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Gäste aus Homburg
Die weite Reise von Homburg in den Osten

 Deutsch-ukrainisch-polnische kommunale Spitze der trinationalen Partnerschaft (von links): Landrat Jan Paczek, Landrätin Halina Hychka und Landrat Theophil Gallo.
Deutsch-ukrainisch-polnische kommunale Spitze der trinationalen Partnerschaft (von links): Landrat Jan Paczek, Landrätin Halina Hychka und Landrat Theophil Gallo. FOTO: Wolodymer Babij
Homburg. Eine Delegation aus dem Saarpfalz-Kreis mit Landrat Theophil Gallo an der Spitze war vor wenigen Tagen zu Besuch in der Ukraine. Von red

Auf Einladung aus dem Partnerkreis Pustomyty in der Ukraine machten sich Landrat Theophil Gallo und weitere Kreisvertreter vor wenigen Tagen auf den Weg Richtung Osten. Es galt, den Menschen vor Ort, für die Frieden, anders als für die Länder der Europäischen Union, nichts selbstverständliches ist, weil sich das Land im Kriegszustand befindet, Verbundenheit zu zeigen, heißt es in der Pressemitteilung der Kreisverwaltung in Homburg.

Das Treffen am Wochenende unmittelbar vor dem Ukraine-Gipfel in Paris war den kommunalen Vertretern beider Partnerkreise sehr wichtig, ja sogar etwas symbolträchtig, sollte doch die deutsch-französische Vermittlung zwischen den Präsidenten Russlands und der Ukraine einen Waffenstillstand für die Ostukraine bewirken. Der seit 2014 andauernde Krieg in den ostukrainischen Regionen Luhansk und Donezk hat nach UN-Schätzung bisher rund 13 000 Menschenleben gekostet. Landrat Gallo hierzu: „Der auf Basis der Europäischen Union jahrzehntelang währende Friede in Europa und seine Fortdauer, auch in angrenzenden Gebieten, muss im Interesse unserer Kinder und Kindeskinder unser höchstes Gut, unser unbedingt anzustrebendes Ziel sein. Dieses erreichen wir nur durch konsequente Stärkung und Pflege der Völkerverständigung. Hier haben wir alle Verantwortung, auch der Saarpfalz-Kreis, einen Beitrag zu leisten, ganz nach dem Vermächtnis von Willi Graf (Jeder Einzelne trägt die ganze Verantwortung)“. Daher setze sich der Saarpfalz-Kreis für eine verstärkte Europa- und Partnerschaftsarbeit ein und sehe diesen Beitrag in den länderübergreifenden Partnerschaften und der wirkungsvollen Vernetzung auf kommunaler Ebene innerhalb des Kompetenzbereiches.

Gelegenheit zum Austausch auf Kreisebene gab der Tag der Selbstverwaltung in Pustomyty, der gemeinsam mit weiteren kommunalen Vertretern aus dem polnischen Landkreis Przemysl und der Stadt Lublin begangen wurde. An der fast dreistündigen feierlichen Sitzung des Bezirksrats (ein mit dem deutschen Kreistag vergleichbares Gremium) nahmen auch Vertreter der Oblast Lemberg (eine mit deutschen Bundesländern vergleichbare Verwaltungsebene) und des ukrainischen Parlaments teil.



Auf dem weiteren Programm stand der Besuch der allgemeinbildenden Schule in Nawarija. Sowohl diese Schule als auch andere weiterführende Schulen der Lemberger Region haben großes Interesse, mit Schulen aus dem Saarpfalz-Kreis Partnerschaften zu schließen. In einem längeren Arbeitstreffen wurden konkrete Ansatzpunkte der Zusammenarbeit in den Bereichen Geschichte, Bildung, Tourismus, Agrarwirtschaft, Schüleraustausche, Gesundheitsvorsorge und Wirtschaftsentwicklung diskutiert. Bis Ende Januar wird bei der Stiftung des ukrainischen Staates „Ukrainskij Kulturnyj Fonds“ ein erstes Kooperationsprojekt zwischen den beiden archäologischen Parks, dem „Alten Zvenyhorod“ im Rayon Pustomyty und dem saarpfälzischen „Europäischen Kulturpark Bliesbruck-Reinheim“ mit dem Ziel der Förderung vorgelegt.

Es gibt ein großes Potenzial für die künftige Zusammenarbeit. Der Besuch des Erholungskomplexes „Buchta Wikinhiw“ zeigte, dass es in der Ukraine weitere lohnenswerte Reiseziele für Einwohner des Saarpfalz-Kreises gibt. Konkret wurde auch besprochen, dass die Partnerregionen sich gegenseitig auf Veranstaltungen präsentieren sollen. Ebenso war eine Ferienfreizeit für Kinder aus sozial schwachen Familien, wo der Vater im Krieg gefallen war, Gesprächsthema. Auf dieses und viele andere Projekte, die den Menschen des Saarpfalz-Kreises und des Rayons Pustomyty zugutekommen sollen, freut sich Landrat Dr. Gallo. Denn: „die Kommunen, die international denken, sind attraktiv für ihre Bürger, auch insofern birgt der internationale Austausch die Chance für ein besseres und auch für ein stärkeres Engagement im Lokalen“ so der saarpfälzische Landrat.