| 22:30 Uhr

Universitätsklinikum
Teuerste Baustelle des Landes ist fertig

Das Mosaik von Willi Spiess ist in gewisser Weise das Wahrzeichen des Hörsaalbereichs der I-Med 2 geworden. Hier mit dem kaufmännischen Direktor Ulrich Kerle und seiner Referentin Sarah Kübler.
Das Mosaik von Willi Spiess ist in gewisser Weise das Wahrzeichen des Hörsaalbereichs der I-Med 2 geworden. Hier mit dem kaufmännischen Direktor Ulrich Kerle und seiner Referentin Sarah Kübler. FOTO: Christine Maack
Homburg. Der zweite Bauabschnitt des Großprojektes „Innere Medizin“, genannt I-Med, am Universitätsklinikum ist beendet. In die neuen Räumlichkeiten werden drei Kliniken einziehen: die Magen/Darm-, die Lungen- und die Nierenklinik. Von Christine Maack

Alles ist nagelneu – die Fußböden, die Türen, die Geräte. Und alle sind froh, dass es so ist: „Wir sind in unserer Abteilung etwas aufgeregt, aber wir freuen uns“, sagt Christian Boger. Er wird künftig in modernsten Endoskopie-Räumen arbeiten, „das ist ein ganz anderes Gefühl. Eine tolle Arbeitsatmosphäre“, fügt Kollegin Roswitha Szabo hinzu. Sie wird ab Montag in dem großen, hellen Überwachungsraum für ihre Patienten da sein.

Am Montag ist der große Tag, an dem morgens um 5.30 Uhr mit dem Umzug begonnen wird. Denn der zweite Bauabschnitt des Großprojektes „Innere Medizin“, genannt I-Med, am Universitätsklinikum des Saarlandes, ist fertig. In die neuen Räumlichkeiten werden drei Kliniken einziehen: Die Innere Medizin 2 (Gastroenterologie, Hepatologie, Endokrinologie), die Innere Medizin 4 (Nieren- und Hochdruckkrankheiten) sowie die Innere Medizin 5 (Pneumologie, Allergologie, Beatmungs- und Umweltmedizin). Ab kommendem Mittwoch soll dann die neue Notaufnahme in der I-Med ihren Betrieb aufnehmen. Und der versprochene große Hörsaal für die Studenten öffnet ebenfalls am Mittwoch.

Am Freitag herrschte noch Ruhe vor dem Sturm: „Wir haben erst mal alle brav angestanden, um unsere Schlüssel in Empfang zu nehmen“, erzählt Professor Urban Sester lachend: „Tja, und dann stellst du fest: deiner passt gar nicht“. Alles kein Problem, „das krinn mir hien“, sagt Michael Fuchs von der Pflegedienstleitung.



Es ist der am häufigsten gehörte Satz vor dem Umzug: Computer stehen auf den Spülbecken herum? Die müssen da schnellstens weg, „das krinn mir hien“, ein Stapel nagelneuer Patientenliegen steht im Weg und muss verteilt werden, „das krinn mir hien“. Und mitten drin als ruhender Pol Ulrich Kerle, der kaufmännische Direktor des Uniklinikums, von dem die Belastung abfällt, „das Mammutprojekt ist damit beendet. Wir sind sowohl in der Zeit als auch im Budget geblieben. Das soll uns erst mal einer nachmachen.“

Homburg habe nun „das modernste Klinikum im Südwesten. Und einen hervorragend ausgestatteten Forschungsbereich“. Die Architektur des Gebäudes biete eine perfekte Verzahnung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung, denn diese drei Säulen der Medizin sind zwar räumlich getrennt, aber dennoch unter einem Dach untergebracht. Es gibt abgetrennte Bereiche, aber auch solche, an denen sich Ärzte, Patienten, Doktoranden und Studenten begegnen.

An modernste Behandlungsräume schließen sich Labore an, dahinter Büros von Nachwuchswissenschaftlern und Seminarräume, in denen Professoren mal schnell und unkompliziert eine Sitzung einberufen können. Für die Studenten gibt es zwei moderne Hörsäle, die jeweils 170 Personen fassen können, direkt nebeneinander liegen und einen eigenen Eingang haben. Was viele Studenten „von auswärts“ nicht wissen können: Im Vorraum zu den Hörsälen hängt ein echtes Homburger Symbol – das wandfüllende Mosaik des Künstlers Willi Spiess, das vorher jahrzehntelang das Homburger Hallenbad geziert hat. „Da sind wir richtig stolz drauf“, freut sich Ulrich Kerle, „das sieht hier perfekt aus.“

Der Haupteingang der I-Med bleibt derjenige, der bereits in Betrieb ist, die internistische und chirurgische Notaufnahme für Patienten ist jedoch auf die Rückseite des Gebäudes verlagert worden. Sechs Rettungswagen gleichzeitig können im Notfall in die riesige Garage hineinfahren. Von dort geht es sofort weiter in die Schock- und Behandlungsräume, Zeitverluste gibt es keine. Das gilt auch für die über Hubschrauber angelieferten Patienten, die mit einem eigenen Aufzug ebenfalls sofort in den Schockraum gebracht werden.

Unterhalb der Notaufnahme schlägt schließlich das logistische Herz der gesamten I-Med. Im Kellergeschoss können sechs große Lkw gleichzeitig entladen werden, sogar 16-Tonner können hineinfahren. Sie bringen Material, Essen und Wäsche. Es sind Mengen, die sich kein Privathaushalt vorstellen kann. Ulrich Kerle findet ein Großklinikum faszinierend: „Doch jetzt, da alles fertig ist, ist es fast schon wieder langweilig.“