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Corona-Krise
„5 / 2“ ist nicht bei allen angekommen

 Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind in der Stadt unterwegs.
Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sind in der Stadt unterwegs. FOTO: Jennifer Klein
Homburg. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes Homburg kümmern sich um die Umsetzung der Verfügungen zur Corona-Krise. In der Stadt klappt es recht gut, Brennpunkte waren in den ersten Tagen jedoch Stadtpark und Jägersburger Weiher. Von Jennifer Klein

Während ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung sich nach Möglichkeit ins Homeoffice zurückzieht, Arbeitgeber den Publikumsverkehr so weit wie möglich einschränken oder gleich ganz schließen, müssen die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes verstärkt raus. Sie sind es nämlich, die vor Ort die verschärften Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus’ umsetzen müssen.

Vor allem gilt es darauf zu achten, dass keine Menschenansammlungen über fünf Personen entstehen. Die Stadt hat die Spielplätze in Homburg gesperrt.

Kontrolliert wurden in den vergangenen Tagen zum Beispiel die Abstandsregelungen von zwei Metern zwischen den Gästen in der Gastronomie – das ließ sich noch mit Tische-Rücken umsetzen. Die Ortspolizeibehörden sind berechtigt, individuelle Verbote auszusprechen. Zuwiderhandlungen können mit Haft- oder Geldstrafen geahndet werden. Am Donnerstag wurde den Gastronomen die Außenbestuhlung untersagt, am Freitagnachmittag verkündete Ministerpräsident Tobias Hans neben der Ausgangsbeschränkung ab Samstag 0 Uhr und der Schließung der Friseursalons auch die Schließung aller Gastronomiebetriebe; nur Straßenverkauf und Lieferservice bleiben erlaubt.



Nach den ersten Tagen war die Bilanz in Homburg gemischt, wie Pressesprecher Jürgen Kruthoff nach Rücksprache mit Madeleine Weiler, Leiterin des Ordnungsamtes der Stadt, sagt. „Um mit dem Positiven anzufangen: Unsere Kontrollen in Bezug auf Gewerbe und Gaststätten in der Stadt sind durchweg gut verlaufen. Es gab wenig zu beanstanden, und wenn eingegriffen werden musste, dann waren Personal und Kunden sehr einsichtig.“ In der Hauptsache war das wegen der Verfügung zur Außenbestuhlung, die musste entfernt, beziehungsweise zum Beispiel mit Ketten „unbenutzbar“ gemacht werden.

„Die Mitarbeiter des Ordnungsdienstes haben viele Gespräche geführt und die Maßnahmen erklärt.“ Auch bei den noch geöffneten Geschäften wurde ebenfalls verstärkt auf die „Abstandsregelung“, zum Beispiel beim Schlange-Stehen an der Kasse, hingewiesen. Immer wieder taucht die magische Zahlenkombination „5 – 2“ auf – nicht mehr als fünf Personen zusammen, zwei Meter Abstand.

Was im öffentlichen Raum in der Stadt noch ganz gut klappte, gestaltete sich jedoch zunehmend schwieriger im „Freizeitbereich“, auf den Spielplätzen, vor allem im Homburger Stadtpark und am Jägersburger Weiher, bei schönem Wetter ohnehin immer beliebte Treffpunkte. Offensichtlich auch in Corona-Zeiten. Denn dort herrschte reges Treiben, als gäbe es keine Ausnahmesituation – ein Tanz auf dem Vulkan. „Gerade Stadtpark und Jägersburger Weiher waren nachmittags stark frequentiert, da waren viele Gruppen von mehr als fünf Personen unterwegs und auf der Wiese; auch die Abstandsregelung von 1,50 bis zwei Metern wurden deutlich unterschritten“, zählt Kruthoff auf.

Mitarbeiter von Baubetriebshof und Ordnungsdienst, die die betreffenden Bürger deshalb angesprochen hätten, „wurden ignoriert oder teilweise auch beschimpft. Da war also keine Einsicht gegeben“, sagt Kruthoff. „Natürlich ist es eine schwierige Situation zurzeit“, sagt er, „da kommt einiges zusammen“: Gerade bei dem schönen Wetter, wenn Uni, Schule oder Kita zu haben, wenn Stadt-, Sozial- und Vereinsleben darniederliegen, ziehe es die Menschen ins Freie. Und nicht jeder hat einen Garten oder Balkon. Da ist bei vielen die Krise wohl noch nicht in den Köpfen angekommen – oder im Gegenteil, der Wunsch nach „abschalten“ so groß, dass die Regelungen missachtet werden.

Man müsse sich bewusst machen: „Es geht darum, Menschenansammlungen und damit Risiken für weitere Infektionen zu vermindern und die Infektionskette zu unterbrechen. Je weniger Fälle, desto besser. Es geht ja darum, das Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten und Zeit zu gewinnen, damit nicht alle Kapazitäten wegen Corona gebunden sind. Man muss sich klarmachen, dass man damit vielleicht auch einem Patienten mit dringender Herz-OP das Leben rettet“, betont Kruthoff.

„Wir appellieren natürlich an die Vernunft, und werden das auch weiterhin tun. Die Mitarbeiter sind auch geschult in deeskalierender Gesprächsführung. Aber die Stadt ist verpflichtet, dafür zu sorgen, dass die Maßnahmen auch eingehalten werden“, betont Kruthoff. Das Ordnungsamt werde verstärkt Präsenz zeigen und kontrollieren, unterstützt von der Vollzugspolizei. Denn mit der nun zunächst auf zwei Wochen erlassenen Ausgangsbeschränkung hat sich die Ausnahmesituation weiter verschärft.

 Homburg hat die Spielplätze, hier in der Unteren Allee, gesperrt.
Homburg hat die Spielplätze, hier in der Unteren Allee, gesperrt. FOTO: Jennifer Klein