| 21:19 Uhr

Römer in Schwarzenacker
Übers Wochenende mal ein Römer sein

Die Legionäre Johannes Feldmann (links) und Michael Höller (rechts) von den „Raetiki Romani“ ließen „Falschmünzer“ Thomas Kreckel beim Tag der offenen Tür im Römermuseum Schwarzenacker publikumswirksam keine Chance.
Die Legionäre Johannes Feldmann (links) und Michael Höller (rechts) von den „Raetiki Romani“ ließen „Falschmünzer“ Thomas Kreckel beim Tag der offenen Tür im Römermuseum Schwarzenacker publikumswirksam keine Chance. FOTO: Thorsten Wolf
Schwarzenacker. Zwei Tage der offenen Tür im Römermuseum in Schwarzenacker sorgten dafür, dass die Besucher mal wieder einen Blick zurück in die gallo-römische Geschichte Homburgs werfen konnten. Immer wieder ein tolles Erlebnis.

Es ist kurz vor 14 Uhr, es ist Samstag, und es ist Tag der offenen Tür im Römermuseum in Schwarzenacker. Genauer gesagt: Es ist der erste von zwei Tagen, an dem die Freiluft-Anlage einen Blick zurück in die gallo-römische Geschichte Homburgs gewährt.

Ein ganzes Wochenende lang kann man nach Herzenslust in der Vergangenheit stöbern. Doch geht es natürlich nicht darum, einfach das anzuschauen, was man sich für den einen oder anderen Euro eh schon das ganz Jahr über betrachten kann. Vielmehr gibt es Geschichte zum Anfassen und Erleben.

Und schon zu diesem frühen Zeitpunkt am ersten Tag nutzen nicht wenige die Möglichkeit, die unterschiedlichen Darsteller aus der Zeit der Römer eingehend zu bestaunen. Es gibt natürlich Legionäre, aber auch römische „Verwaltungsansgestellte“, einen Münzer oder eine Ärztin, die in Wort und Tat und mit großen historischen Kenntnissen die Geschichte vermitteln. Mitten drin: Sabine Emser, die mit Nadel, Faden und jeder Menge Herzblut das Römermuseum zusammenhält und auch für die Organisation der beiden Tage der offenen Tür verantwortlich zeichnet.



Für ein paar Minuten hat sie sich am frühen Samstag auf eine Bank in den Schatten zurückgezogen, nicht ohne Grund: Emser hat Besuch. Ihre ehemalige Praktikanntin Jennifer Schnell ist auf einen Sprung vorbeigekommen. Ihre Freundin Celine Koch hat sie gleich mitgebracht. Vor zwei Jahren hatte Schnell als Teil ihres Studiums „Angewandet Kulturwissenschaften“ Sabine Emser bei deren Arbeit unterstützt, „im vergangenen Jahr hab ich dann nochmal beim Tag der offenen Tür geholfen“. In diesem Jahr ist sie „nur“ zu Besuch in Schwarzenacker.

Dass Jennifer einen so guten Draht nach Schwarzenacker und zu Sabine Emser hat, das hat einen Grund. Und der liegt in den Erfahrungen ihres Praktikums begründet. „Das war ein so warmes, ein so familiäres Verhältnis, das hat richtig Spaß gemacht!“ Gefragt, was für sie, mit ihrem wissenschftlichen Hintergrund, das Römermuseum ausmache, rückt Jennifer Schnell vor allem die Anmutung der Anlage in den Vordergrund. „Für Menschen, die das nicht studiert haben und die nicht täglich mit diesem Thema arbeiten, ist der Aufbau des Museum so besonders. Man sieht was, man kann was anfassen, man kommt damit in Berührung – anders als in anderen Museen, wo oft alles so trocken vermittelt wird.“

Doch nichts ist so gut, dass es nicht noch zu verbessern wäre. Hier empfehlen Jennifer Schnell und Celine Koch im lockeren Gespräch durchaus auch eine verstärkte Präsenz in den modernen, digitalen Medien. „Da sollte man mehr Werbung machen“, ist sich Celine sicher. Sollte, könnte, müsste – das sind Begriffe, die man für den Betrieb des Römermuseums immer wieder gerne verwenden kann. Doch finanziell ist das Haus nicht üppig ausgestattet, ein bisschen mehr hauptamtliches Personal als Unterstützung für Sabine Emser wäre mit Sicherheit nicht fehlinvestiert.

Doch trotz des Mangels: Was das Team aus wenigen Hauptamtlichen und vielen, vielen engagierten Helfern übers Jahr hinweg und auch am Tag der offenen Tür leistet, ist mehr als beachtlich. Und was gerade am vergangenen Wochenende zu sehen ist, das ist Geschichte zum Anfassen.

Und es sind Geschichten zum Anfassen, erzählt auch von „Raetiki Romani“, einem Verein für römische Geschichtsdarstellung. Sie stellen am vergangenen Wochenende die Einweihung eines Tempels, römische Damenmode und eine römische Hochzeit dar. Aber nicht nur das: Auch die „Verhaftung und Aburteilung“ eines Falschmünzers durch eine Tribun wird gezeigt – und das, wie alle anderen Darstellungen und Vorführungen des Vereins, auf Basis historisch belegter Fakten. Und so erleben die Gäste des Römermuseums an diesem Tag, wie man Geschichte auf interessante und unterhaltsame Art und Weise erleben kann.

Nicht weit vom Lager der „Raetiki Romani“ hat auch Anette Argo ihr Zelt aufgeschlagen, im richtigen Leben Internistin und Notfallmedizinerin in Diensten der Deutschen Rentenversicherung. In ihrem „anderen Leben“ präsentiert sie am vergangenen Wochenende die Medizin der Römerzeit, mit vielen Nachbildungen historischer Instrumente. Auch wenn vor mehr als 2000 Jahren die wissenschaftliche Begründung für das ärztliche Tun noch fehlte, so wusste man sich schon damals aduruach zu helfen, zum Beispiel beim Grauen Star.