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Hinweisschilder helfen in Erbach
Hausnummern-Verwirrung in Erbach

An Möglichkeiten, sich als Auswärtiger im Dickicht von Straßenschildern und Hausnummern zu verirren, mangelt es im Berliner Wohnpark in Erbach mitunter nicht. Die Situation ist aber anders als in Wörschweiler.
An Möglichkeiten, sich als Auswärtiger im Dickicht von Straßenschildern und Hausnummern zu verirren, mangelt es im Berliner Wohnpark in Erbach mitunter nicht. Die Situation ist aber anders als in Wörschweiler. FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. Auch im Berliner Wohnpark haben es Besucher nicht leicht, die eine bestimmte Hausnummer suchen. Anders als in Wörschweiler, wo um eine Neuordnung der Nummerierung gerungen wird, liegt es hier aber an vielen Stichstraßen. Von Ulrike Stumm

Verwirrung um Hausnummern: Das gibt es nicht nur in Wörschweiler, wo derzeit die Wogen hoch schlagen (wir berichteten mehrfach) sondern auch an anderer Stelle in Homburg. Rita Kolzau wohnt schon seit etwa 40 Jahren im Berliner Wohnpark in Erbach, und sie lebt gerne dort. Wenn allerdings jemand bei ihr vorbeischauen möchte, der sich nicht auskennt, dann muss sie ihm schon ganz genau erklären, wo er oder sie hin muss. Einfach nur die Adresse reicht nicht aus. Als Auswärtiger irrt man gerne mal im Dickicht von Straßenschildern und Hausnummern herum.  Manchmal, gerade wenn jemand zum ersten Mal kommt, stellt sich Rita Kolzau zum verabredeten Zeitpunkt an die große Straße, um denjenigen, den sie erwartet,  an die richtige Haustür zu lotsen.

Die Hausnummern und die Anordnung der Straßen sei schon eine Herausforderung für Rettungsdienst, Paketboten und eben Besucher.  Mit dem festen Postboten, der sich hier auskenne, sei es nicht so schwierig, aber die Paketdienste müssten schon viel suchen, fügt sie hinzu.

Grundsätzlich liegt das hier daran, dass viele kleineren Stichstraßen, die von der größeren Straße abzweigen, zu den Häusern führen. Diese kleinen Straßen haben denselben Namen wie die große.



Natürlich weiß man bei der Stadt Homburg um das Hausnummern-Suchspiel im Berliner Wohnpark. Gerd-Michael Juen, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes der Stadt Homburg, bestätigt: Die Situation sei bekannt, es gebe sie dort zum Teil bereits seit dem ersten Bauabschnitt – und der liege Jahrzehnte lang zurück. Dass dies „teilweise problematisch ist“, sei ebenfalls kein Geheimnis. Vergleichbar mit Wörschweiler sei das aber nicht. Auch wenn viele kleine Stichstraßen von der Hauptstraße zu den Häusern führen: An deren Beginn sei auf Schildern vermerkt, welche Hausnummern der jeweiligen Straße man dort findet.

In Wörschweiler hingegen stehe man in der Bierbacher Straße beispielsweise vor dem Haus mit der Nummer 43, danach komme direkt eine wesentlich höhere Nummer. Andere Häuser wiederum lägen sozusagen in der zweiten Reihe, da komme man so einfach überhaupt nicht hin. Der  Berliner Wohnpark sei  hingegen so konzipiert und so geplant worden, dass von der Hauptstraße diese Stichstraßen, teilweise nur Fußgängerwege, zu den Häusern führten. Aus ordnungsrechtlicher Sicht gebe es dort „nicht solche Probleme“.

Schwieriger sei hingegen die Parksituation. Die Leute stellten ihre Autos einfach auf der Straße ab, obwohl diese teilweise als Spielstraßen ausgewiesen seien und das Parken  gar nicht zulässig. Daher werde es  manchmal eng. Dennoch seien Rettungswagen und Feuerwehr bislang noch immer durchgekommen – trotz beengter Verhältnisse.

Warum aber wurde hier eigentlich so gebaut? Die Antwort darauf kennt Gerlinde Spiess, Leiterin der  Stadtplanung Homburg. Als der Wohnpark errichtet wurde, sei man davon ausgegangen, dass man eine autofreie Siedlung hinbekomme. Daher wurden an bestimmten zentralen Stellen Garagenhöfe mit mehreren Stellplätzen angelegt,  Pkws konnten hier abgestellt, aber nicht bis vor die eigene Haustür gefahren werden.

Das sei jedoch total praxisfremd, betont Spiess. Später habe man dann den Bebauungs-Plan entsprechend geändert. Und am Beispiel Steglitzer und Wilmersdorfer Straße erläutert sie: Grundsätzlich sei das gesamte Viertel einst in zwei Carrées eingeteilt worden. Pro Quadrat und damit auch für die Stichstraßen war ein Straßennamen vorgesehen: also etwa Steglitzer Straße oder eben Wilmersdorfer Straße.

Was das Ganze schließlich noch etwas komplizierter machte: Wenn   ein Architekt die Haustüre auf der anderen Seite geplant habe als zunächst an der Stelle vorgesehen,  dann konnte folgende Situation auftreten: Der Eingang lag zwar zur anderen Straße hin, die Zuordnung des Hauses galt aber für die zunächst vorgesehene Straße.

Soll denn hier noch einmal nachjustiert werden? Ändern müsse man hier nichts, betont Gerlinde Spiess. An Kreuzungen und Ecken seien Hinweisschilder angebracht worden. Auf diesen sei genau vermerkt, zu welchen Wohnadressen man über die jeweilige Stichstraße gelangt.

Anwohnerin Rita Kolzau kennt natürlich die Parkproblematik. Zu Beginn seien diese Sammelgaragen vorgesehen gewesen, heute gebe es vor dem Haus einen Stellplatz. Doch trotz allen Suchens überwiegen auch für sie die Vorteile, die so eine verkehrsberuhigte Gasse hat. Für ihre Kinder sei das wunderschön gewesen.

Und was die Besucher angeht: „Wer einmal da war, weiß es ja dann auch.“