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Pflege
Pflegekräfte kämpfen für Verstärkung

Eine Krankenschwester eilt auf einem Flur entlang. Das Pflegepersonal sei an seiner Belastungsgrenze angekommen habe kaum noch Luft zum Atmen, bemängelt die Gewerkschaft Verdi und fordert neue Stellen.
Eine Krankenschwester eilt auf einem Flur entlang. Das Pflegepersonal sei an seiner Belastungsgrenze angekommen habe kaum noch Luft zum Atmen, bemängelt die Gewerkschaft Verdi und fordert neue Stellen. FOTO: picture alliance / dpa / Sebastian Widmann
Homburg. Anfang der Woche formierte sich mit Hilfe der Gewerkschaft Verdi eine Initiative „Mehr Personal für unser UKS“. Die Pflegekräfte wollen die 1000 neuen Stellen sehen, die Ministerin Bachmann ihnen versprochen hat. red

Streiks im öffentlichen Dienst sind für die Bevölkerung immer unangenehm. Entweder es türmt sich der Müll, die Busse fahren nur noch ab und zu, oder die Erzieherinnen stehen morgens um sieben ausnahmsweise mal nicht auf der Matte, um die lieben Kleinen zu begrüßen. Dann weiß man: Ach, es ist wieder Streik. Und zwar immer im frühen Frühjahr, wie das Ritual es so will. Die einzigen, die beim Streik nicht auf mürrisches Verständnis, sondern auf gar kein Verständnis stoßen, ist das Pflegepersonal im Krankenhaus.

„Das ist eine große Belastung, der die Schwestern und Pfleger ausgesetzt sind“, betonte denn auch Michael Quetting, Gewerkschaftssekretär bei Verdi und dort für die Berufe im Gesundheitswesen zuständig, „denn sie können ja nicht einfach die kranken oder frisch operierten Menschen sich selbst überlassen. Dafür hat kein Mensch Verständnis. Trotzdem haben auch Pflegekräfte das Recht, zu streiken. Wie soll man aus dieser Zwickmühle herauskommen?“

Aus diesem Grund kamen Anfang der Woche mehrere Gewerkschaftsvertreter und Pflegekräfte zusammen, um eine Initiative zu gründen mit dem Titel „Mehr Personal für unser Uniklinikum“. In seiner Begrüßungsrede erläuterte zunächst Rainer Tobae, Kreisverbandsvorsitzender des DGB Saarpfalz, die allgemeine Situation und wies darauf hin, dass die Saar-Gesundheitsministerin Bachmann 1000 neue Stellen versprochen habe. Nun wolle man den Politikern ein Ultimatum setzen: „Bis zum 22. Juni muss etwas passieren“, so Tobae, „unsere Geduld ist am Ende, die Gewerkschaft hat einen Brandbrief ans Ministerium geschrieben.“ Dann übernahm Michael Quetting das Wort und hielt eine differenzierte Ansprache, die ohne Feindbilder auskam: „Es ist nicht der böse Herr Kerle und auch nicht der böse Pflegedirektor, es ist das ganze System, das die Pflegekräfte, aber auch die Ärzte fertigmacht.“



Es sei das deutsche Gesundheitssystem, das durch die Einführung der Fallpauschalen auf höchste Effizienz getrimmt worden sei und kein Atemholen zulasse: „Es werden in immer kürzeren Abständen immer neue und schwere Fälle hereingebracht, das System arbeitet am Limit und auf Kosten der Beschäftigten.“ Dass damit auch die Arbeitsbelastung immer höher werde, „das verdanken wir diesem engen Korsett. Hier müssen wir ansetzen.“ Da die Lage „mehr als ernst“ sei, wolle man verschiedene Aktionen starten, zum Beispiel „die Bevölkerung informieren, worum es uns geht“, sei es mit Plakaten oder Aktionen. Um gemeinsam Druck zu machen, wurde nun beschlossen, die besagte Initiative zu gründen.

Die Gründungsversammlung der Initiative „Mehr Personal für unser UKS“ wurde im Sportheim des SC Union abgehalten.
Die Gründungsversammlung der Initiative „Mehr Personal für unser UKS“ wurde im Sportheim des SC Union abgehalten. FOTO: Christine Maack