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Spende
Smartphone-App soll bei Trauma-Therapie helfen

Homburg. Benefizkonzert des Bosch-Orchesters brachte 1800 Euro. Das Geld geht an die Projektgruppe Kinder und Jugendliche der PSP. Von Sebastian Dingler

„Wir machen das wirklich nur deswegen, weil es Spaß macht“, versicherte Doris Wiehn beim Termin zur Spendenübergabe. Die Klarinettistin ist Mitbegründerin und Sprecherin des Homburger Bosch-Orchesters, das im vergangenen Dezember im Saalbau ein Benefiz-Konzert gegeben hat. Bei der Gründung des Orchesters vor zehn Jahren – das Konzert im Saalbau war somit auch ein Jubiläumskonzert – habe man beschlossen, nur für gute Zwecke aufzutreten; ansonsten hätten die Hobbymusiker „das große Glück, dass uns die Werksleitung Homburg sehr unterstützt“, so Wiehn.

Den Profi-Dirigenten Volker Kaufmann, das Notenmaterial und das große Schlagwerk mit Pauken und Vibrafon, all das werde von der Firma Bosch finanziert; außerdem unterstütze die Schuldirektorin der Sandrennbahn, Sabine Bleyer, das Orchester, indem sie es in der Schul-Cafeteria proben lässt.

Beim letzten Benefizkonzert im Saalbau in Homburg war die stolze Summe von 1800 Euro zusammengekommen - diese wurde nun per Scheck an die Projektgruppe Kinder und Jugendliche überreicht. Diese setzt sich für bessere Entwicklungsbedingungen, mehr Verständnis und Toleranz für psychisch gefährdete oder erkrankte Kinder und Jugendliche ein.



Rita Maoz, Ärztin aus Kirkel, und der Krankenpfleger der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie, Jörg Weiland, sind in der Projektgruppe die treibenden Kräfte; sie waren bei der Spendenübergabe ebenso anwesend wie Horst Schneider, der Geschäftsführer der Psychosozialen Projekte (PSP) in der Goethestraße in Homburg, in deren Räumen das Geld übergeben wurde – die Projektgruppe selbst ist Teil der psychosozialen Projekte.

Maoz sagte, mit den Spenden versuche die Projektgruppe immer dort zu unterstützen, wo (noch) keine öffentliche Hand zuständig ist. „Die Musiktherapie in der Kinder- und Jugendpsychiatrie haben wir so lange finanziert, bis der neue Chef sie in sein neues Budget aufgenommen hat.“

Das Geld des Benefizkonzerts soll für traumatisierte junge Menschen eingesetzt werden. Sie haben oft die Schwierigkeit, dass sie durch äußere Reize an das schlimme Leid erinnert werden, das sie durchgemacht haben. Häufig neigen sie dann dazu, sich selbst oder andere zu verletzen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihrer Aggression.

Therapeuten können den jungen Patienten aber beibringen, in diesen Situationen eine weniger gefährliche Handlung durchzuführen, die Abhilfe bringt – etwa in eine scharfe Chili-Schote beißen oder dreimal das Treppenhaus hoch und runter rennen.

Dabei soll eine App auf dem Smartphone helfen: Sie biete den jungen Leuten eine alternative Lösungsmöglichkeit an. „In der Therapie lernen die jungen Menschen, wie sie mit ihren Reaktionen umgehen. Wenn jetzt kein Therapeut in so einer Situation dabei ist, können die Patienten ihre App aufmachen und sich fragen: ‚Moment mal, was mach‘ ich denn jetzt?’“, erklärte Rita Maoz.

„Die App ist eine Erste-Hilfe-Notfallinstanz“, erläuterte Jörg Weiland. „Die Idee ist ganz simpel und trotzdem effektiv: Dass sich der Druck und die Spannungen, die sich in den jungen Leuten aufbauen, nicht gegen sie selbst richten, sondern in eine andere Richtung gelenkt werden. Das funktioniert bei vielen, die bereit sind, das anzunehmen.“

Die App ist die Smartphone-Version des Start-Programms, eines Therapieprogramms, das im Saarland von der Psychologin Andrea Dixius und der Ärztin Eva Möhler entwickelt wurde. Das Spendengeld wird für die Kosten der Programmierung benötigt.