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Folgen des „Shopping Duells“
Händler bedauern geplantes Verbot

 Einmal und nie wieder: Dass der Saar-Landtag die Möglichkeit gleich wieder einkassieren will, dass Homburg an Mariä Himmelfahrt dem Saarländertag in Zweibrücken Konkurrenz macht, nimmt die Homburger Gewerbevereinschefin mit Bedauern hin. Sie hätte sich gewünscht, dass die Landespolitik erst mit ihr spricht oder Alternativen vorschlägt. 
Einmal und nie wieder: Dass der Saar-Landtag die Möglichkeit gleich wieder einkassieren will, dass Homburg an Mariä Himmelfahrt dem Saarländertag in Zweibrücken Konkurrenz macht, nimmt die Homburger Gewerbevereinschefin mit Bedauern hin. Sie hätte sich gewünscht, dass die Landespolitik erst mit ihr spricht oder Alternativen vorschlägt.  FOTO: dpa / Martin Gerten
Homburg/Zweibrücken. Gewerbevereinschefin Annette Germann findet es „schade“, dass der Saar-Landtag es verhindern will, dass die Geschäfte an Feiertagen erneut öffnen. Die Homburger Verwaltung wünscht sich indes von den Händlern einheitliche Öffnungszeiten. Von Eric Kolling

Es hat nicht lange gedauert, ehe der saarländische Landtag die Notbremse gezogen hat: Nur eine Woche nach Mariä Himmelfahrt und dem ersten verkaufsoffenen Feiertag in Homburg kam die Initiative, solche Aktionen künftig zu verbieten. Am 28. August debattierte  der saarländische Landtag auf SPD- und CDU-Antrag über das Thema, um „eine Änderung der gesetzlichen Grundlage […] anzustreben, durch die die Feiertage generell von der Ladenöffnungsmöglichkeit ausgeschlossen werden. Die Koalitionsfraktionen werden in diesem Jahr noch einen Gesetzesentwurf einbringen und das Ladenöffnungsgesetz dementsprechend ändern“, hatte es im Antragstext geheißen. So wollen die Regierungsparteien die Hintertür schließen, wonach im Saarland an Feiertagen die Geschäfte bisher öffnen dürfen. Im einstimmig befürworteten Antragstext heißt es sogar, bereits genehmigte Ausnahmen verkaufsoffener Sonntage zurückzunehmen. Höchstens vier verkaufsoffene Sonntage sollen dem Beschluss nach erhalten bleiben. Für den Antrag hatten CDU und SPD gestimmt, die Abgeordneten von Linke und AfD hatten sich enthalten, die fraktionslose Dagmar Lensch-Engel war nicht anwesend. Bis zum Saarländertag (siehe Info) am 15. August 2020 würde das neue Gesetz also in Kraft sein, zwischenzeitlich genehmigte Feiertage würden gestrichen.

Die Initiative für die Änderung kam aus Reihen der SPD und wurde vom Gersheimer SPD-Landtagsfraktionschef Stefan Pauluhn angekündigt. Aus seiner Aussage, es müsse verhindert werden, dass andere Städte dem Homburger Beispiel folgen, lässt sich ein gewisser Unmut gegen die Aktion ablesen. Diesen hatte es vorab von Seiten der katholischen Kirche gegeben (wir berichteten). Das Bistum Speyer hatte die Wichtigkeit des Feiertags betont und das Vorhaben kritisch kommentiert: „Das Fest heißt ‚Mariä Himmelfahrt‘, nicht ‚Saarländers Einkauffahrt‘.“

Ob es das am Ende überhaupt war, bleibt fraglich. Initiatorin Anette Germann, die Vorsitzende des Gewerbevereins Homburg, berichtet jedenfalls davon, dass „ganz viele Besucher aus dem Umland“ gekommen seien. „Neukunden“, die man gewonnen habe. Diese brächten immer wieder andere Leute mit. „Wir haben unser Ziel also erreicht“, findet Germann. Das sei die Rückmeldung von den Händlern, mit denen sie gesprochen habe. Ein kleineres Geschäft, dessen Namen sie nicht nennt, habe etwa zehn Neukunden durch den Feiertag gewonnen. „Das ist für uns zusätzlicher Umsatz, denn die kommen immer wieder“, sagt Germann, die im Vorfeld davon gesprochen hatte, „ein Stück vom Kuchen abbekommen zu wollen“. Rund 50 Geschäfte hatten sich an der Aktion beteiligt. Man habe gesehen, „dass die Stadt richtig voll war“. Besonders toll seien die Attraktionen wie Straßenmusiker, Rahmenprogramm oder Kids-Fun-Arena gewesen.



Dass die Saar-Politik den Homburger Händlern einen Strich durch ihre neuen Pläne machte, findet sie bedauerlich: „Es ist schade, dass, ohne dass die Politik mit uns gesprochen hat, sie diese Gesetzeslücke direkt schließen möchte. Es fragt keiner, wie es dem Handel geht, wie es weitergeht. Auch wurde uns kein Alternativvorschlag angeboten.“ Ob die Homburger Händlerschaft sich eine solche überlegt, wird wohl bald Thema werden. „Wir werden eine Versammlung mit den Händlern einberufen und besprechen, wie wir weiter vorgehen.“

In der Stadt Zweibrücken atmet man offenkundig keineswegs tief durch ob der Einstellung des Saar-Landtags. Wie schon vor Mariä Himmelfahrt zeigt man sich auch im Anschluss gelassen.  Citymanagerin Petra Stricker erklärt: „Wir haben dieses Jahr keine Veränderungen gemerkt, es war kein großer Unterschied zu sonst. Wir hatten ein sehr umfangreiches Programm und die meisten Gäste aus dem Saarland und Frankreich, weniger aus Zweibrücken.“ Das Fazit der Rosenstadt-Händler: Der Umsatz war ordentlich, der Saarländertag wieder gut besucht. Als „Shopping-Duell“ habe man den Tag nicht erlebt, „jede Stadt hat ihre eigenen Vorzüge und Nachteile, wir stehen in einem klassischen Wettbewerb, aber duellieren brauchen wir uns nicht“.

Die Stadt Homburg, die den verkaufsoffenen Feiertag genehmigt hatte, kommentiert die Gesetzesänderung neutral. Es sei gut, dass es eine klare Reglung als Orientierung gebe. Und: „Wenn sich die Rechtslage […] ändert, dann ist dies so“, schreibt Sprecher Jürgen Kruthoff. Man habe „den Gewerbeverein mit seiner Initiative für den verkaufsoffenen Feiertag unterstützt, weil es auch im Sinne der Stadt ist, dass sich Homburg auch als Einkaufsstadt attraktiv präsentiert“. Hier unterstütze man „die Gewerbetreibenden über unser Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung im Rahmen unserer Möglichkeiten“.  Und hier wäre es aus Sicht der Verwaltung „erfreulich, wenn sich die Gewerbetreibenden noch intensiver an den Initiativen des Stadtmarketings, die in der Regel für die Kaufmannschaft kostenlos ist, beteiligen würde“. Ein Beispiel seien hier einheitlichere Öffnungszeiten.