninstrumente wie Violinen, Bratschen, Celli und Klavier. Die „Vielfalt“ ergab sich aus ganz unterschiedlichen Besetzungen zwischen Duo, Streichquartett und Klavierquintett, aber auch aus der bunten Mischung von Wiener Klassik, französischer Spätromantik und gemäßigter Moderne.

Vorab zeigte sich Sybille Kößler von den veranstaltenden Kammermusikfreunden Saar-Pfalz sichtlich erfreut über die vielen Gäste. Sie verwies auf einige Höhepunkte der Kammermusikwoche, stellte neben bewährten Mitarbeitern ihrer Vorstandschaft auch neue Gesichter vor und dankte neben anderen Sponsoren auch der Stadt Homburg für deren großzügige Unterstützung des Festivals.
Das Vogler-Quartett mit Tim Vogler (Primarius), Frank Reinecke, zweite Violine, Stefan Feland, Viola, und Stephan Forck, Cello, machte dem übergreifenden Festival-Motto „con spirito“ im späten Streichquartett C-Dur opus 74/1 von Joseph Haydn (1732 bis 1809) alle Ehre.



Mit viel Fantasie hatten die Veranstalter die sonst mausgrauen Stell- und Akustikwände hinter den Streichern mit großen Aufstellern in eine Opernhaus-Kulisse verwandelt. Sie schien das virtuose Spiel der vier Musiker zu beflügeln in der differenzierten Dynamik des Kopfsatzes, in der Grazie des Andantinos, im derben, fast ländlerischen Zugriff des Menuetts mit seinem höfisch-eleganten Binnenteil und in der ausgelassenen Kehraus-Musik des Finalsatzes.

Die dreisätzige Sonatine für Violine und Violoncello von Arthur Honegger (1892 bis 1955) entstand 1932 und war als Wegmarke zwischen Spätromantik und beginnender Moderne in Frankreich sicher die größte Überraschung in der Vielfalt der Werkfolge. Der griechisch-albanische Geiger Jonian Ilias Kadesha und die britische Cellistin Vashti Mimosa Hunter nahmen sich des komplex gestalteten Werkes an und ließen mit ausgefeilten Doppelgriff- und Arpeggiotechniken auf ihren acht Saiten quasi ein ganzes Streichorchester erklingen. Die stolzen Czardas-Gesten des Finalsatzes rissen dann das Homburger Publikum vor der Pause zu wahren Beifallsstürmen hin.

Nicht genug der stilistischen Vielfalt auf einheitlichen Saiten: Das Eröffnungskonzert schwang sich erneut auf im grandiosen Klavierquintett f-Moll von César Franck (1822 bis 1890). Es entstand 1878/79 und fiel beim Premierenpublikum durch. Das hatte wohl französischen Esprit erwartet, zumal Camille Saint-Saëns im Klavierpart angekündigt war, und es bekam dafür Chromatik à la Liszt und Wagner zu hören, dessen Tristan-Akkord unüberhörbar auch noch zitiert wurde. Eine skandalöse Zumutung acht Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg.
Der amerikanische Pianist Jonathan Ware und das Vogler-Quartett kümmerten sich kaum um historische Fußangeln. Sie stellten ähnlich wie auf den Stelltafeln hinter ihnen in drei Sätzen ein prächtiges Klanggebäude vor mit seinen vielen leitmotivischen Bezügen, mit architektonischer Balance zwischen zartestem Pianissimo in der Introduktion oder im Lento und gewaltigen Klangeruptionen im Finalsatz. Heute gilt das Klavierquintett als seltene Kostbarkeit aus der französischen Kammermusik-Tradition, im Saalbau wurde es enthusiastisch gefeiert.
Und so geht es bei den Kammermusiktagen weiter: Diesen Freitag, 28. September, 20 Uhr, „tristaneque-reflections in Jazz“ und Samstag, 29. September, 18 Uhr, Saalbau: Kammermusik und Liedgesang. Lieder von Benjamin Britten und Manuel de Falla erklingen am Sonntag, 30. September, 18 Uhr, im Zweibrücker Landschloss Fasanerie mit Christiane Oelze (Sopran) und Jonathan Ware (Klavier) zusammen mit Kammermusik von Paganini und Castelnuovo-Tedesco, in die der Konzertgitarrist Christopher Brand einbezogen wird.