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Reinheim im Zeichen des Jubiläums

Reinheim ist stolz auf seine römischen Wurzeln. Der Europäische Kulturpark gibt Auskunft darüber. Foto: kreisverwaltung
Reinheim ist stolz auf seine römischen Wurzeln. Der Europäische Kulturpark gibt Auskunft darüber. Foto: kreisverwaltung FOTO: kreisverwaltung
Viele Veranstaltungen erinnern an die Gründung vor 750 Jahren. In der Grundschule wird zweisprachig unterrichtet. Norbert Rech

In diesem Jahr tobt in Reinheim nicht nur an Rosenmontag der Bär. Der Ort wird 750 Jahre alt. Das ist ein Grund für große Feierlichkeiten, die anlässlich des Jubiläums in Reinheim stattfinden. "Vom 2. bis 3. Juni begleiten wir unsere Königin Johanna und die beiden Prinzessinnen Anna und Angela nach Trittenheim zu einem Weinfest. Es wird eine Busfahrt organisiert", informiert Ortsvorsteher Jürgen Wack. Im Juni ist Reinheim auch Start und Ziel in Trofeo-Radrundfahrt. Das eigentliche Jubiläumsfest findet vom 15. bis 18. Juni auf dem alten Sportplatz an der Blies statt. "Vier Tage feiern wir in einem großen Festzelt", berichtet Wack. Viele Höhepunkte seien geplant. Am 27. August steht dann die erste kulinarische Weinwanderung rund um Reinheim auf dem Programm. Zum Finale werden dann Tausende von Besuchern am 15. September zum Biosphärenfest im Europäischen Kulturpark erwartet.

Dieses rund 700 000 Quadratmeter große Areal ist auch sonst ein Anziehungspunkt vieler Gäste. Archäologen haben hier seit mehr als 200 Jahren Gegenstände aus verschiedenen Epochen ausgegraben. Die Arbeit wird bis heute unermüdlich fortgesetzt. Die jährlich rund 50 000 Besucher des Parks können die Fundstücke selbstverständlich besichtigen. Besonders wichtig sind ein keltisches Fürstinnengrab sowie die Siedlung und ein Palast aus der römischen Zeit.

Erste Ausgrabungen fanden schon Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem "Heidenhübel" statt. Vor 60 Jahren wurden fünf Kalköfen und das Grab der Fürstin gefunden. Dadurch geriet Reinheim überregional in die Schlagzeilen. 1971 folgte der Fund der römischen Siedlung. Der Kulturpark selbst wurde 1989 gegründet, der im Laufe der Jahre stets um Einrichtungen erweitert wurde. Träger ist der Generalrat des französischen Départements Moselle und die Stiftung Europäischer Kulturpark.



Gleich am Eingang befindet sich schon ein Museum, das den Gästen einen Überblick über die Besiedlungsgeschichte des Bliesgaus von der Steinzeit bis zur römischen Epoche bietet. Dann folgt das Fürstinnengrab, einer der Höhepunkte des Rundgangs. Es stammt aus der Zeit um 370 vor Christus. Die Grabkammer verbarg herrlich verzierten Goldschmuck und viele weitere kostbare Beigaben.

Weiter geht es zur 1987 ausgegrabenen römischen Villa, die mit sieben Hektar zu den größten im Saar-Mosel-Raum gehört. Sie stammt aus dem vierten Jahrhundert nach Christus und wurde zum Teil rekonstruiert.

Im Laufe des Jahres finden regelmäßig Veranstaltungen auf dem Gelände statt. Unter anderem werden ein römisch-gallisches Kinderfest (21. Mai), ein saarländischer Heilpflanzentag (28. Mai), ein antikes Spektakel (12. bis 13. August) und vieles mehr organisiert. Geöffnet hat der Park vom 15. März bis 31. Oktober täglich von zehn bis 18 Uhr. Das Freigelände ist das ganze Jahr zugänglich. Der Kulturpark bietet zudem die Möglichkeit, an einer regulären archäologischen Ausgrabung teilzunehmen; Kontakt: Telefon (0 68 43) 90 02 11.

Auch wenn die erste urkundliche Erwähnung aus dem Jahr 1267 datiert, wird angenommen, dass Reinheim spätestens im 6. oder 7. Jahrhundert entstanden ist. Laut Andreas Stinsky ist das mit sprachwissenschaftlichen Quellen zu belegen. So würde die Gründung von Orten die mit -heim, -ingen der -dorf enden, dem frühmittelalterlichen Zeitraum zugesprochen. Ein weiteres Zeugnis sei ein Reihengram am Fuß des "Homerichs".

Kennzeichnend für Reinheim ist auch seine Grenzlage zu Frankreich. Kein Wunder, dass die Grundschule zu den vier saarländischen bilingualen deutsch-französischen Grundschulen gehört. Im Rahmen dieses Projektes werden die Kinder zweisprachig unterrichtet. Neben verstärktem Französischunterricht werden auch Fächer wie Sport, Musik, Bildende Kunst und zum Teil auch Sachkunde in den Worten des Nachbarn vermittelt. Französisch sei damit nicht nur Unterrichtsgegenstand, sondern vielmehr Umgangs- und Arbeitssprache. "Immersionslernen nennen Sprachwissenschaftler dieses weltweit erfolgreichste Verfahren modernen Fremdsprachenlernens", erklärt Wack.

Die Schüler tauchen in ein "Sprachbad", weil sie viele Stunden am Tag von der neuen Sprache umgeben sind und diese nach gleichen Prinzipien verinnerlichen wie Deutsch. Der frühe Zeitpunkt sei keine Überforderung, weil das Lernen altersgemäß und spielerisch erfolge. Die Pädagogen seien Muttersprachler oder ausgebildete Französischlehrer. Ein Vorteil für die Schüler sei, dass sie in weiterführenden Schulen ausreichend Zeit haben, noch eine dritte oder gar vierte Fremdsprache anzupacken. Auch in den drei Kindertagesstätten in Rubenheim, Reinheim und Gersheim werde bilingual gearbeitet, so dass Schulanfänger bereits mit Vorkenntnissen starten können. Die Grundschule Reinheim pflegt seit 2010 eine Partnerschaft mit der École Primaire in Sarre-Union.