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Verein bemängelt Zustände im Lagerhaus
Sozialkaufhaus droht die Schließung

Erbach. Erst vor knapp einem Jahr ist die Erbacher Filiale des Sozialkaufhauses eröffnet worden. Nun hat der Betreiber-Verein angekündigt, dass hier zum 31. März schon wieder Schluss sein könnte. Von Thorsten Wolf

Am 7. Januar hat Walter Meyer, der Vorstand des gemeinnützigen Vereins „Leuchtender Stern“ einen Brief an Homburgs Bürgermeister Michael Forster verfasst. Und der dürfte dem kommissarischen Verwaltungschef wahrscheinlich nicht wirklich gefallen haben. Denn in diesem Schreiben kündigt Meyer die Schließung des Erbacher Sozialkaufhauses zum 31. März 2020 an. Zum Hintergrund: Seit vielen Jahren betreibt der Verein mit Erfolg ein solches Sozialkaufhaus, das „Besondere Kaufhaus“ im Kirkeler Ortsteil Limbach. Im Mai des vergangenen Jahres kam besagte Dependance in Erbach hinzu. Die wurde damals mit viel Prominenz an der Lappentascher Straße, unter anderen mit Saar-Ministerpräsident Tobias Hans, eröffnet – nun scheint das schnelle Ende zu kommen.

Meyer verbindet die Schließungsankündigung mit deutlicher Kritik an der Stadt und in deren Richtung. „Ursächlich dazu ist das fehlende Möbelangebot wegen der vernichtenden Lagerzustände in Ihrem Gebäude der ehemaligen Videothek in Homburg, Entenmühlstraße“, heißt es da. Meyers kurze Formel: „Keine Möbel“ bedeutet „keine Einnahmen“ in Erbach.

 In diesem Räumen ist seit vergangenem Mai das Sozialkaufhaus in Erbach zu finden. Nun könnte es schon wieder geschlossen werden.
In diesem Räumen ist seit vergangenem Mai das Sozialkaufhaus in Erbach zu finden. Nun könnte es schon wieder geschlossen werden. FOTO: Walter Meyer


Nun ist diese Geschichte, wie Meyer im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzte, keine kurze. Tatsächlich sei schon vor langer Zeit ein Fenster des Lagers durch Vandalismus zerstört worden. Diesen Schaden habe man der Stadt als Eigentümerin des Gebäudes auch mitgeteilt, getan habe sich aber nichts. Im besagten Brief schildert Meyer dem Empfänger Forster auch einiges von dem Schriftwechsel, den es da, beginnend im November 2018, zwischen ihm und der Stadtverwaltung gegeben habe. Mehrmals habe Meyer, so beschreibt er die Situation der vergangenen Monate, in dieser Angelegenheit auch Antwort von der Stadt erhalten, zuletzt vom Büroleiter Forsters. Dem hatte Meyer geschrieben: „Einige Möbel sind bereits nicht mehr verwendbar und müssen auf die Verbrennungsanlage. Ich vermute, dass Ihre Bestrebungen auch im Hinblick auf die Reparatur der Außenfassade der ehemaligen Videothek in Ihrer Verwaltung ‚intern unterlaufen‘ werden. Diesbezügliche Bestrebungen – falls sie vorhanden sind – werden zum Erfolg führen, da wir das Lager aufgrund der wirtschaftlichen Gefahrensituation aufgeben müssen.“

Passiert sei aber bei allem nichts. Meyer: „Es ist bedauerlich, dass die Stadtverwaltung Homburg das Engagement der vielen ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter in Kaufhaus und Vorstand des Leuchtenden Stern zugunsten der Bedürftigen im Saarpfalz-Kreis so wenig unterstützt und wir durch das unterbliebene Handeln gehalten sind, die von Ministerpräsident Tobias Hans eingeweihte Kaufhausfiliale in Erbach wieder zu schließen“, so der Vereinsvorsitzende im Brief an Michael Forster.

Und weiter: „Wenn man uns wenigstens mitgeteilt hätte, dass die Stadt in unserem Anliegen nichts unternehmen wird, dann hätten wir uns rechtzeitig um eine alternative Lagerfläche bemühen können. Aber so hat man uns immer wieder hingehalten und in der Hoffnung gelassen, dass uns geholfen werde.“ Bei der Stadt mochte man am Montag zu den vorgebrachten Vorwürfen kurzfristig keine Stellungnahme abgeben und verwies auf eine Prüfung des gesamten Vorgangs im Verlauf dieser Woche.

Nicht warten will allerdings die Linke. Wie die anderen Fraktionen im Homburger Stadtrat, hat man auch dort den Brief Meyers erhalten. Und nun reagiert man. So bestätigte Fraktionssprecherin Barbara Spaniol auf Anfrage unserer Zeitung, dass man einen entsprechenden Unterrichtungs-Antrag in die nächste Ratssitzung eingebracht habe. Dann soll die Stadt darüber informieren, wie genau sich die ganze Geschichte verhält und wie es mit dem Sozialkaufhaus in Erbach weitergehen soll und kann.

Denn für Spaniol ist klar, und das hatte sie schon beim Neujahrsempfang ihrer Partei in der vergangenen Woche deutlich gemacht: Eine so wichtige Einrichtung wie das Sozialkaufhaus in Erbach dürfe nicht einfach geschlossen werden.

 Eigentlich scheint der Schaden am Fenster des Lagers des Sozialkaufhauses am Musikpark nicht wirklich groß, doch hat die Stadt es bislang versäumt, dort eine aus Sicht des Vereins taugliche Reparatur durchzuführen.
Eigentlich scheint der Schaden am Fenster des Lagers des Sozialkaufhauses am Musikpark nicht wirklich groß, doch hat die Stadt es bislang versäumt, dort eine aus Sicht des Vereins taugliche Reparatur durchzuführen. FOTO: Thorsten Wolf