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Angebot für alleinstehende Senioren
Besuche gegen die Einsamkeit

 Marion Haas vom Seniorenbüro (links) und die Ehrenamtliche Stefanie Bögner-Folz stellen beim Redaktionsbesuch den Seniorenbesuchsdienst „Türen öffnen“ vor.
Marion Haas vom Seniorenbüro (links) und die Ehrenamtliche Stefanie Bögner-Folz stellen beim Redaktionsbesuch den Seniorenbesuchsdienst „Türen öffnen“ vor. FOTO: Eric Kolling
Homburg. Das Angebot „Türen öffnen“ des Saarpfalz-Kreises vermittelt Ehrenamtliche zu alleinstehenden Senioren, die mit ihnen gemeinsam Zeit verbringen und sie unterstützen. Weitere Helfer werden dringend gesucht. Von Eric Kolling

 Im Alter niemand mehr zu haben, mit dem man reden, lachen, etwas unternehmen kann. Es ist etwas, vor dem sich viele Menschen fürchten. Und doch auch etwas, das mit dem Wegziehen der Kinder, dem Sterben des Ehepartners und der Freunde schnell traurige Wirklichkeit werden kann.

Hier setzt der Seniorenbesuchsdienst „Türen öffnen“ des Seniorenbüros und des Pflegestützpunktes im Saarpfalz-Kreis an: Ehrenamtliche werden in der Regel einmal pro Woche quasi zu Besuchspaten von alleinstehenden Senioren, die etwa wegen Erkrankungen immobil werden, das Haus selten verlassen, soziale Kontakte verlieren und beginnen, sich nicht mehr gebraucht zu fühlen. Die Helfer unterhalten sich mit ihnen, helfen beim Einkauf, gehen mit ihnen spazieren, spielen Gesellschaftsspiele oder fahren auch mal mit ihnen ins Theater oder zum Tierarzt. Ganz so, wie beide es mögen. Drohende Isolation soll so verhindert werden.

Das Angebot gab es ab 2003 schon einmal im Kreis, es schlummerte aus personellen Gründen aber irgendwann ein und wurde wiederbelebt, nachdem Marion Haas bei der Behörde anfing. Die vormalige Krankenschwester arbeitete zunächst ab 2017 im Pflegestützpunkt, schraubte dort schließlich herunter und übernahm 2018 beim Kreis-Seniorenbüro das Besuchsdienst-Projekt.



Der Kontakt kommt oft eben über den Pflegestützpunkt zustande, wie Haas erklärt. Sie besuche die Leute von Amts wegen: „Je häufiger man dort ist, desto eher merkt an, wenn die Leute einsam sind. Manchmal rufen aber auch Senioren oder deren Angehörige wegen des Besuchsdienstes an.“ Beim ersten Kontakt zwischen Senioren und „ihren“ ehrenamtlichen Besuchern ist sie stets dabei und fungiert später etwa auch als Ansprechpartnerin in versicherungsrechtlichen Angelegenheiten. Seniorinnen wollten eher von Frauen besucht werden, Senioren von Männern, nennt Haas eine leichte Tendenz. „Männer reden gerne über handwerkliche Dinge und Berufe.“

Die Besucher stellten auch Veränderungen fest und gäben das an den Stützpunkt weiter. Dieser könne dann etwa Essen auf Rädern organisieren, wenn man merke, dass die Senioren – etwa in Folge einer Demenz oder weil es schlicht zu anstrengend wird - nicht mehr kochen und an Gewicht verlieren. „Das kriegt man sonst schwer mit“, sagt Haas. Hilfe könne so früher vermittelt werden.

Seit dem Neustart 2018 mit dabei ist Stefanie Bögner-Folz aus Ein-
öd. Dazu kam sie über einen Text im Pfälzischen Merkur. „Zeit schenken, das ist heute das Wertvollste“, findet sie. Die Tätigkeit helfe ihr auch, den Alltag als Ruheständlerin zu strukturieren. Die frühere Krankenschwester, die einmal die Woche ihre 93-jährige Mutter in Baden-Württemberg besucht, betreut sogar zwei Seniorinnen. Die eine sei auch über 90. Besuchsabsprachen seien hier herausfordernd. Diese höre das Telefon nicht immer. Auch wenn Bögner-Folz an der Haustür klingele, werde das manchmal nicht wahrgenommen. Besuche seien hier eher sporadisch. Daher besuche sie – regelmäßig – noch eine zweite Dame.

Für eine dritte wäre aber zu wenig Zeit, sagt Bögner-Folz, die ihre Motivation so beschreibt: „Es ist eine bereichernde Arbeit, weil man viel rauszieht durch den Kontakt, die Dankbarkeit, die man erhält.“  Und die gewonnene Lebenserfahrung. Spannend in den Gesprächen sei es, Gemeinsamkeiten zu finden, etwa Krankheiten wie Migräne. „Welche Schmerzen man da hat, versteht jemand nicht, der das nie hatte.“ Oder aber, wie sich Rolle und Selbstverständnis der Frau über die Jahrzehnte geändert hätten. Für die Seniorinnen sei es selbstverständlich gewesen, immer zurückzustehen. Hauptsache, der Familie sei es gut gegangen. „Sie können erstmal schwer einen Besuchsdienst akzeptieren, der nichts kostet. Sie waren über Generationen nicht gewohnt, dass sich jemand um sie kümmert.“ Daher habe die zweite Seniorin versucht, sie zu bespaßen. Bögner-Folz lachend: „Es soll ja gerade umgekehrt sein.“

Wichtig sei das gegenseitige Vertrauen und für die Senioren, dass der Kontakt von Amtswegen hergestellt wird. Sie habe auch schon erlebt, dass auch deren Bekannte den Senioren ihre Dienste anbieten – dann aber fürs Einkaufen nebst verstauen von Waren in der Küche 50 Euro „Lohn“ verlangten. „Das ist totale Ausbeutung“, beklagt sie.

24 Ehrenamtliche aus Homburg, Bexbach und St. Ingbert haben sich beim Saarpfalz-Kreis gemeldet. Für fünf müsse man noch einen passenden Senior finden, die Chemie müsse stimmen, betont Haas. Auf der anderen Seite könne man Anfragen aus dem Mandelbachtal derzeit nicht bedienen, weil es dort an Freiwilligen mangele. Meistens handelt es sich bei den Ehrenamtlichen um Personen im frühen Rentenalter um die Mitte 50, es seien aber auch Medizinstudenten Anfang 20 darunter.

Wer Interesse hat, sich als Ehrenamtlicher beim Besuchsdienst einzubringen oder als Senior gerne auf den Dienst zurückgreifen möchte, kann sich melden bei Marion Haas, Tel. (0 68 41) 104 84 79, E-Mail. marion.haas@saarpfalz-kreis.de. Gesucht werden aktuell vor allem Ehrenamtliche aus dem Mandelbachtal.

 Im Alter werden die sozialen Kontakte oft weniger, man kommt nicht mehr so oft vor die Tür, Isolation droht. Der Seniorenbesuchsdienst „Türen öffnen“ des Saarpfalz-Kreises wirkt hier entgegen. 
Im Alter werden die sozialen Kontakte oft weniger, man kommt nicht mehr so oft vor die Tür, Isolation droht. Der Seniorenbesuchsdienst „Türen öffnen“ des Saarpfalz-Kreises wirkt hier entgegen.  FOTO: picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst