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Professor an Uniklinik wurde 68
Spitzen-Wissenschaftler Pfreundschuh ist tot

Seit 1991 war Pfreundschuh am Uniklinikum in Homburg tätig.
Seit 1991 war Pfreundschuh am Uniklinikum in Homburg tätig. FOTO: Rüdiger Koop / UKS/SZ
Kirrberg. Professor Michael Pfreundschuh ist tot. Der international anerkannte Wissenschaftler und Direktor der Inneren Medizin I am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg schied am Montag, 5. März, in seinem Haus in Kirrberg aus dem Leben. Von Christine Maack

Pfreundschuh, der die Klinik für Hämatologie, Onkologie, Infektiologie, Rheumatologie und Knochenmark-Transplantation leitete, war ein hoch angesehener Spezialist auf dem Gebiet des Lymphdrüsenkrebses. Pfreundschuh hat auch viele prominente Patienten am Uniklinikum behandelt, über die er stets schwieg. Dem Ex-Landrat des Saarpfalz-Kreises, Clemens Lindemann (SPD), rettete er das Leben. Lindemann ging damit an die Öffentlichkeit, die Pfreundschuh scheute. Er war kein leutseliger Arzt, sondern ein eher trockener, der Wissenschaft verpflichteter Klinikleiter, der sich nie zu Gefühlsausbrüchen hinreißen ließ. Dass er an Depressionen litt, war seinem engeren Umfeld bekannt.

Michael Pfreundschuh, geboren 1949 im baden-württembergischen Philippsburg, leitete auch das renommierte José-Carreras-Forschungszentrum auf dem Campus der Uniklinik. Dort befassen sich Wissenschaftler mit der Erforschung bösartiger Erkrankungen des Lymphsystems. Dass das José-Carreras-Zentrum 2005 nach Homburg kam, lag daran, dass Pfreundschuh und sein Team „zu den drei besten Gruppen der Welt auf diesem Gebiet“ zählten, wie es bei der Einweihung Professor Dieter Hoelzer, Stiftungsmitglied, formulierte. Für Professor Pfreundschuh war der Zuschlag für diese wichtige Forschungseinrichtung Verpflichtung, dem Leitsatz des einst schwer an Leukämie erkrankten Tenors José Carreras zu folgen: „Leukämie muss heilbar werden – immer und bei jedem.“ Unter Pfreundschuhs Leitung wurde in Homburg vor 25 Jahren die erste Stammzell-Transplantation links des Rheins in Deutschland durchgeführt. Mittlerweile haben in Homburg weit über 1300 Patienten eine hämatopoetische Stammzell-Transplantation erhalten. Bei vielen Erkrankungen des blutbildenden oder lymphatischen Systems gab es früher keine Heilungschancen, hatte Pfreundschuh damals erklärt. Auf sein Betreiben hin konnte vielen schwer kranken Patienten durch Stammzell-Transplantation und die Verfeinerung dieser Therapie geholfen werden.

Auch die Heilungschancen bei bösartigen Erkrankungen des Lymphsystems konnten nicht zuletzt durch Pfreundschuhs Leistungen von ehemals 60 auf fast 90 Prozent angehoben werden.



Im November 2016 erhielt Pfreundschuh für seine Verdienste in der Wissenschaft das Bundesverdienstkreuz am Bande. Er habe sich durch sein erfolgreiches Wirken große Verdienste um die medizinische Forschung erworben, sagte die damalige Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in ihrer Würdigung. Er habe als hochkompetenter und stets engagierter Arzt zahlreichen tödlich erkrankten Patienten das Leben gerettet.

Michael Pfreundschuh hinterlässt eine Ehefrau und drei erwachsene Kinder. Professor Hans Köhler, Ärztlicher Direktor des Uniklinikums außer Dienst, der mit Pfreundschuh befreundet war, betrauert den Tod seines Kollegen außerordentlich: „Er war ein hervorragender Wissenschaftler, ein fleißiger, ehrgeiziger und unermüdlich forschender Arzt, der innerhalb des Uniklinikums stets eine klare Linie vertrat“. Pfreundschuh sei „wissenschaftlich hervorragend“ gewesen, sagte  er, sein Tod sei ein großer Verlust für das Saarland.