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Eis-Trends
So schmeckt der Sommer in diesem Jahr

Ein heißer Sommer soll es in den nächsten Tagen werden – die Eisdielen freut’s.
Ein heißer Sommer soll es in den nächsten Tagen werden – die Eisdielen freut’s. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Homburg. Limette, Birne-Mandel, Sesam – es kommt Abwechslung in die Waffeltüte. Wir haben uns in den Homburger Eisdielen umgeschaut und ein bisschen probiert. Von Jennifer Klein

„Ice, Ice, Baby“, sang der amerikanische Rapper Vanilla Ice 1990. Ist schon eine Zeitlang her, trotzdem gehört der Titel zum Sommer wie das besagte Eis zur Tüte. Nach wie vor ist tatsächlich das Vanilleeis der Deutschen liebstes Eis, wie Umfragen zeigen. Und nicht nur in den USA, sondern mittlerweile auch international wird der 23. Juli als Tag des Vanilleeises gefeiert. Das ist auch in den Homburger Eisdielen ein Klassiker, ebenso wie Schoko und Erdbeer. Aber auch in Sachen Eis gibt’s jede Menge Neues zu entdecken. Gerade in den kommenden heißen Tagen – Motto „36 Grad, und es wird noch heißer“, auch das ein Sommerhit – lohnt sich ein Streifzug auf der Suche nach einer leckeren Abkühlung. Bei insgesamt sechs Eisdielen im Stadtgebiet, „De Lazzero“ (Saarbrücker Straße), „Gelat!oh“ (Eisenbahnstraße), „Venezia“ (Talstraße), „Dolce Amaro“ (Talstraße), Ecker (Dürerstraße, Erbach) und Eiscafé „Marisa Pascale Nasisi“ (Einöder Straße, Schwarzenbach) gibt’s reichlich Auswahl. Auch ins „Cortina“ (Kirkel-Neuhäusel, Kaiserstraße) und ins Café Florenz (Bexbach, Rathausstraße) lohnt ein Abstecher.

Waffel oder Becher, Milch- oder Fruchteis? Wir haben uns – nicht-repräsentativ – umgeschaut, umgehört und ein bisschen probiert.

Zum Beispiel bei Pierangelo DeCesero, Inhaber des Eiscafés „De Lazzero“, in der Saarbrücker Straße: Sesam-Eis? Klingt ungewöhnlich, schmeckt nussig, cremig, mit einem Hauch Schoko. Was auch gut ankommt, ist das Spaghetti-Eis: Den Klassiker, der als Becher zig-Mal am Tag über die Theke geht, gibt‘s damit auch im Bällchen-Format – inklusive Erdbeersoße und weißen Schokoraspeln. An ganz heißen Tagen gehen auch fruchtige, erfrischende Sorten wie Limette oder Tropical gut, ist DeCeseros Erfahrung. Ideen für seine Eiskreationen sammelt er auf der Messe der Gelatieri im italienischen Longarone, aber auch Eigenkreationen kommen in die Theke. Bereits in der dritten Generation ist er im Geschäft, „schon mein Opa war Eismann“, erzählt er. Nach wie vor ist die kalte Leckerei beliebt, „egal bei welchem Wetter“, schmunzelt er. Etwas, dem man zunehmend Rechnung tragen müsse, sei allerdings, „dass immer mehr Kunden nachfragen, welches Eis denn laktosefrei, glutenfrei oder vegan ist“, meint DeCesero – dafür gibt es dann zum Beispiel ein laktosefreies Zartbitter-Schokoladeneis.



Bewusster essen ist ein Trend, der auch in den Eisdielen ankommt: Künstliche Aroma- und Farbstoffe sind durchweg passé, zudem setzt man auf hochwertige, natürliche Zutaten. Im „Gelat!oh“ zum Beispiel wird Biomilch von der Bliesgau-Molkerei verwendet, wie Francesco Nardi, Küchenchef und mitverantwortlich für die Eisproduktion, erklärt. „Zurück zum Ursprung“ sei das Motto. Dafür zählen Details und Sorgfalt bei der Herstellung sowie Ausprobieren: So sei Schokoladeneis nicht gleich Schokoladeneis. Auf der Eismesse in Stuttgart habe er zum Beispiel erlebt, wie aus 30 verschiedenen Schokoladensorten Schokoeis hergestellt worden sei. Das recht neue Eiscafé, wo das Eis im Glas serviert wird, hat sich gut etabliert – und immer mehr Kunden ordern nicht nur eine kleine Tüte, sondern auch große Becher zum Mitnehmen, wie Nardi festgestellt hat. Neu im Sortiment sind die Sorten Kiwi und Mango-Maracuja. Übrigens: Das Lieblingseis des Chefs ist Birne-Mandel-Crunch . . .

Zwei ganz unterschiedliche Verkaufsschlager in diesem Sommer hat Manuel Gianneschi vom „Dolce Amaro“ in der Talstraße ausgemacht: Kinder-Country und Limette-Basilikum. Bei letzterem sorgt die Mischung aus Frucht mit Kräuterwürze an heißen Tagen für Kühlung von innen.

„Oft sind die Kunden ja eher zögerlich, wenn es darum geht, Neues zu probieren“, hat Matilda Collet vom Traditions-Eiscafé „Venezia“ (seit 40 Jahren ist der Familienbetrieb am Standort in der Talstraße zu finden) festgestellt. Aber dieses Jahr bestellen viele gerne ihre neue Sorte „Omas Käsekuchen“, eine Eigenkreation. „Der deutsche Käsekuchen ist ja ein echter Klassiker und bei vielen Leuten sehr beliebt, daher die Idee“, erklärt Collet. Sei es wegen der cremigen Konsistenz oder des vertrauten Namens: Der Käsekuchen in Kugelform kommt an.

In Italien übrigens bestellt man keine Bällchen oder Kugeln, sondern lediglich Geschmacksrichtungen: „Un cornetto al cioccolato e alla fragola“, also eine Waffel mit Schokolade und Erdbeer. Und bei der Kunst des Eisessens aus der Tüte ohne „Werkzeug“, sprich Löffel, offenbart sich die wahre Natur des Genießers: reinbeißen? oder rundum lecken – möglichst gleichmäßig, damit nichts runterläuft. Und nicht zu schnell, man will ja keinen Kältekopfschmerz, neudeutsch Brainfreeze, riskieren. Tipp: das Eis nicht am Gaumen zerdrücken. Ab drei Bällchen wird’s bei Temperaturen über 30 Grad unter Umständen zur Herausforderung. Aber die meistert die versierte Eisliebhaberin oder der versierte Eisliebhaber locker. Also: Soll die Hitzewelle nur kommen – dahinschmelzen kann ja auch ganz schön sein. Solange nur nicht das Schokoeis durch die Tüte tropft.