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Drei Demos für bessere Radwege
Dreifach Radeln und ein Zeichen setzen

 Schon im vergangenen Jahr machte Tanja Ridzewski vom „Radelkollektiv“ deutlich, worum es für sie und die anderen Verfechter einer Förderung des Radverkehrs geht.
Schon im vergangenen Jahr machte Tanja Ridzewski vom „Radelkollektiv“ deutlich, worum es für sie und die anderen Verfechter einer Förderung des Radverkehrs geht. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Der Samstag soll zum Aktionstag fürs Fahrrad werden. Dazu sind zwei Radeldemos sowie eine Art Radrennen auf den Schlossberg geplant. So will man eine Verbesserung der Situation für Radfahrer in Homburg erreichen. Von Thorsten Wolf

Wer eine grundsätzliche Änderung im Verkehrsverständis in einem Autoland wie dem Saarland erreichen will, der braucht wohl einen langen Atem. Das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel als Ersatz für die eigenen vier Reifen haben es als Alternative im Alltagsverkehr immer noch schwer. Doch die Zahl derer, die sich eben für diesen Weg entscheiden, wird größer – so scheint es.

Städte haben in ihren Verwaltungen Fahrrad-Beauftragte, in den Gemeinden werden, wie zuletzt in Kirkel, die Anliegen der Radfahrer zunehmend bedeutsamer eingestuft. Und die Basis? Die geht auf die Straße, in Homburg zum ersten Mal im vergangenen Jahr, als unterschiedliche Gruppen zur großen „Radeldemo“ aufgerufen hatten (wir berichteten). Am kommenden Wochenende kommt es zu einer zweiten Auflage der Kundgebung, veranstaltet vom Radelkolletiv – als Teil eines ganzen Aktionstages rund um Rad in Homburg.

So soll am Samstag nicht nur die „Radeldemo“ dafür sorgen, dass Homburg zum Zentrum der Zweiradler wird. Gleich drei voneinander unabhängige Veranstaltungen rund um den Drahtesel wird es über den ganzen Tag verteilt geben: Los geht es um 11 Uhr mit besagter „Radeldemo“ des „Radelkollektivs“ mit Startpunkt auf dem Christian-Weber-Platz. In einer Rundtour soll dabei auch festgestellt werden, in wie weit sich die Situation für Radfahrer im vergangenen Jahr in Homburg verbessert hat. Die Route der „Radeldemo“ verläuft vom Christian-Weber-Platz über Talstraße, Am Zweibrücker Tor, Zweibrücker Straße, Storchenstraße, Virchowstraße, Kirrbergerstraße, Untere Allee, Germanenstraße, Obere Allee, Saarbrücker Straße und St. Michael-Straße wieder zum Christian-Weber-Platz.



Um 13 Uhr an der Kreuzung Karlsbergstraße/Schlossberg-Höhen-Straße starten die Grünen unter dem Motto „Fahrrad gegen Fahrstuhl“ ihr Bergrennen auf den Homburger Schlossberg.

Der ADFC schließlich geht mit einer eigenen „Raddemo“ auf Touren, Start ist hier um 17 Uhr im Bereich des Homburger Hauptbahnhofs. Hier soll es gezielt um den Alltags- und Berufsradverkehr gehen, auf dem Weg zur finalen Kundgebung am Gebäude 48 (CIPMM) am Uniklinikum legen die Demoteilnehmer auch einen Zwischenstopp auf dem historischen Marktplatz ein. Dort ist eine zentrale Veranstaltung geplant. Dort wollen die Organisatoren den Stadtratsfraktionen die Gelegenheit geben, ihre Vorstellung zur Ausdehnung des Radverkehrs in Homburg darzustellen.

Eines der Gesichter der Homburger Radfahr-Aktivisten ist Tanja Ridzewski, gleichzeitig bei „Pro Fahrrad“ und beim „Radelkollektiv“ engagiert. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeichnete sie das Bild einer durchwachsenen Entwicklung in den zurückliegenden zwölf Monaten hinsichtlich der Verbesserung der Situation für Radfahrer in der Stadt. So gebe es regelmäßige Treffen, quasi einen „Runden Tisch“, mit Vertretern der Stadt. „Es gab Markierungsarbeiten an den Radwegen, Einbahnstraßen wurden für Radfahrer im Gegenverkehr geöffnet“, so Ridzewski. Auch sei geplant, die Eisenbahnstraße im oberen Bereich zwischen Bahnhof und Talstraße in einem für zwei Jahre angelegten Pilotprojekt für Radfahrer zu öffnen.

Für Ridzewski bemerkenswert: Man sei bei der Lobby-Arbeit für Radfahrer auf ein Verkehrskonzept für Homburg aus dem Jahr 1995 gestoßen. Schon dort habe es entsprechende Hinweise für eine Verbesserung für die Situation der Radfahrer in der Stadt gegeben. Passiert sei allerdings nichts. Insgesamt, wie Ridzewski aus ihrer Sicht klarmachte, sei der große Wurf in der Stadt bislang nicht gelungen. Auch deswegen rufe man nun für den kommenden Samstag zur zweiten „Radeldemo“ auf.

Zusammen mit den beiden anderen, von dieser Demo unabhängigen Aktionen von ADFC und Grünen, wollen die Aktivisten ein Zeichen setzen und „auf die unbefriedigende Situation des Radfahrens in Homburg aufmerksam machen“, so Frank Kirchhoff, der für den ADFC Homburg verantwortlich zeichnet. In der jüngsten Umfrage des ADFC sei Homburg als unfreundlichste Stadt des Saarlandes für Radfahrer identifiziert wurden, „bundesweit belegte die Stadt Rang 305 von 311 Städten und Gemeinden. Die drei Veranstaltungen sind das Graswurzel-Präludium zur Staatsaktion ,Stadtradeln‘, die sich nur als Lippenbekenntnis der Stadtführung erwiesen hat“, kritisierte Frank Kirchoff.

Übrigens: Nicht nur in Homburg wird am Samstag für die Alternative Fahrrad ganz aktiv geworben, auch in St. Ingbert, Wadern, Saarlouis, Merzig und Völklingen geht das „Radelkollektiv“ an diesem Tag auf die Straße.