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Grippewelle
Nicht ohne meinen Mundschutz

 Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben, um seine Kollegen nicht anzustecken. Auch von Besuchen im Krankenhaus sollte man absehen, niemandem ist gedient, wenn  die Erreger auch noch auf geschwächte Patienten treffen.
 Wer krank ist, sollte zu Hause bleiben, um seine Kollegen nicht anzustecken. Auch von Besuchen im Krankenhaus sollte man absehen, niemandem ist gedient, wenn  die Erreger auch noch auf geschwächte Patienten treffen. FOTO: Maurizio Gambarini / dpa
Homburg. Barbara Gärnter, Professorin für Hygiene: Zurzeit ist die Krankheitslast an Influenza am Universitätsklinikum sehr hoch Von Christine Maack

Dass die Fastnacht den Winter austreibt, triift in diesem Jahr nicht zu. Aber eines lässt sich über die Fastnacht mit Sicherheit sagen: sie ist ein hervorragende Verbreitungsmöglichkeit für grippale Infekte aller Art.

„Es gibt immer zwei Ereignisse, die die Infekte in die Höhe schnellen lassen“, sagte der Homburger Kinderarzt Hagen Reichert schon zu Beginn des Winters, „das ist einmal die Zeit nach Silvester. Und dann vor allem die Zeit nach Fastnacht.“

Und so ist es dann auch gekommen. Zugige Festsäle, zu dünne Kleidung, Husten, Niesen, Polonaise – auch in diesem Jahr folgte nach den tollen Tagen der Erkältungskater auf dem Fuß. Denn erfahrungsgemäß baue sich die Grippewelle zu Jahresbeginn langsam auf, nehme Mitte Januar Fahrt auf und strebe zwischen der sechsten und zehnten Kalenderwoche ihrem Höhepunkt zu, so Reichert.



Jetzt hat die Grippewelle also ihren Höhepunkt erreicht, wenn man auf die Deutschlandkarte des Robert-Koch-Instituts blickt: sie ist dunkelrot. Bis auf wenige dünn besiedelte Bereiche im Hunsrück, im Bayrischen Wald und an der mecklenburgischen Küste, die noch grün sind, ist Deutschland fest im Griff von Husten, Schnupfen und Fieber.

Schon seit Jahresbeginn haben Experten anhand der Erhebungen des Robert-Koch-Institutes beobachten können, „dass die Grippewelle auf uns zurollt“. Vor allem an der Anzahl der erkrankten Kinder könne man dies zuerst ablesen – und dann hochrechnen, denn die Ansteckungswege seien bekannt, so eine Mitteilung des Instituts.

Die Kindergärten sind leer, die Büros verwaist – nur in den Apotheken herrscht Hochbetrieb. Seit Mitte Februar geht dort hauptsächlich die typische Erkältungsmedizin über den Tresen. Alles werde nachgefragt, von Antibiotika auf Rezept bis zu Hausmittelchen zum Einreiben oder Inhalieren, sagt Apotheker Christian Charissé, in dessen Geschäft auch vier Mitarbeiterinnen erkrankt sind. Kein Wunder, in Homburg und Umgebung grassiert neben diversen Atemwegserkrankungen wie Bronchitis oder Rachenentzündungen auch die richtige Grippe, Influenza genannt,  „wenn auch in viel geringerer Anzahl als die grippalen Infekte“, so Charissé.

Und die plagt derzeit vor allem das Uniklinikum, denn schwere Fälle werden dorthin überwiesen. Aber auch ein Uniklinikum hat nur begrenzte Kapazitäten. „Wir sind in manchen Stationen am Ende unserer Leistungskraft“, hatte Pflegedirektor Wolfgang Klein bereits am Anfang der Woche gesagt, „wir mussten schon Stationen schließen, weil auch das Pflegepersonal erkrankt ist.“ Die Patienten würden aus dem ganzen Saarland und aus der Westpfalz nach Homburg geschickt werden, „weil vor Ort die kleineren Krankenhäuser bereits überfüllt sind.“

Barbara Gärtner, Professorin am Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Uniklinikum ist ebenfalls besorgt: „Zurzeit ist die Krankheitslast an Influenza an unserem Uniklinikum sehr hoch. Dies betrifft sowohl Patienten wie auch Mitarbeiter. Wir versuchen vor allem zu verhindern, die Erkrankung im Krankenhaus zu übertragen“, betonte sie gegenüber unserer Zeitung. Die Händedesinfektion und der Mundschutz seien dabei von großer Bedeutung. „Am Uniklinikum müssen jetzt alle Besucher Mundschutz tragen, um ihre Angehörigen nicht zu gefährden. Wichtig ist, dass auch Menschen, die sich noch völlig gesund fühlen, bereits infiziert sein können und Viren auf ihre Angehörigen übertragen können“, erläutert die Expertin weiter.

Denn gerade für ein Haus der Maximalversorgung wie das Uniklinikum, in dem bereits geschwächte Patienten liegen, die gerade eine OP hinter sich haben oder eine besondere Behandlung brauchen, ist eine zusätzliche Belastung durch grippale Infekte oder gar Grippeviren ein großes Risiko. Deshalb sollte man vielleicht davon absehen, Besuche zu machen, wenn man selbst mit einer Erkältung zu kämpfen hat. Es sollten „nicht noch Erreger von außen herein getragen werden“, wie Pflegedirektor Wolfgang Klein betonte.