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Stiftungsprofessur
Rückenwind für die Forschung

Vertragsunterzeichnung von links: Professorin Martina Sester, Dekan Professor Michael Menger, Dr. Jürgen Staiger, Vorstand der Dr. Rolf Schwiete Stiftung, Professor Bertold Seitz, Leiter der Augenklinik, Professor Bernhard Schick, Ärztlicher Direktor. Hintere Reihe von links: Augenärztin Professorin Barbara Käsmann-Keller, Dr. Anette Groh von der Staatskanzlei, die beiden Juristinnen Ulrike Freidinger, Geschäftsführerin des Dekanats und Alexandra Hemprich von der Rechtsabteilung der Saar-Uni sowie die beiden Wissenschaftler aus dem Biologischen Labor, Tanja Stachon und Dr. Lorenz Latta.
Vertragsunterzeichnung von links: Professorin Martina Sester, Dekan Professor Michael Menger, Dr. Jürgen Staiger, Vorstand der Dr. Rolf Schwiete Stiftung, Professor Bertold Seitz, Leiter der Augenklinik, Professor Bernhard Schick, Ärztlicher Direktor. Hintere Reihe von links: Augenärztin Professorin Barbara Käsmann-Keller, Dr. Anette Groh von der Staatskanzlei, die beiden Juristinnen Ulrike Freidinger, Geschäftsführerin des Dekanats und Alexandra Hemprich von der Rechtsabteilung der Saar-Uni sowie die beiden Wissenschaftler aus dem Biologischen Labor, Tanja Stachon und Dr. Lorenz Latta. FOTO: Christine Maack
Homburg. Die Schwiete-Stifung richtet mit 2,5 Millionen Euro eine Stiftungsprofessur für Augenheilkunde am Uni-Klinikum ein. Von Christine Maack

Geld möchte jeder gerne haben. Aber derjenige, der es verteilt, möchte schon die Gewissheit haben, dass es auch gut angelegt ist. In Fall der Universitätsaugenklinik in Homburg war man sich schnell einig, dass sowohl die Geberin – die Dr. Rolf M. Schwiete-Stiftung – als auch die Empfängerin – die Klinik für Augenheilkunde in Homburg – sich nicht nur gesucht, sondern auch gefunden hatten.

Dr. Jürgen Staiger, der Vorstandsvorsitzende der in Mannheim ansässigen Schwiete-Stiftung, erläuterte gestern anlässlich der Vertragsunterzeichnung, warum sich die Stifung entschlossen habe, eine auf fünf Jahre angelegte Professur an der Universität des Saarlandes mit 2,5 Millionen Euro zu finanzieren.

 „Die Schwerpunkte der Schwiete-Stiftung sind die  Unterstützung von Forschung und die Förderung von begabten Doktoranden.“ Der Stifter, ein „zurückgezogen lebender Unternehmer aus Gernsheim bei Worms“, der 2013 mit 91 Jahren gestorben ist, hatte  testamentarisch verfügt, dass sein gesamtes Vermögen in eine Stiftung überführt und der Wissenschaft zugute kommen sollte, so Staiger.



Bei dem Antrag der Universitätsaugenklinik unter Leitung von Professor Berthold Seitz, seien für ihn zwei Schwerpunkte ausschlaggebend gewesen, erläuterte Staiger: „Das war einmal der Ansatz, Menschen das Augenlicht zu erhalten mit Hilfe der Limbusstammzellenforschung. Und es gab den zweiten Schwerpunkt, nämlich einer seltenen Krankheit vorzubeugen.“ Damit ist die kongenitale Aniridie gemeint, eine seltene, angeborene Erkrankung, bei der die Kinder ohne Iris geboren werden.

Neben der Einschränkung beim Sehen, die bis zur Erblindung führen könne, gehe die Aniridie oft mit Begleiterkrankungen einher, so Seitz.  Zum Biepsiel können gleichzeitig Diabetes, geistige Behinderung oder auch bösartige Nierentumoren auftreten. Mit Hilfe der Stiftungsprofessur soll nun eine standardisierte Erfassung der Veränderungen bei dieser Krankhait aufgebaut werden. „Es ist wichtig, dass wir nicht nachlassen, auch bei den so genannten seltenen Krankheiten weiterzuforschen“, betonte Martina Sester, Professorin im Bereich Infektionsimmunologie und derzeit Vizepräsidentin für Forschungs- und Technolgietransfer an der Saar-Uni.

Und der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Michael Menger, stellte scherzhaft die Frage: „Sind wir wirklich so arm, dass wir eine Stiftungsprofessur brauchen?“ Aber ja, gab er sich gleich selbst die Antwort: „Wir sind so arm“. Allerdings kenne er auch keine Universität, die eine solche Zuwendung abgelehnt habe, kurzum, jeder Beitrag für die Forschung sei hochwillkommen.

Das bestätigte auch der Ärztliche Direktor des Uniklinikums, Professor Bernhard Schick, den die Tatsache, dass die Wahl der Stifung auf „unser Uniklinikum“ fiel, besonders freute: „Wir können uns freuen, dass die Forschung hier so gestärkt wird.“ Die beiden, die einen Teil der Forschungsarbeit derzeit machen, Tanja Stachon und Dr. Lorenz Latta vom Biologischen Labor der Klinik für Augenheilkunde, waren ebenfalls anwesend, was nicht zufällig war, zumal Dr. Latta bereits von der Schwiete-Stiftung gefördert wird und es somit bereits eine Beziehung zwischen der Stiftung und der Augenklinik gab, die nun weiter ausgebaut wurde.

Die weit über das Saarland hinaus bekannte Kinder-Augenspezialistin, die Professorin Barbara Käsmann-Keller, wird vor allem von der Forschung profitieren: „Es gibt in Deutschland rund 900 Kinder, die an Aniridie leiden, 300 sind uns hier in Homburg bekannt.“ In den USA gebe es einen Lehrstuhl für die Erforschung dieser Krankheit, „wir in Homburg sind nun in Europa die ersten, die einen solchen Lehrstuhl haben.“ Doch Forschung, so Käsmann-Keller,  sei nie eindimensional: „Die Forschungsergebnisse, die von diesem Lehrstuhl kommen, können auch bei anderen Augenerkrankungen nützlich sein.“

Professor Berthold Seitz bedankte sich bei allen, die die Stiftungsprofessur möglich gemacht hatten, auch bei den Juristinnen, die die Verträge ausgehandelt hatten. Denn auch die Forschung funktioniert nun mal nicht ohne juristische Grundlagen.

Augenleiden mit der Gefahr der Erblindung ist kein unabwendbares Schicksal, wie das oft noch vor über 50 Jahren der Fall war.
Augenleiden mit der Gefahr der Erblindung ist kein unabwendbares Schicksal, wie das oft noch vor über 50 Jahren der Fall war. FOTO: BeckerBredel