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Caritas Saarpfalz
„Sie alle werden dringend gebraucht!“

Die Absolventen des Lehrgangs zusammen mit Unterstützern der Hospizbegleitung im Saarpfalz-Kreis.
Die Absolventen des Lehrgangs zusammen mit Unterstützern der Hospizbegleitung im Saarpfalz-Kreis. FOTO: Dieter Schmitt
Homburg/St. Ingbert. 14 ehrenamtliche tätige Bürgerhaben jetzt im Caritas-Zentrum Saarpfalz ihre Zertifikate als Hospizbegleiterinnen und -begleiter erhalten. red

Sylvia Gronau hält ihr Zertifikat in Händen. Darauf wird ihr die Teilnahme an dem Kurs „Betreuung und Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen in der häuslichen Umgebung“ bescheinigt. Hinter ihr liegt ein halbes Jahr an Fortbildung, die sie zusammen mit 13 anderen Interessierten absolviert hat. Die 54-Jährige hat mit ihnen, wie sie erzählt, einen „tollen Zusammenhalt“ erlebt, der am Tag der Zertifikatsübergabe spürbar bleibt und sich etwa an zahlreichen Umarmungen und innigen Gesprächen deutlich zeigte.

Was ist das für ein Geist, der sich hier in der Altenbegegnungsstätte der Caritas-Saarpfalz mit den Stellen in Homburg und in St. Ingbert so rasch nach Ankunft der Kursteilnehmerinnen und eines Kursteilnehmers ausgebreitet hat?

Volker Ruffing hat alle in Kommunikation und Spiritualität unterrichtet. Der Religions-Pädagoge ist einer, der diesen besonderen Geist kennt und mit seinen Unterrichtseinheiten unterstützt. Beispielsweise durch seine Grundhaltung, dass er sich nicht als Ober-Lehrer sieht, sondern sich mit seinen Kursteilnehmern immer auf eine Entdeckungsreise begeben will – und dabei auch von ihnen Impulse bekommen und von ihnen lernen will. „Meine Teilnehmer sind in diesem Sinne für mich immer auch Teilgeber!“ Inhaltlich geht es am Ende eines Lebens sehr häufig um spirituelle Fragen. Die künftigen Hospizbegleiterinnen und -begleiter sind dann gefordert, mit schwerstkranken Menschen darüber zu sprechen. „Das geht nur, wenn sie sich ihrer eigenen Spiritualität bewusst sind“, weiß der 62-Jährige. Im Seminar bietet er den Teilnehmern dann das Bild eines „Brunnens“ an – und fragt: „Aus was schöpfe ich? Was ist auf dem Grund des Brunnens zu finden, das mir Kraft gibt?“



Sylvia Gronau macht genau diesen Eindruck, dass sie aus einem solchen Brunnen schöpfen kann – und beim Blick in die Runde des großen, festlich geschmückten Tischs sieht man das den anderen auch irgendwie an. Sie wirken in Selbstwahrnehmung geschult, vor allem aber offen, besser gesagt: herzlich offen, für andere. „Ich habe mein Pflegepraktikum in einem Altenheim absolviert“, erzählt Sylvia Gronau, „und habe gesehen, was dort geleistet wird, und auch unter welch großem Druck. Ich selbst freue mich jetzt auf die Begleitung von sterbenden Menschen. Unsere Hilfe wird ja dringend gebraucht!“

In ähnlichen Worten hatte das zuvor Domkapitular Karl-Ludwig Hundemer den Kursteilnehmern in seiner Begrüßung gesagt. Der Bischöfliche Beauftragte für die Caritas im Bistum Speyer dankte ihnen für ihre Bereitschaft zur ehrenamtlichen Hilfe, denn: „Sie werden dringend gebraucht. Gebraucht zu werden ist zugleich etwas Aufbauendes und eine sehr erfüllende Aufgabe!“ Er überreichte allen Kursteilnehmern ihre Zertifikate – gemeinsam mit der stellvertretenden Leiterin des Caritas-Zentrums Saarpfalz, Ulrike Molitor, und der Koordinatorin des Ökumenischen Ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienstes in Homburg, Gabriele John-Neumann, bei der sich die Kursteilnehmer innig und mit großem Applaus bedankten.

Der Kurs ist ein Angebot des Ambulanten Hospizdienstes und der Katholischen Erwachsenenbildung Saarpfalz. Er beginnt jedes Jahr im Januar und endet regelmäßig kurz vor den Sommerferien. Unterstützt wird er vom Hospizverein Saarpfalz. Dessen Vorsitzender Jürgen Grötschel: „Ich wünsche Ihnen viel Glück und Gottes Segen – und auch Ihnen jemanden, der Ihnen Kraft gibt, wenn sie Hilfe in der Begleitung brauchen.“