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Sozialkaufhaus in Erbach
Lösung fürs Sozialkaufhaus gesucht

 So sah es zu Beginn dieser Woche im Zwischenlager des Vereins „Leuchtender Stern“ am Homburger Musikpark aus - wer will da schon Einrichtungsgegenstände einkaufen?
So sah es zu Beginn dieser Woche im Zwischenlager des Vereins „Leuchtender Stern“ am Homburger Musikpark aus - wer will da schon Einrichtungsgegenstände einkaufen? FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Einerseits bedauert die Stadt, die zugesagten Arbeiten nicht veranlasst zu haben. Andererseits fühlt sie sich aber für die Gesamtsituation nicht verantwortlich. Von Thorsten Wolf

Nachdem der Trägerverein „Leuchtender Stern“ die Schließung seines Sozialkaufhauses in Erbach angekündigt hat und hier der Stadtverwaltung eine Mitverantwortung zugesprochen hatte (wir berichteten), nimmt nun die Stadt selbst Stellung zu den Vorwürfen.

Zum Hintergrund: Der Vereinsvorsitzende Walter Meyer hatte in einem Schreiben an Homburgs Bürgermeister Michael Forster beklagt, dass die Stadt es versäumt habe, einen Glasschaden am Lager des Vereins am Musikpark angemessen zu beseitigen. Dies habe zur Folge gehabt, so Meyer, dass Möbel in diesem von der Stadt bereitgestellten Raum durch Feuchtigkeit unbrauchbar und damit unverkäuflich wurden. Damit fehlten der Erbacher Einrichtung die nötigen Einnahmen. Meyer hatte zudem eine weitere Befürchtung geäußert, so „dass das Gebäude bei weiterer diesbezüglicher Unterlassung in den nächsten Monaten durch die eindringende Luftfeuchtigkeit und fehlende Beheizung erheblichen Schaden erleiden wird, mit allen bekannten Folgen zu Lasten der Stadt“. Grundsätzlich machte Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff in dieser Angelegenheit klar: „Zunächst möchten wir darauf hinweisen, dass wir die bevorstehende Schließung des Sozialkaufhauses bedauern. Zudem entschuldigen wir uns für nicht erledigte Arbeiten, die trotz mehrfacher Zusagen nicht erfolgt sind.“ Der Begründung Meyers für des vorzeitige Ende des Erbacher Sozialkaufhauses mochte Kruthoff aber nicht unwidersprochen folgen. So sei die Rede von „vernichtenden Lagerzuständen“ im Raum der ehemaligen Videothek am Musikpark gewesen.

„Dazu ist zu sagen, dass der Zustand des Raums, der dem Verein ‚Leuchtender Stern‘ von der Stadt bereits vor mehreren Jahren ohne Entgelt überlassen wurde, schon zum Zeitpunkt der Überlassung und damit Jahre vor Eröffnung des Sozialkaufhauses in Erbach im Frühjahr 2019 bekannt war.“



Man hatte damals, so der Pressesprecher weiter, dem Verein kurzfristig Hilfe anbieten wollen. „Schon zu diesem Zeitpunkt war allen Beteiligten klar, dass dies lediglich eine Übergangslösung darstellen kann, da die Fläche weder über eine Möglichkeit der Beheizung noch über eine ausreichende Belüftung verfügt. Zur dauerhaften Lagerung von Möbelstücken, besonders von Holzmöbeln, ist und war der Raum nie geeignet.“

Es sei nicht in Aussicht gestellt worden, dass der Raum in einer Art und Weise ausgestattet werde, dass er sich als dauerhafte Lagerfläche eignen könne. Aus diesem Grund sei auch keine Miete erhoben worden. Kruthoff reagierte auch auf den Vorwurf, die Stadt habe angemahnte Instandsetzungsarbeiten nicht geleistet. „Auch wenn es bedauerlicherweise lange gedauert hat, so hat die Stadt nach und nach einige Reparaturarbeiten am Lagerraum erledigt. Nachvollziehbar ist allerdings, dass Herr Meyer nicht damit einverstanden ist, dass über einen längeren Zeitraum Zusagen mehrfach nicht eingehalten wurden. Dafür müssen wir uns entschuldigen“, räumte Kruthoff ein.

Allerdings: „Sollten durch den Zustand des Lagerraums, wie von Herrn Meyer dargelegt, Schäden an der Lagerware entstanden sein, ist dies nach Ansicht unserer Fachabteilung auf den bauphysikalischen Zustand der Lagerstätte und weniger auf die nicht erfolgten Arbeiten an der Außenfassade zurückzuführen.“ Deswegen sei es, ungeachtet der eingestandenen Versäumnisse der Stadt – und so sehr man die Schließung der Erbacher Einrichtung bedaure –, nicht nachvollziehbar, „dass die Schließung der Erbacher Filiale des Sozialkaufhauses ursächlich mit den nicht ausgeführten Arbeiten an diesem Lagerraum in Verbindung gebracht wird“.

Wie soll es nun weitergehen? Zumindest scheint es so, als wäre das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen. Jürgen Kruthoff: „Die Stadtverwaltung hat bereits Kontakt mit dem Trägerverein aufgenommen und Gesprächsbereitschaft signalisiert, um das Engagement der vielen Ehrenamtlichen im Sozialbereich zu unterstützen.“ Wie diese Unterstützung in der Zukunft aussehen könnte, wird sich zeigen.