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Lesung
Hier gab’s Literatur zum Anfassen

Gute Stimmung im Schulhof des Saarpfalz-Gymnasiums: Buchautor Torsten Markwirth (Mitte) und Referendarin Sabrina Huwig (links daneben), umgeben von den Schülern des E-Kurses Deutsch 11, in der Pause ihres Literaturgesprächs.
Gute Stimmung im Schulhof des Saarpfalz-Gymnasiums: Buchautor Torsten Markwirth (Mitte) und Referendarin Sabrina Huwig (links daneben), umgeben von den Schülern des E-Kurses Deutsch 11, in der Pause ihres Literaturgesprächs. FOTO: Eberhard Jung
Homburg. Kardiologe und Buchautor Torsten Markwirth war zu Gast bei einem Literaturgespräch im Saarpfalz-Gymnasium. Von red

Im Vorfeld der HomBuch 2018 kam – wie in den Jahren zuvor – einer der Autoren der Buchmesse zu einem Literaturgespräch in einen Oberstufenkurs des Deutschlehrers Eberhard Jung. In diesem Jahr war das Torsten Markwirth, der dort erstmals öffentlich seinen neuen (fünften) Roman „Altenheim“ präsentierte. Der in Homburg-Schwarzenbach lebende und in Pirmasens arbeitende Internist und Kardiologe erreichte bereits mit seinem Erstlingswerk „Unsortiert“ einen großen Erfolg. Es handelt von einem Menschen, dessen Leben wegen seines Kontrollzwanges völlig aus den Fugen gerät.

Es folgten die Romane „Alkohol“ über einen süchtigen Arzt, der zum Mörder wird, „Fett“ zum Thema extreme Adipositas (Fettleibigkeit), „Obdachlos“ und nun „Altenheim“.

Markwirth ist in dem Homburger Gymnasium kein Unbekannter. Er war seit 2012 regelmäßig bei HomBuch-Lesungen dabei und seine beiden Kinder haben im Saarpfalz-Gymnasium vor zwei Jahren das Abitur absolviert.



Er gab als Gast im Deutschkurs zunächst einen fundierten Einblick in sein literarisches Schaffen. Die Jugendlichen stellten Fragen über Fragen, so dass der 90-minütige Besuch wie im Flug verging. Besonders mitreißend war die Auseinandersetzung mit dem Thema Alkoholismus unter Ärzten. „Ärzte haben ein höheres Suchtpotential und eine größere Suizidrate“, wusste Markwirth zu berichten. Sie seien einem permanenten Zeit- und Leistungsdruck ausgesetzt und versuchten oft vergeblich, sich selbst zu heilen. „Der Trinker“ von Hans Fallada ist seiner Meinung nach „das beste Buch über Alkohol“.

Dass Markwirth sehr belesen ist, bewies er mit vielen Hinweisen auf die Koryphäen der Literaturgeschichte: Friedrich Schiller, ebenfalls Arzt und Autor, Alfred Döblin, der während des Ersten Weltkrieges als Militärarzt in einem Seuchenlazarett in Saargemünd diente, Friedrich Dürrenmatt, Marcel Reich-Ranicki (Literaturkritiker) und seine literarischen Vorbilder, Stefan Zweig („Die Welt von Gestern“) und Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“).

In seinen Romanen gehe es oft um ein Stigma, wie Alkoholismus, Fettleibigkeit oder Obdachlosigkeit, und er versuche, die vielschichtigen Ursachen davon aufzuzeigen und seine Leserschaft für das Problem zu sensibilisieren. „Oft haben Betroffene keine eigene Schuld an ihrem Problem!“, stellte er fest. Zehn bis 20 Prozent der Obdachlosen stammten sogar aus den oberen Gesellschaftsschichten und führten ein „Leben ohne Adresse – ein trauriges Phänomen!“

In seinem neuesten Roman „Altenheim“ gehe es um die letzte Station im Diesseits. Für viele sei das ein blanker Horror – mit verrohtem Personal, enormen persönlichen Einschränkungen und Demütigungen. Insbesondere Demenzkranke hätten kaum noch Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren.

Auf sein nächstes Buch angesprochen, verriet er, dass es sich mit dem Down-Syndrom befasse. Er betonte zudem seine kriminalistische Ader: „Als Arzt erhält man gute Ideen für das perfekte Verbrechen.“ Mal ein Drehbuch für einen Krimi zu konzipieren, dazu hätte Markwirth auch Lust. Er schreibe spontan, konzentriert und zügig, ganz ähnlich wie er spreche, gelegentlich auch mit Kraftworten, und brauche etwa zwei Jahre für einen Roman. „Beim Schreiben kann ich alles ausblenden“, meinte er.

Zugute komme ihm bei der Motivwahl, dass er als Arzt eine Vielzahl unterschiedlicher Menschen kennenlerne. Er beachte aber strikt die Persönlichkeitsrechte, niemand dürfe sich in seinen Romanen wiedererkennen. Ganz wichtig sei ihm ein starker letzter Satz.

In der Diskussion mit den begeisterten Schülern ging Markwirth auch auf die Schwierigkeiten ein, (mit Leseproben) einen geeigneten Verlag zu finden, einen Klappentext zu verfassen oder ein Cover zu entwerfen. Beim Korrekturlesen sei ihm seine Frau „als härtester Kritiker“ behilflich, beim Cover seine Tochter Janina. Allerdings würden seine Kinder seine Romane nicht lesen, ihnen sei es „saupeinlich“, dass ihr Vater Bücher schreibe. Er habe aber inzwischen gelernt, auf Kritik gelassen zu reagieren, und sei deswegen „nicht narzisstisch gekränkt“.

Das Angebot von preisgünstigen E-Books steigere zwar die Verkaufszahlen, doch als freischaffender Autor könne man im Regelfall nicht von seinen Büchern leben. Als praktizierender Arzt, da war er ziemlich sicher, bewirke er mehr als mit seinen Büchern.

Am Samstag, 1. September, kommt Torsten Markwirth im Rahmen der Buchmesse HomBuch zur Lesung aus seinem Buch „Altenheim“ in den Homburger Saalbau (Beginn: 16 Uhr).