| 20:20 Uhr

Heringsessen in Beeden
Wagner kritisiert bisherige Stadtspitze

 Gerhard Wagner (Mitte) zeichnete Ines Mayer (links daneben) und Klaus Krischel (rechts daneben) mit der Bürgermedaille aus. Ganz links Laudator Hans Ortinau, ganz rechts Laudatorin Vera Hennefeld.
Gerhard Wagner (Mitte) zeichnete Ines Mayer (links daneben) und Klaus Krischel (rechts daneben) mit der Bürgermedaille aus. Ganz links Laudator Hans Ortinau, ganz rechts Laudatorin Vera Hennefeld. FOTO: Sebastian Dingler
Beeden. Kritische Worte beim Heringsessen vom Beeder Ortsvertrauensmann, der nicht mehr für das Amt antreten wird. Von Sebastian Dingler

Eigentlich, so meinte Beedens Ortsvertrauensmann Gerhard Wagner, habe er sich in diesem Jahr noch zurückgehalten im Vergleich zu anderen Aschermittwochsreden. Trotzdem teilte das SPD-Stadtratsmitglied ganz schön aus –  nach fast allen Seiten.

In seiner Rede zog Gerhard Wagner ein Resümee seiner 23-jährigen Tätigkeit als Ortsvertrauensmann in seinem Stadtteil, die er nach den Wahlen im Mai aufgeben möchte. „Man soll dann irgendwann gehen, und der Zeitpunkt ist für mich gekommen“, sagte Wagner. Als Errungenschaften seiner Amtszeit führte er unter anderem das Anlegen des Biotops, den Neubau der Kindertagesstätte und den Ausbau der alten Sporthalle zum Hasenheim an. Als Ziele für die Zukunft Beedens nannte er neben anderen Dingen die Verbesserung der Beleuchtung der Blieskasteler Straße und Sanierungsmaßnahmen am Beeder Brünnchen.

Zu den Streitpunkten in der Stadt Homburg meinte Wagner, er hoffe, dass dem neuen Investor des Vauban-Carrees die Umsetzung der Pläne mit Geschäften, Wohnungen und einem Hotel gelinge. Für die Homburger Parkhaus- und Stadtbus GmbH (HPS) forderte Wagner einen eigenen Geschäftsführer. Derzeit sei der Stadtkämmerer dafür verantwortlich, aber der habe schließlich auch noch andere Aufgaben. Die Pläne zur Erschließung des Schlossbergs sieht Wagner eher kritisch. „Ob man einen Aufzug braucht, sollte man wirtschaftlich prüfen. Die Unterhaltung kostet viel Geld.“



Zur aktuellen Situation mit dem Urteil gegen Rüdiger Schneidewind sagte Wagner: „Missstände müssen von den Meistern und den Abteilungsleitern direkt verfolgt werden, in Gesprächen mit der Stadtspitze muss nach Lösungen gesucht werden.“ Dies habe in den vergangenen Jahren nicht hundertprozentig funktioniert.

Für die Zukunft wünsche er sich, dass in der Verwaltungsspitze besser zusammengearbeitet werde, der Verwaltungschef bei wichtigen Entscheidungen den Stadtrat mit einbinde und seine Kompetenzen nicht überschreite. „Wenn ich eine Wahl gewonnen habe, bin ich nicht der liebe Gott! Dann muss ich die Meinungen austauschen mit meinen Leuten oder mit dem Stadtrat.“ Es werde oft ein Klüngel gebildet, und das schade jeder Stadt. Es seien ja gleichzeitig mit Schneidewind noch andere Oberbürgermeister angeklagt. Da solle man sich überlegen, ob nicht das Amt dazu führe, dass manche übermütig würden, so Wagner.

Am Ende seiner Rede war sich der 71-jährige auch nicht für Werbung für den politischen Gegner zu schade. So meinte er: „Ich sage Euch etwas aus voller Überzeugung: Wenn in Beeden einer die SPD nicht wählen kann, dann wählt die CDU, dann ist es auch noch in Ordnung. Aber kommt nicht auf den Gedanken und wählt etwas anderes“. In eine andere Richtung teilte Wagner allerdings ordentlich aus: „Ich will heute Abend keinen Namen sagen und auch keine Parteien. Aber es ist ja schon verwunderlich, dass von einer Bürgerinitiative fünf, sechs Leute auf einer Parteiliste stehen. Das braucht man ja nicht, die wollen ja nur hetzen und bestimmte Dinge verhindern.“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Wilfried Bohn, sprach anschließend von schlechten Zeiten, die die Politik derzeit in Homburg erlebe. Er wiederholte noch mal den Standpunkt der SPD, dass das Urteil gegen Schneidewind zu hart sei. „Ich bin heilfroh, in einem Land leben zu können, in dem Urteile nicht einfach hingenommen werden müssen, sondern in dem die Möglichkeit besteht, ein Urteil noch mal nachsehen zu lassen.“