| 20:50 Uhr

Erfolg für Homburg
Informatik-Ideen aus der Räuberhöhle

Homburg. Wie fühlt es sich an, Bundessieger zu sein? Benedikt Lothschütz und Nico Mansion sind voller Elan von der Preisverleihung zurück. Von Christine Maack

Die einen sind froh, wenn sie nach dem Abitur ihre alte Schule nie wieder sehen müssen, die anderen kommen auch als Studenten gerne auf Besuch zurück. Das sind dann diejenigen, die über den regulären Unterricht hinaus Bindungen an ein Fach, oder, wie im Saarpfalz-Gymnasium, zusätzlich noch an eine gemütliche Computer-Räuberhöhle entwickelt haben.

Das Fach ist Informatik, die „Räuberhöhle“ ist ein mit Bildschirmen, Kabeln, Handwerksgeräten und Stühlen vollgestopfter Raum am Ende des Flurs - von den beiden Informatik-Studenten Nico Mansion und Benedikt Lothschütz respektvoll „Das Allerheiligste“ genannt. Für den Informatik-Lehrer Michael Bergau ein „Ort des Ausprobierens, der Selbstständigkeit, der Eigenverantwortung.“ Dies zeige sich darin, dass einige Schüler Schlüssel zu diesem Raum besitzen, damit sie  auch außerhalb der Unterrichtszeit dort besondere Ideen weiterentwickeln können.

Und diese Unabhängigkeit ist es, die auch Nico und Benedikt einmal in der Woche an die „alte Schule“ zurückbringt, obwohl beide schon seit einigen Monaten studieren, Benedikt an der FH in Zweibrücken, Nico an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken - Informatik natürlich. „Es ist einfach immer gut hier“, sagt Benedikt , „man hat alle Freiheiten, man kann am Computer basteln, das ganze Gerät auseinandernehmen, neue Ideen verwirklichen, alleine oder im Team arbeiten.“



Und es gibt noch einen zweiten Punkt, warum die beiden einen besonderen Grund hatten, ihre alte Schule zu besuchen: sie waren, zusammen mit Lehrer Michael Bergau, als Repäsentanten ihres Informatik-Zweigs in Tübingen zu Gast, wo sie stellvertretend fürs Saarpfalz-Gymnasium den ersten Preis beim Bundeswettbewerb Künstliche Intelligenz als beste Informatik-Schule KI Deutschlands entgegennahmen (wir berichteten).

Das sei ein richtiges Erlebnis gewesen, sagen die beiden Studenten, die im Alltag einen eher nüchternen Eindruck machen. Aber auf der Bühne bei der Urkunden-Übergabe, da waren die Homburger dann doch schwer beeindruckt, es habe „interessante Gespräche mit tollen Fachleuten“ gegeben, vor allem die Vertreter aus den Max-Planck-Instituten haben ihnen imponiert.

Aber eine andere Begegnung war mindestens so interessant: die Baden-Württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) kam auf sie zu und erklärte, sie stamme aus Zweibrücken und sei in Homburg zur Schule gegangen. Allerdings nicht aufs Saarpfalz-Gymnasium. Aber was machte das schon, gefreut haben sich die drei Homburger allemal über die ministerlichen Grüße.

Am Ende kamen sie voller Elan und vor allem mit tollen Preisen wieder an ihre Schule zurück. Zu den Preisen zählen unter anderem drei kleine schwarze Drohnen, Tello Edu genannt, mit einem Innenleben, dem man mit Hilfe von künstlicher Intelligenz alles mögliche beibringen kann. Die Drohne könnte beispielsweise Wildtiere zählen oder, ausgestattet mit einer speziellen Vorrichtung, Unkraut auf Feldern erkennen und ausrupfen oder essbare Pilze pflücken.

Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Saarland“ im kommenden Jahr, planen Benedikt und Nico, zusammen mit Informatik-Schülern am Saarpfalz-Gymnasium die Aktion „100 Minuten Informatik für alle“ auszuarbeiten. Noch werden Ideen gesammelt, natürlich in der „Räuberhöhle“, mal mit, mal ohne Lehrer. Wie wäre es, wenn man sich saarländische Ikonen vornähme? Kann eine Drohne Lyoner erkennen? Oder Fleischkäsweck? Ur-Pils? Die beiden Nachwuchs-Informatiker amüsieren sich königlich: das wäre doch mal eine echte Herausforderung für das Saarland-Jubiläum!

Doch wie man die Sache auch dreht und wendet, Benedikt und Nico studieren jetzt, und Michael Bergau muss mit seinen Lehrer-Kollegen für guten Nachwuchs sorgen, damit das Saarpfalz-Gymnasium seinem Ruf als Informatik-Schule auch weiterhin gerecht wird. Neben Eltern, die im IT-Bereich tätig sind und ihre Kinder bewusst ans Saarpfalz-Gymnasium schicken, gibt es auch Fälle, bei denen die Kinder erst im Laufe der Schulzeit merken, dass Informatik genau ihr Ding ist. Übrigens auch bei Mädchen, die früh damit anfangen sollten, sagt Bergau, „wenn das Interesse da ist, können wir es ausbauen.“

 Benedikt Lothschütz (l) und Nico Mansion mit der Urkunde, vorne Lehrer Michael Bergau mit den Drohnen, die es als Geschenk gab. Die hintere Wand mit den Kästen, die bei Info-Tagen genutzt wird, hat Benedikt selbst gesägt und zusammengebaut.
Benedikt Lothschütz (l) und Nico Mansion mit der Urkunde, vorne Lehrer Michael Bergau mit den Drohnen, die es als Geschenk gab. Die hintere Wand mit den Kästen, die bei Info-Tagen genutzt wird, hat Benedikt selbst gesägt und zusammengebaut. FOTO: Christine Maack
 Auch an anderen Schulen gibt es engagierten Informatik-Nachwuchs. Hier ein Gruppenbild aller Sieger des Bundeswettbewerbs. Erster konnte aber nur einer werden - das Team aus der Saarpfalz.
Auch an anderen Schulen gibt es engagierten Informatik-Nachwuchs. Hier ein Gruppenbild aller Sieger des Bundeswettbewerbs. Erster konnte aber nur einer werden - das Team aus der Saarpfalz. FOTO: Bergau/SPG